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Nordrhein-WestfalenAngepasster Adebar - Die neue Welt der Störche

22.02.2026, 04:22 Uhr
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Der frühe Vogel fängt den Wurm, lautet ein Sprichwort. Das trifft in gewisser Weise auch auf den Weißstorch zu. Warum diese großen Vögel tendenziell früher aus den Winterquartieren zurückkehren.

Xanten/Minden (dpa/lnw) - Sie müssen nicht mehr so weit fliegen: Landesweit sind die ersten Weißstörche nach Beobachtung von Ornithologen aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Das ist durch den Wintereinbruch in einigen Regionen zwar etwas später als im vergangenen Jahr. Tendenziell kommen Störche aber früher nach NRW zurück als noch vor Jahrzehnten. Die bange Frage lautet in diesem Jahr, wie viele Tiere hat die Vogelgrippe getötet?

Population auf historischen Höchststand

Nach Daten der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft hat die Zahl der Weißstörche 2025 in NRW einen Höchststand erreicht mit 1.027 Brutpaaren und 1.540 ausgeflogenen Jungvögeln. So viele Störche habe es wahrscheinlich in den etwa 500 Jahren zuvor nicht gegeben, seitdem der Weißstorch in das heutige Nordrhein-Westfalen gekommen sei, sagt der 2. Vorsitzende Michael Jöbges.

Vor wenigen Jahrzehnten fast ausgestorben

Die Mitglieder des Aktionskomitees Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke setzen sich seit den 1980er Jahren für die Tiere ein. 1991, dem Tiefpunkt, lebten an der Weser die letzten verbliebenen drei Brutpaare des Landes NRW.

Auch am Niederrhein und an Lippe viele Störche

Inzwischen gibt es im Kreis Minden-Lübbecke wieder große Kolonien, so etwa in Petershagen. 2025 zählten Vogelschützer dort 190 Brutpaare. Es folgte der Kreis Wesel mit 114 Brutpaaren. Auch die Lippe-Auen sind ein Schwerpunkt.

Aktuell Sichtungen fast überall in NRW

Der Naturschutzverband Nabu NRW verweist aktuell auf Sichtungen von Weißstörchen etwa in der Städteregion Aachen, auf der Bislicher Insel im Kreis Wesel, den Rieselfeldern in Münster oder den Ahsewiesen im Kreis Soest. Auch in der Region Ostwestfalen-Lippe seien die ersten Störche gesichtet worden.

Das Aktionskomitee Weißstörche aus dem Kreis Minden-Lübbecke hat Stand Freitag in 14 Horsten Storchenpaare und in 27 Horsten einzelne Störche noch ohne einen Partner gesichtet. Zwei sind schon im Januar zurückgekehrt. Ab 6. Februar waren es deutlich mehr, wenn auch weniger als in den Vorjahren, wie Guido Diethelm aus dem Vorstand der Vogelschützer-Initiative berichtet.

Viele Winterquartiere in Europa statt Afrika

In den Jahren 2023 und 2024 sind nach seinen Angaben auch schon im Dezember erste Rückkehrer gemeldet worden. "Diese Störche sind die sogenannten Westzieher, die in Westafrika, Spanien, Portugal überwintern. Auch im Hessischen Ried überwintern zahlreiche Störche", erklärt Diethelm. Die sogenannten Ostzieher, die über den Balkan, den Bosporus, Israel und am Nil entlang bis nach Ostafrika ziehen, kommen demnach erst ab Ende März wieder an.

Westroute weniger kraftraubend und sicherer

Bei mehr als 95 Prozent der Weißstörche handele es sich hierzulande um Westzieher, sagt Jöbges. Das habe auch die Zunahme des Bestandes gefördert. Im vergangenen Jahrhundert hätten noch die Ostzieher überwogen, die nicht nur weite Strecken bewältigen müssten, sondern auch enormen Gefahren etwa durch Witterung, Strommasten und Kriege ausgesetzt seien.

Nahrung auf Mülldeponien

Die Westroute bietet aber auch noch weitere Vorteile neben einer kürzeren Distanz: "Früher zogen die Westzieher über Gibraltar nach Westafrika. Später blieben immer mehr Störche in Spanien und Portugal, wo sie ausreichend Nahrung zum Beispiel auf Mülldeponien fanden", schildert Diethelm.

Konkurrenzkampf um beste Plätze

Immer mehr Störche überlebten den Flug. "Dies führte zu einem Anstieg der Population, weswegen viele Störche zusehen, möglichst früh auf ihren angestammten Horst zu kommen", erklärt Diethelm. Er spricht von einem Konkurrenzkampf um die guten Horstplätze. Das Nachsehen hätten die später eintreffenden Ostzieher oder junge Störche, die erstmals brüten wollten.

Rat an Immobilienbesitzer

Der Mangel an Horsten in guten Habitaten führe mittlerweile dazu, dass immer mehr Störche irgendwo ohne eine Nisthilfe einen Horst bauten, meint Diethelm. Laut Jöbges nutzen Störche immer mehr Bäume als Horstgrundlage. Dazu zählten Pappeln. Immobilienbesitzer, die etwa Wagenräder aufstellen wollten, sollten darauf achten, dass der Standort Störchen genügend Nahrung biete.

Nicht nur Frösche

In den Schnabel kommen nicht nur Frösche: Nach Beobachtung von Nabu-Vogelexperte Christian Chwallek haben Weißstörche ihr Nahrungsspektrum erweitert. "Früher waren sie besonders angewiesen auf alles, was in Teichen lebt, vor allem Frösche", erklärt er. Mittlerweile fressen Störche nach seinen Schilderungen auch Regenwürmer, Engerlinge und selbst Mäuse auf Äckern.

Unklare Folgen der Vogelgrippe

Die Vogelgrippe hat nach Nabu-Einschätzung in Spanien auch unter den Großvögeln gewütet und damit etliche Weißstörche dahingerafft. Erst nach der Rückkehr der brutorttreuen Störche sei das Ausmaß erkennbar.

"Ich gehe nicht davon aus, dass es einen massiven Einbruch der Bestände gibt", meint Jöbges. Bei Kranichen habe die Vogelgrippe größere Ausmaße angenommen. "Die ersten Störche sind zurück. Wir sind gespannt."

Der Klimawandel sei im Winter positiv für die Störche mit milderen Werten, im Sommer könne aber extreme Trockenheit über Monate die Störche bedrohen.

Quelle: dpa

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