Nordrhein-WestfalenMehr Unfälle im Nahverkehr - Wie reagieren die Betriebe?

Nach einer Unfallserie steht bei der Rheinbahn das Sicherheitssystem auf dem Prüfstand. Auch anderorts sind Unfallzahlen gestiegen. Was Autofahrer, Fußgänger und Fahrgäste beachten sollten.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Verbotenes Linksabbiegen über die Gleise, frei stehende Fahrgäste und auf das Handy fixierte Fußgänger: Große Nahverkehrsbetriebe in Nordrhein-Westfalen beobachten steigende Unfallrisiken im täglichen Betrieb mit Sorge. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben.
Die ergriffenen Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit reichen von zusätzlichen Verkehrsschildern über eine signalrote Frontlackierung von Bahnen und Kollisionswarngeräten in neuen Fahrzeugen bis hin zu baulichen Veränderungen. Auch intensive Schulungen der Fahrer sind ein Thema.
Rheinbahn
Bei der Rheinbahn steht angesichts einer Unfallserie das Sicherheitssystem von der Technik und Infrastruktur bis hin zu Betrieb und Ausbildung auf dem Prüfstand. Nach der Kollision von zwei Straßenbahnen mit 30 Verletzten Ende Mai in Düsseldorf hat sie technische Probleme in diesem Fall eingeräumt. Zu den Sofortmaßnahmen gehören Vorsichtsmaßnahmen an bestimmten Weichen.
Zu der Unfallserie seit November gehören vier Entgleisungen, darunter die Straßenbahn-Kollision. "Bei dem weitaus größeren Teil der Unfälle ist allerdings verbotswidriges Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender die Ursache, vor allem durch illegale Linksabbiegevorgänge", sagte ein Sprecher.
Aktuell stünden 15 Bahnen aufgrund von Reparaturen nicht zur Verfügung. Seit einigen Wochen werde ein Fahrerassistenzsystem getestet, das Hindernisse erkenne und das Fahrpersonal warne. Die Front von 110 Stadtbahnen soll rot lackiert werden. Bisher sind drei Bahnen mit der Signalfarbe vorn versehen.
Kölner Verkehrs-Betriebe
Die Unfallzahlen steigen, wobei sich in den vergangenen Jahren nur wenige schwere Unfälle ereigneten, wie ein Sprecher erklärte. Allein mit Stadtbahnen wurden 543 Unfälle 2025 registriert. Viele der Unfälle gingen auf Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer wie verbotenes Linksabbiegen über Gleise zurück.
Es gebe zwar weniger Schwerverletzte, aber: "Wir beobachten, dass sich zunehmend Fahrgäste frei stehend, also ohne sich einen festen Halt zu verschaffen, in unseren Bahnen aufhalten", schilderte der KVB-Sprecher. Das bleibe häufig nicht ohne Folgen. So komme es zu Stürzen etwa in Kurven.
Auch bei Gefahrenbremsungen, um einen Verkehrsunfall zu vermeiden, komme es gelegentlich zu Stürzen und Verletzungen von Fahrgästen. In vielen Fällen seien solche Gefahrenbremsungen erforderlich, weil andere Verkehrsteilnehmer gegen Regeln verstießen und unachtsam oder bei Rot die Gleise überquerten.
"Insgesamt beobachten wir die Unfallentwicklung mit Sorge, denn jeder Unfall bedeutet eine Beeinträchtigung der Betriebsabläufe", sagte er. Jedes Jahr würden bei Unfällen etwa 25 Bahnen so schwer beschädigt, dass sie zum Teil erst nach mehreren Wochen wieder im Betrieb eingesetzt werden könnten.
Bei den aktuellen Stadtbahn-Modellen ließen sich die Kupplungen an der Fahrzeugfront wegklappen und verdecken. Bei Kollisionen würden Fahrzeuge auf diese Weise meist nur noch zur Seite geschoben. "Hierdurch konnte die Zahl schwerer Verletzungen bei Fahrzeuginsassen deutlich reduziert werden."
In den kommenden sechs Jahren werde etwa die Hälfte des KVB-Stadtbahn-Fuhrparks erneuert. Alle neuen Bahnen würden mit einem Kollisionswarnsystem ausgestattet. Es werde bereits seit Anfang des Jahres in zwei Bahnen getestet. Schwere Unfälle, weil Personen verbotenerweise die Kupplung zweier Bahnen übersteigen, seien künftig bei den bestellten Langzügen nicht mehr möglich.
Die KVB habe aktuell drei Fahrsimulatoren für die Stadtbahn bestellt, um das Ausbildungsniveau der Fahrschülerinnen und Fahrschüler stetig zu steigern.
Bogestra
Auf das Thema gefährliche Ablenkung durch das Smartphone bei Fußgängern weist die Bogestra hin. Es sei gefährlich, sich sozusagen im Blindflug durch die Welt zu bewegen. "Viele Unfälle sind durch unsere Fahrer verhindert worden", sagte ein Sprecher des Nahverkehrsbetriebes, der in Bochum, Gelsenkirchen, Herne, Hattingen, Witten und auch Teilen des Ennepe-Ruhr-Kreises aktiv ist.
Stadtwerke Bielefeld
Die Unfallzahlen seien in den vergangenen drei Jahren leicht gestiegen, wobei fremdverschuldete Unfälle deutlich überwiegen, erklärte ein Sprecher. "An kritischen Knotenpunkten wurden aktuell Signalanlagen modifiziert, sodass die Unfallzahlen durch abbiegende Pkw stark gesenkt werden konnten", sagte er. Neuralgische Bereiche seien durch technische Einrichtungen bei der Stadtbahn geschwindigkeitsüberwacht. Das Weichen-Befahren werde intensiv geschult.