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Nordrhein-WestfalenMehr als die Hälfte der Kühe darf auf die Weide

09.04.2026, 13:58 Uhr
Milchkuehe-laufen-beim-ersten-Weidegang-auf-eine-Wiese-in-Leverkusen

Mit dem Frühling geht es für viele Milchkühe wieder nach draußen. Je nach Region und Wetter stehen schon Kühe auf der Weide. Die gewonnene Milch hat nicht unbedingt dieses besondere Label.

Krefeld/Leverkusen (dpa/lnw) - Mehr als die Hälfte der Milchkühe in Nordrhein-Westfalen hat nach einer Verbandseinschätzung Zugang zu einer Weide. Das sei mehr als im Bundesdurchschnitt von rund einem Drittel, sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, Rudolf Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur. Die Weidehaltung im Sommer an mindestens 200 Tagen bei täglich 6 Stunden Weidegang sei mittlerweile der etablierte Standard.

Verschiedene Haltungsformen

Bei den Haltungsformen im Stall dominiere der Laufstall, in dem sich die Kühe frei bewegen könnten. In nur noch 5 bis 10 Prozent der Milchbetriebe in NRW gebe es die Anbindehaltung, bei der die Kühe an einem Platz fixiert werden. Auch bei der Anbindehaltung hätten die Kühe im Sommer in der Regel Weidegang. Es gebe auch Laufställe, in denen die Kühe ganzjährig bleiben.

Nachts meistens wieder im Stall

Bei der Kombination von Stallhaltung im Winter und Weidehaltung im Sommer verbrächten die Milchkühe auch im Sommer die Nacht größtenteils im Stall, erläuterte Schmidt. Es gehe um das Melken am Morgen. Das Weidemelken mit einer mobilen Vorrichtung und einem Milchtank habe in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen. Dabei spielten Hygieneauflagen eine Rolle.

Wo wird die Milch verarbeitet?

In NRW werden in gut 4.400 landwirtschaftlichen Betrieben insgesamt 367.000 Milchkühe gehalten. In den landesweit fünf Molkereien wird Rohmilch vorwiegend zu Trinkmilch und Joghurt verarbeitet. Butter und Käse sind nicht die Schwerpunkte der Molkereiproduktion innerhalb von NRW. Ein Teil der hier erzeugten Rohmilch wird in Molkereien außerhalb von NRW verarbeitet.

Nur 9 Prozent des Milchabsatzes in Deutschland im Lebensmittelhandel habe laut Marktforschern das Label Weidemilch. Es werde mit dem Weidegang aber deutlich mehr Milch erzeugt, als in den Regalen der Supermärkte und Discounter mit dem Label Weidemilch verkauft werde, betont Schmidt.

Hoher Aufwand für Landwirte

Der Weidemilchanteil dürfte nach dem Standard von mindestens 200 Tagen bei täglich 6 Stunden in NRW und den nördlichen Nachbarländern zwischen 50 und 70 Prozent liegen, schätzt der Verbandsvertreter. Viele Landwirte nähmen aber am Weidemilch-Programm wegen des hohen Aufwandes nicht teil. Außerdem könnten die Molkereien so große Mengen an Weidemilch nicht absetzen.

Technik gegen Hitze im Stall

Die Wohlfühltemperatur der Kühe liege in einer Spanne zwischen 4 und 16 Grad, erklärte eine Sprecherin der Landesvereinigung. Daher werde in modernen Außenklimaställen mit viel Frischluftzufuhr mit verschiedenen technischen Mitteln der Hitzestress der Kühe im Sommer reduziert. Dazu gehörten Ventilatoren, die für Luftbewegung und Kühlung sorgten. Auch eine Sprühkühlung könne die Temperatur durch Verdunstung weiter senken.

Wann kommen Kühe auf die Weide?

Die Termine für den Weideaustrieb in NRW sind laut der Landesvereinigung je nach Region unterschiedlich. Zu welchem Zeitpunkt im Frühjahr Kühe in Betrieben mit Weidehaltung raus können, hänge vor allem von der Witterung ab. Wichtig seien auch das Wachstum des Grünlands sowie die Beschaffenheit des Bodens. Am Niederrhein stünden viele Kühe bereits auf der Weide. So habe der Schauhof Zens in Willich sein Weideauftriebsfest bereits am 8. März gefeiert.

In höheren Lagen wie in der Eifel, im Sauerland oder auch im Bergischen Land beginne die Weidesaison erst langsam. Auch in Bielefeld gebe es noch im April ein Fest zum Weideaustrieb. Nach der Einschätzung der Landesvereinigung erfreuten sich Feste zum ersten Weidegang der Kühe auch in NRW wachsender Beliebtheit und würden vor allem von Höfen mit Direktvermarktung angeboten.

In Leverkusen läutete Landwirtin Anne Wieden mit dem Weideaustrieb den Frühling für ihre Milchkühe ein, teilte die Molkereigenossenschaft Arla Foods mit.

Quelle: dpa

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