Nordrhein-WestfalenMutmaßlicher Hawala-Banker in Hagen festgenommen

In Hagen wird ein 45-Jähriger festgenommen. Er soll als mutmaßlicher Hawala-Agent Schleusungs- und Geldwäschegeschäfte abgewickelt haben.
Hagen (dpa/lnw) - Bundespolizisten haben in Hagen den mutmaßlichen Betreiber eines Hawala-Netzwerks festgenommen. Der 45-Jährige stehe im Verdacht, als sogenannter Hawala-Agent an Schleusungs- und Geldwäschegeschäften beteiligt gewesen zu sein, teilte die Bundespolizei in Potsdam mit.
Nach Angaben der Ermittler hatte der Mann im Raum Hagen als Vermittler des informellen Finanzsystems agiert. Er und weitere Beschuldigte hätten demnach die Bezahlung von Menschenschleusern abgewickelt und Bargeld außerhalb des regulären Bankensystems ins europäische und außereuropäische Ausland weitergeleitet.
Die Festnahme sei am Samstag erfolgt, als der Beschuldigte Bargeld bei einer Scheinfirma habe abgeben wollen. Von dort aus habe das Geld weiterverteilt werden sollen.
Haftbefehl auch wegen Bildung krimineller Vereinigung
Gegen den Syrer habe das Amtsgericht Hagen zuvor Haftbefehl wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern, der Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und weiterer Delikte erlassen.
Zudem seien bei einer Razzia neun Durchsuchungsbeschlüsse in Hagen, Stadtlohn, Steinheim und Gescher vollstreckt worden. Dabei waren nach Polizeiangaben unter anderem 13.300 Euro Bargeld sowie Datenträger und Mobiltelefone sichergestellt worden.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen und des Bundespolizeipräsidiums dauerten an. Hintergrund sei ein früheres Verfahren gegen einen weiteren Beschuldigten, der seine Schleuser-Geschäfte über den nun Festgenommenen abgewickelt haben soll.
Hawala-Banking ist hunderte Jahre alt
Das in der arabischen Welt vor Jahrhunderten entstandene System des Hawala-Bankings wird für Geldüberweisungen abseits der offiziellen Bankkanäle genutzt. Hawala beruht auf Vertrauensbasis der Beteiligten, die oft der gleichen Ethnie angehören. Es erlaubt Geld ohne Möglichkeit der Rückverfolgung zu transferieren. Hawala wird aber auch von vielen Einwanderern genutzt, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen.
Das Geld wird gegen eine Gebühr eingezahlt. Der nicht namentlich festgehaltene Einzahler erhält ein Kennwort, gegen dessen Nennung der ebenfalls anonyme Empfänger das Geld bei einem Händler im Zielland ausgezahlt bekommt. In Deutschland ist Hawala-Banking verboten.