Nordrhein-WestfalenNach schlechter Umfrage: Krisensitzungen bei der SPD in NRW

Nur 14 Prozent für die SPD in NRW – und kaum jemand kennt den Spitzenkandidaten Jochen Ott. Die Partei setzt Krisensitzungen an. Ott sieht die Schuld beim Bund.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Präsidium und Vorstand der SPD in NRW treffen sich nach dem schlechten Ergebnis in einer neuen Forsa-Wahlumfrage am heutigen Donnerstag und am Sonntag zu Krisensitzungen. Das geht aus einer internen E-Mail von Generalsekretär Frederick Cordes hervor, die der dpa vorliegt. Zuvor hatte "Politico" berichtet.
In der E-Mail warnte Cordes am Mittwoch unter anderem die Unterbezirksvorsitzenden vor, dass die Umfrage im Auftrag der nordrhein-westfälischen Tageszeitungen ("NRW-Check") bald veröffentlicht werde und die SPD dort mit 14 Prozent nur noch viertstärkste Kraft sei.
Zur Einordnung fügte Cordes ein Interview des Fraktionsvorsitzenden und designierten Spitzenkandidaten Jochen Ott bei, das mit Bezug auf die frischen Zahlen mit der "NRZ" geführt wurde. Gegenüber der Zeitung sagte Ott: "Die Umfragewerte zeigen, dass sich die NRW-SPD vom Bundestrend nicht lösen kann."
Ott sieht die Schuld beim Bund
In NRW habe man "nach enttäuschenden Kommunalwahlen" eine Kurskorrektur vollzogen "und sechs Punkte für 2026 beschlossen, um NRW gerechter zu machen", sagte Ott. "So eine Korrektur braucht es auch im Bund, denn die SPD wird gebraucht", betonte der Politiker in der "NRZ".
Die SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas wurde am Mittwochabend von Moderatorin Sandra Maischberger in ihrer ARD-Talkshow ebenfalls auf die Forsa-Umfrage für NRW angesprochen. Die Duisburgerin Bas gestand mit Blick auf die Koalition im Bund ein: "Die Menschen im Land sind total genervt von dieser Streiterei. Sie wollen Lösungen haben."
In NRW stellt sich für die SPD aber noch ein anderes Problem: Laut der Umfrage wissen nur 8 Prozent der Wahlberechtigten von Otts Spitzenkandidatur. Dazu sagte der Sozialdemokrat: "Dass meine Bekanntheitswerte noch ausbaufähig sind, ist ein Jahr vor der Landtagswahl nicht überraschend und auch eine Chance. Die NRW-SPD hat bewusst früh für personelle Klarheit gesorgt, damit wir Zeit haben, unsere Ideen bekannter zu machen – und damit auch mich."
In der internen E-Mail von Generalsekretär Cordes heißt es, dass das Präsidium der NRW-SPD am heutigen Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen werde. Der Landesvorstand soll außerordentlich am Sonntag tagen.