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Nordrhein-WestfalenSchüsse bei Verkehrskontrolle: Polizist schweigt vor Gericht

14.01.2026, 13:13 Uhr
Die-beiden-Insassen-des-Fahrzeugs-blieben-unverletzt

Bei einer Verkehrskontrolle soll ein Dortmunder Polizist sechsmal auf ein Auto geschossen haben. Vor Gericht möchte er erst später aussagen. Sein Verteidiger formuliert aber schon ein klares Ziel.

Dortmund (dpa/lnw) - Mehr als drei Jahre nach einer aus dem Ruder gelaufenen Verkehrskontrolle steht ein Dortmunder Polizist seit Mittwoch vor Gericht. Der heute 36-jährige Polizeikommissar muss sich in Dortmund wegen versuchten Totschlags verantworten, weil er am ersten Weihnachtstag 2022 sechs Schüsse auf ein Auto abgegeben haben soll. Zu dem Vorwurf wollte er sich am ersten Verhandlungstag allerdings noch nicht äußern.

Am Steuer saß ein 17-Jähriger

Die Staatsanwaltschaft schildert den Vorfall in der Anklageschrift so: Der Polizist wurde in der Tatnacht zu einem Auto gerufen, dessen Fahrer mit aufheulendem Motor und quietschenden Reifen im Kreis fuhr. Nachdem er das Fahrzeug mit seinem Streifenwagen blockiert hatte, sollen er und ein weiterer Polizist ausgestiegen und mit gezogenen Dienstwaffen auf das Auto zugelaufen sein.

In diesem Moment soll der Fahrer des Autos, ein 17-jähriger Mann ohne Fahrerlaubnis, einige Meter rückwärts gefahren sein, woraufhin der Angeklagte einen ersten Schuss abgab. Das Projektil drang laut Staatsanwaltschaft durch die Windschutzscheibe in das Auto ein und prallte am Lenkrad ab.

Insassen blieben unverletzt

In der Folgezeit soll der 17-Jährige in einem Bogen um den Beamten herumgefahren sein. Dabei gab der Angeklagte laut Anklageschrift weitere fünf Schüsse auf das sich entfernende Auto ab. Mehrere Projektile trafen die Karosserie, der 17-Jährige am Steuer und ein 18 Jahre alter Freund auf der Rückbank blieben jedoch unverletzt.

Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat in ihrer Anklageschrift als versuchte gefährliche Körperverletzung im Amt. Das Schwurgericht hat in seinem Eröffnungsbeschluss allerdings auch einen Tötungsvorsatz nicht ausgeschlossen. Daher geht es in dem Prozess zusätzlich um den Vorwurf des versuchten Totschlags.

Beamter ist vom Dienst suspendiert

Der Beamte ist seit dem Vorfall vom Dienst suspendiert. "Mein Mandant wird sich im Februar umfassend zu den Vorwürfen äußern und dabei schildern, warum die Schüsse aus seiner Sicht gerechtfertigt waren", kündigte sein Verteidiger am ersten Verhandlungstag an. Der Rechtsanwalt stellte klar, dass das Ziel der Verteidigung nur ein Freispruch sein könne.

Der damals 17-jährige Fahrer ist nach Angaben seines Rechtsanwalts bis heute schwer traumatisiert. Auch er wird im weiteren Prozessverlauf seine Sicht der Dinge schildern. Das Dortmunder Schwurgericht hat für den Prozess noch zahlreiche weitere Verhandlungstage bis Ende April angesetzt.

Quelle: dpa

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