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Nordrhein-WestfalenVerbraucher müssen mit weiteren Preisschüben rechnen

28.05.2026, 13:58 Uhr
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Wirtschaftsexperten sehen noch kein Ende der Preisspirale: Viele Unternehmen, die bislang gezögert haben, werden Kostensteigerungen laut jüngster Konjunkturumfrage für NRW erst demnächst weitergeben.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Verbraucher werden sich nach Prognosen von Konjunkturforschern auch in Nordrhein-Westfalen in den nächsten Monaten auf weiter steigende Preis einstellen müssen. Noch sei der Energiepreisschock nicht auf die gesamte Breite der Waren und Dienstleistungen durchgeschlagen, sagte Konjunkturexperte Torsten Schmidt vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. "Da kommen noch Belastungen auf die Verbraucher zu in den kommenden Monaten."

Auch der Präsident der Industrie- und Handelskammern NRW, Ralf Stoffels, berichtete aus der jüngsten branchenübergreifenden Konjunkturumfrage: "Mehr als jedes zweite Unternehmen plant, die gestiegenen Kosten weiterzugeben."

Im Laufe des nächsten Jahres rechnet das RWI hingegen wieder mit einer Beruhigung der Energiepreise und infolgedessen steigendem privaten Konsum - unter der Prämisse, dass der Iran-Krieg nicht eskaliert. Das geht aus seinem Konjunkturbericht für NRW hervor.

Ministerin: "Energieversorgungssicherheit ist gewährleistet"

"Wir haben kein Versorgungsproblem, sondern ein Preissteigerungsproblem", sagte NRW-Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) zu gestiegenen Energiekosten infolge des Engpasses in der Straße von Hormus. "Die Energieversorgungssicherheit ist gewährleistet - Ausrufezeichen!" Auf die Frage, ob das auch für Kerosin gelte, sagte Schmidt mit Blick auf den Sommer, hier sei das Versorgungsrisiko zwar größer, "aber sichtbar ist es noch nicht".

Für das laufende Jahr prognostiziert das RWI für NRW ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Das entspricht dem Mini-Wachstum, das sowohl die "Wirtschaftsweisen" als auch die Bundesregierung 2026 für Deutschland erwarten. Für das kommende Jahr rechnet das RWI mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in NRW und 0,9 Prozent im Bund.

Nachdem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in NRW im vergangenen Jahr um 16.000 Personen gestiegen sei, müsse in diesem Jahr mit einem Rückgang um etwa 7.000 Personen gerechnet werden. In der Industrie verliert NRW laut RWI-Bericht jeden Monat bis zu 2.800 Arbeitsplätze.

"Besonders Chemie und Metallerzeugung, die sich gerade zu stabilisieren begannen, geraten erneut unter Druck", sagte Schmidt über die gestiegenen Energiepreise. Derzeit hielten die öffentlichen Investitionen die NRW-Konjunktur über Wasser.

Exporte sind keine Treiber mehr

Dagegen seien Exporte, die für die deutsche Wirtschaft lange Zeit eine Stütze gewesen seien, keine Treiber mehr. "Die Exporte sind eben gerade in den Bereichen schwach, wo auch die Produktion schwach ist - also im Chemiebereich und anderen energieintensiven Bereichen.", stellte Schmidt fest. Das werde so bleiben und sei eines der strukturellen Probleme.

2027 werde die konjunkturelle Erholung aber in NRW für 19.000 zusätzliche Beschäftigte und einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent sorgen - nach voraussichtlich 7,9 Prozent im laufenden Jahr und 7,8 Prozent ein Jahr zuvor.

Stärkster Einbruch seit Corona und Finanzkrise

Die jüngste Konjunkturumfrage der IHK NRW spiegelt noch keine Zuversicht wider. Jedes dritte Unternehmen befürchte eine schlechte Geschäftsentwicklung, berichtete Stoffels. "Nur noch 12 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft."

Dieser Einbruch bei den Erwartungen sei so stark wie zuletzt bei der Finanzkrise oder bei der Corona-Pandemie. Alle Branchen seien betroffen, so dass mittelfristig von weiter rückläufigen Entwicklungen bei Investitionen und Beschäftigung auszugehen sei.

Neubaur mahnte, der Iran-Konflikt sei nun die zweite Energie-Krise innerhalb von fünf Jahren, die die Wirtschaft erheblich belaste. Dabei habe Europa noch nicht einmal vollständig seine Lehre aus der Abhängigkeit von russischem Gas gezogen: "Wer sich erpressbar macht, zahlt." NRW halte mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie strikt dagegen. "Erneuerbare senken schon heute Preissteigerungen in den Stromkosten." Jetzt müsse der Bund Tempo machen und den Reform-Stau auflösen.

Quelle: dpa

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