Nordrhein-Westfalen"Unterschätzte Gefahr": Mehrere Badetote in NRW

Sonne, Hitze, Abkühlung im Fluss, Kanal oder See? Besser Vorsicht walten lassen, warnt die DLRG nicht ohne Grund. In diesem Sommer sind bereits mehrere Menschen beim Baden ertrunken – alle männlich.
Herne (dpa/lnw) - Bei zuletzt sommerlichen Temperaturen hat es in Nordrhein-Westfalen in kurzer Folge bereits mehrere Badetote gegeben. Allein seit Mittwochnachmittag ertranken drei junge Männer nach dem Baden in Freigewässern.
So war am Mittwochabend in Herne ein 20-Jähriger ertrunken, der nach einer Joggingrunde zur Abkühlung in den Rhein-Herne-Kanal gesprungen war, wie die Polizei mitteilte. Ein Begleiter hatte noch versucht, den jungen Mann zu retten – jedoch ohne Erfolg. Mit Hilfe von Tauchern und einer Drohne konnte der Mann in der Nacht nur noch tot geborgen werden.
In Sassenberg (Kreis Warendorf) ging am gleichen Tag ein 27-Jähriger aus unklarer Ursache beim Baden im Feldmarksee unter und konnte nur noch leblos geborgen werden. Ein Zeuge hatte laut Polizei zuvor beobachtet, wie der Mann unterging und Alarm geschlagen. Such- und Rettungsmaßnahmen von Feuerwehr und Rettungsschwimmern kamen aber zu spät.
Dritter Badetoter binnen 24 Stunden
Ebenfalls am Mittwoch war in einem See in Paderborn ein 26-Jähriger untergegangen und am nächsten Tag an den Folgen des Badeunfalls gestorben. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei konnte der junge Mann nicht schwimmen.
Familienangehörige, die überwiegend aus Bielefeld zum Wasserskisee in Paderborn-Elsen angereist waren, hatten ihn am Nachmittag als vermisst gemeldet. Als Polizei und Feuerwehr eintrafen, suchten mehrere Badegäste bereits nach dem Mann und konnten ihn schließlich leblos an die Oberfläche ziehen. Trotz zunächst erfolgreicher Reanimationsmaßnahmen starb der Verunglückte am Tag darauf im Krankenhaus.
DLRG: Häufig steckt Selbstüberschätzung hinter Unfällen
"Es ist leider jeden Sommer das Gleiche: Bei heißen Temperaturen ist Abkühlung im Wasser für viele immer verlockend. Dabei unterschätzen gerade Männer die Gefahren in Seen, Flüssen und Kanälen – und überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten", sagte Sarah Sievers, Sprecherin der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Westfalen.
Es brauche mehr Aufmerksamkeit und verantwortungsbewusstes Verhalten, betont daher die DLRG. Gerade Freigewässer bergen demnach häufig unterschätzte Gefahren wie Strömungen, unklare Tieren, schlechte Sichtverhältnisse. Im vergangenen Jahr ertranken in Nordrhein-Westfalen mindestens 48 Menschen bei Badeunfällen, so die DLRG. Bundesweit zählte sie im vergangenen Jahr 393 Badetote.
Verhaltenstipps der Rettungsschwimmer
"Wer bei heißen Temperaturen in kaltes Wasser springt, läuft Gefahr, dass der Kreislauf einen Kälteschock bekommt – das kann auch für geübte Schwimmer eine Gefahr sein", warnt Sievers. "Ganz oft geht es aber um Fehleinschätzungen der eigenen Fähigkeiten. Wenn dann noch Alkohol im Spiel ist, werden Risiken manchmal einfach ausgeblendet."
Die DLRG rät daher, grundsätzlich nur an geeigneten und bewachten Stellen baden zu gehen – und dabei die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. In der Nähe von Wasser müssten Kinder zudem stets aufmerksam beaufsichtigt werden. Auf Alkohol sollte im und am Wasser besser verzichtet werden.
Bereits Samstag war in Essen ein 14-Jähriger in der Ruhr ertrunken. Der Jugendliche war im Bereich einer Brücke ins Wasser gegangen und anschließend nicht mehr gesehen worden. Nach stundenlanger Suche zogen Rettungskräfte ihn an Land. Im Krankenhaus konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.