Nordrhein-WestfalenVon A wie Autobahn bis M wie Mond: Was ist typisch NRW?

NRW feiert Geburtstag – doch was macht das Bindestrich-Bundesland wirklich aus? Fakten von Stauland Nr. 1, über die Cranger Kirmes bis zum Mondzentrum Luna in Köln.
Düsseldorf (dpa/lnw) - Am 23. August feiert Nordrhein-Westfalen Geburtstag. Das Land wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt. Die große Feier steigt eine Woche später in Münster. Doch was ist eigentlich typisch für dieses Bindestrich-Bundesland mit seinen unterschiedlichen Menschen, Landstrichen und Eigenarten? Die Deutsche Presse-Agentur hat das Land zwischen Rhein, Ruhr und Weser einmal durchbuchstabiert, hier Teil 1 von A bis M:
A wie Autobahnen: Mehr als 2.200 Kilometer Autobahn durchziehen NRW. Täglich pendeln Millionen von A nach B - und das bei reichlich Baustellen und reichlich europäischem Lastwagen-Verkehr. Das Bundesland ist ein bedeutendes Transitland und trägt deshalb auch weiterhin den unrühmlichen Titel "Stauland Nr. 1". Warum? Der ADAC hat gezählt: 35 Prozent der Staustunden in ganz Deutschland entfielen im Jahr 2025 auf unser Bundesland. Mit weitem Abstand folgen mit 13 Prozent Bayern und Baden-Württemberg mit 10 Prozent. Den Spitzenplatz hält dabei die A3 von Köln nach Oberhausen mit 12.424 Staustunden, gefolgt von der A42 im Ruhrgebiet mit 9.387 Stunden und der A1 von Köln nach Dortmund mit 8.758 Stunden.
B wie Büdchen: Der kleine Kiosk an der Ecke ist bis heute ein sozialer Treffpunkt. Wer schnell 'ne Flasche Bier oder Eis für die Kinder braucht, ist hier auch außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten richtig. Je nach Region tragen die kleinen Verkaufsläden andere Namen. Was dem Berliner der Späti, ist dem Reviermenschen das Büdchen, der Kiosk oder die Trinkhalle. Im Rheinland war der Spruch "Am Büdchen krichse alles!" lange fest im Sprachschatz verankert.
C wie Cranger Kirmes und andere Traditionsveranstaltungen: Volksfeste wie die Cranger Kirmes in Herne oder die Rhein-Kirmes in Düsseldorf gehören zur NRW-DNA. Ob Libori in Paderborn, der Send in Münster oder die Allerheiligen Kirmes in Soest, die Zahl der Besucher überschreitet oft die Million-Grenze. Und jedes Angebot hat seine spezielle Geschichte. Libori ist eng verbunden mit einer kirchlichen Tradition und der ältesten europäischen Städtepartnerschaft mit Le Mans in Frankreich. Soest ist die größte Altstadtkirmes Europas. Hier drehen die Fahrgeschäfte sehr nah an den alten Fachwerkhäusern ihre Runden.
D wie Discofieber: Der Aachener "Scotch-Club" gilt als erste Diskothek Deutschlands. Als dem damaligen Restaurant 1959 die Gäste ausbleiben, macht Franzkarl Schwendinger daraus ein Tanzlokal. Ihm fehlt das Geld für teure Live-Musik. Daher lässt er Schallplatten aktueller Hits abspielen, wie ein Sonderheft des NRW-Landtags zum 80. Geburtstag des Landes berichtet.
E wie Einwanderungsland: NRW hat eine lange Zuwanderungsgeschichte. Im 19. Jahrhundert waren viele Polen ins Ruhrgebiet ausgewandert, seit den 1960er Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden sogenannte Gastarbeiter aus Italien, Griechenland oder der Türkei besonders fürs Ruhrgebiet angeworben. Sie und ihre Nachkommen blieben. Fast jeder dritte Einwohner hat heute einen Migrationshintergrund. Knapp 3,3 Millionen Ausländer lebten Ende 2025 in NRW, vor allem Türken, auch Ukrainer und Syrer. Die Einbürgerungszahl steigt. 2025 waren es 76.156 - Höchststand seit 2000.
F wie Fußball: Borussia Dortmund, Schalke 04, 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und der SC Paderborn: Sie alle sind in der Saison 2026/2027 in der obersten deutschen Fußballliga vertreten. In keinem anderen Bundesland spielt Fußball eine so große Rolle. In keinem gibt es so viele Traditionsvereine, Spielerlegenden und so große Derbys. Ab sofort steht nach dem Aufstieg des FC Schalke nach drei Jahren Pause auch wieder der Klassiker überhaupt auf dem Spielplan. Anfang Dezember ist der BVB zu Gast bei den Königsblauen in Gelsenkirchen.
G wie Gelsenkirchener Barock: Was ist das eigentlich? Ursprünglich handelt es sich um wuchtige Wohnküchenschränke, die im Ruhrgebiet bei Stahlarbeitern und Bergleuten beliebt waren und als Ausdruck von Wohlstand und sogar etwas Luxus galten, schreibt der Landtag NRW in einem Sonderheft. Heute wird die Bezeichnung eher ironisch für spießiges, kitschiges und altmodisches Mobiliar verwendet. Es handelt sich jedenfalls nicht um einen Begriff der Kunst- oder Designgeschichte.
H wie Heimliche Gewinner: Mit etwa 150 eher im Verborgenen arbeitenden Unternehmen der Weltspitze etwa in den Bereichen Elektrotechnik, Automobilzulieferung, Maschinenbau und zahllosen anderen Branchen hat NRW eine besonders hohe Dichte sogenannter Hidden Champions. Diese erfolgreichen Unternehmen stellen Produkte her, die viele brauchen und wenige kennen. So kommen einige, liebevoll Steckerkönige genannt, aus Ostwestfalen oder dem kleinsten Landesteil Lippe. Wer sein E-Auto lädt, verbindet oft mit Produkten dieser Hersteller die Ladesäule mit seinem Fahrzeug.
I wie Industriekultur: Die Extra-Schicht ist eine Veranstaltung im Ruhrgebiet, bei der die Besucher von einem Veranstaltungsort zum nächsten pilgern - zu Zechen, ehemaligen Stahlwerke oder auf Halden. Dabei sind diese Orte ganzjährige Anziehungspunkte, auch für Touristen aus dem Ausland. Zeche Zollverein ist Weltkulturerbe und der Landschaftspark Nord in Duisburg bietet Kultur, Sport und Führungen in sehr luftigen Höhen.
J wie Jupiter: Am Forschungszentrum Jülich steht der schnellste europäische Supercomputer. Er soll mit seiner Rechenleistung besonders bei Klimaforschung und der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz helfen. Jupiter kann pro Sekunde mindestens eine Trillion - das ist eine Eins mit 18 Nullen - Rechenoperationen ausführen. Diese Zahl ist für unser Gehirn nicht zu begreifen. Daher ein Vergleich: Eine Million moderne Smartphones kommen bei einem gleichzeitigen Betrieb auf eine vergleichbare Rechenleistung.
K wie Klischees: Der Rheinländer ist kontaktfreudig, nimmt es nicht immer so genau und ist gelegentlich zu blauäugig. Der Westfale ist stur, fleißig, redet nicht viel, aber ist sehr treu, wenn er einen erst einmal ins Herz geschlossen hat. Im Ruhrgebiet ist man geradeheraus, gelegentlich ruppig. Die Lipper sind geizig. Es ist wie immer mit Klischees - sie sind heillos übertrieben, nie ohne Ausnahme und haben doch einen wahren Kern.
L wie Landesteile: NRW ist als großes Gesamtkunstwerk eine Erfindung der Briten. Die Landesteile unterstreichen mitunter bis heute und mit Verve ihren Charakter. Man sollte sich grob merken: Nordrhein-Westfalen heißt Nordrhein-Westfalen, weil es aus dem Rheinland und Westfalen besteht. Spezialisten wissen noch Lippe zu erkennen, den dritten Landesteil.
M wie Mond: Der befindet sich in Köln. Wer zum Mond fahren möchte, sollte in den Planitzweg 2 fahren. Dort befindet sich das "Mondzentrum Luna", ein gemeinsames Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung künftiger Mondmissionen. Besucherinnen und Besucher können durch ein großes Fenster einen Blick auf die rund 700 Quadratmeter große Mondlandschaft unter ihnen werfen. Sie sehen das Modell einer Mondlandefähre, Felsbrocken, Krater - und etwa 900 Tonnen Staub. Der Staub wurde aus Basalt hergestellt und stammt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis. Er soll dem Original-Mondstaub sehr ähnlich sein.