Nordrhein-WestfalenWaschen, sieben, rütteln: Die größte Bahn-Baustelle in NRW

Gut fünf Monate lang ist die Bahnstrecke zwischen Köln und Hagen im Moment gesperrt. Die Bahn saniert die Gleise. Aber was passiert eigentlich gerade auf Nordrhein-Westfalens größter Bahn-Baustelle?
Leichlingen (dpa/lnw) - Der Lärm ist ohrenbetäubend, der Boden vibriert - und die Bahngleise hängen in der Luft, als wären sie aus Gummi. Mit einem 800 Meter langen Spezialzug erneuert die Bahn im Moment das Schotterbett unter den Gleisen in Leichlingen im Rheinland. Die Arbeiten sind Teil der größten Bahnbaustelle in NRW: Die Generalsanierung der 65 Kilometer langen Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen.
Die Arbeiten kommen nach Angaben des Unternehmens gut voran. "Wir liegen aktuell im Zeitplan", sagt Projektleiter Arno Jaeger. Die für den Fern- und Regionalverkehr wichtige Strecke wird noch bis zum 10. Juli saniert und ist in dieser Zeit weitgehend gesperrt.
Entlang der Strecke werde an vielen Stellen gleichzeitig gearbeitet, erklärt Jaeger. Dabei kommen riesige Maschinen zum Einsatz - so wie der 800 Meter lange Spezialzug zur Schotterreinigung. Er wird genutzt, wenn der Untergrund unter den Schienen zwar verbessert, aber nicht ganz ausgetauscht werden muss.
Heben, graben, aufschütten
Und das funktioniert so: Erst einmal wird die Schiene mitsamt der Schwellen hochgehoben. Das sieht dann aus, als würde ein Teil des Zugs auf schwebenden Schienen stehen.
Als Nächstes kommt eine Schaufelkette, die Zentimeter für Zentimeter den alten Schotter weggräbt und ihn auf ein Fließband befördert. Für den Schotter beginnt dann eine Reise in den vorderen Teil des Zuges: Dort werden die Steine gereinigt, ein Magnet holt Metallteile heraus und mehrere Siebe schütteln alle Fremdkörper aus dem Schotter. Sind die Steine wieder sauber, geht der Weg über Fließbänder zurück, wo die Steine als neues Schotterbett verbaut werden.
In der Zwischenzeit gräbt der Spezialzug noch eine Schicht tiefer, wo teilweise Erde und Geröll liegen. Dieses Material läuft über Fließbänder in leere Waggons und wird später entsorgt. Gleichzeitig wird von hinten frische Erde herantransportiert, in das Gleisbett geschüttet und planiert.
"Das ist eine richtige Fabrik", sagt Oberbauleiter Dennis Goff. Bis zu 300 Meter Bahnstrecke kann die Maschine so pro Tag bearbeiten - und bewegt dabei neun Tonnen Material pro Meter. Rund 40 Menschen sind nötig, um die Maschine am Laufen zu halten.
Die Arbeiten seien wichtig, damit das Gleisbett langfristig stabil sei und die Schienen nicht im Laufe der Jahre absacken können, erläutert die Bahn. In den nächsten Wochen arbeitet sich der gelbe Riesenzug weiter in Richtung Köln vor.
Arbeiten laufen an Weichen, Oberleitungen und Bahnhöfen
Große Maschinen sind bei der Generalsanierung auch anderswo im Einsatz. In Hagen sowie zwischen Haan und Wuppertal würden im Moment Weichen erneuert. In Wuppertal, Schwelm und Ennepetal werden Schotter und Bahnschwellen ausgetauscht.
Insgesamt will die Bahn während der gut fünfmonatigen Bauphase 81 Kilometer Gleise austauschen, 50 Weichen und 29 Kilometer Oberleitung erneuern. Außerdem werden Schallschutzwände gebaut und 12 Bahnhöfe saniert.
Verspätungen sollen deutlich reduziert werden
Nach Abschluss der Generalsanierung soll die von Fern-, Regional- und Güterzügen stark befahrene Strecke zwischen Köln und Hagen "verlässlicher und leistungsfähiger" werden, verspricht die Bahn. Störungen und Verspätungen sollen sich "deutlich reduzieren".