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Nordrhein-WestfalenZahl der Firmenpleiten in NRW steigt weiter

23.06.2026, 10:31 Uhr
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(Foto: Martin Gerten/dpa)

In keinem anderen Bundesland gab es 2026 bislang so viele Unternehmensinsolvenzen wie in Nordrhein-Westfalen. Experten erwarten vorerst keine Trendwende.

Neuss (dpa/lnw) - Die Zahl der Firmenpleiten in Nordrhein-Westfalen ist erneut gestiegen. Die Auskunftei Creditreform rechnet im ersten Halbjahr mit 3.290 Unternehmensinsolvenzen - 3,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das sei der höchste Stand seit den ersten sechs Monaten 2016 mit damals 3.410 Fällen, wie Creditreform mitteilte.

In keinem anderen Bundesland gab es in den ersten sechs Monaten des Jahres so viele Insolvenzen wie in NRW. Der Anstieg fiel allerdings geringer aus als zuvor. 2025 hatte die Zahl der Pleiten im Bundesland um gut 10 Prozent zugenommen, im Vorjahr um fast ein Viertel.

NRW bleibe ein Brennpunkt des Insolvenzgeschehens, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. "Insbesondere die Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor stehen in NRW unter Feuer." Vor allem viele kleinere Dienstleister verfügten nur über geringe Finanzreserven und litten besonders unter steigenden Kosten und verschärften Marktbedingungen.

Insolvenzquote in NRW deutlich über Bundesschnitt

Hantzsch erwartet vorher keine Entspannung: "Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht." Die Entwicklung werde sich erst dann stabilisieren, wenn die Wirtschaft wieder wachse.

Im laufenden Jahr gab es bereits mehrere Großinsolvenzen in NRW, darunter die Baumarktketten Hellweg und BayWa sowie die IB West gGmbH, ein Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit.

Mit 104 Pleiten je 10.000 Unternehmen hat NRW nach Schleswig-Holstein die zweithöchste Insolvenzquote aller deutschen Flächenländer. 2025 waren es 100 gewesen, im Jahr zuvor 90. Bundesweit am höchsten ist die Quote in Berlin (120). Der bundesweite Schnitt liegt bei 82.

Auch viele Verbraucher in finanzieller Schieflage

Die Zahl der Firmenpleiten ist auch bundesweit erneut gestiegen. Creditreform verzeichnet laut Hochrechnung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 12.900 Insolvenzen - 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist der höchste Stand seit dem ersten Halbjahr 2013. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock habe die Lage zusätzlich verschärft, sagte Experte Hantzsch.

Bei den Privatinsolvenzen setzt sich der Negativtrend ebenfalls fort. Laut Studie steigt die Zahl im ersten Halbjahr bundesweit auf 38.800 Fälle - 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel geringer aus als in den beiden Vorjahren.

Quelle: dpa

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