Rheinland-Pfalz & SaarlandAltbacken oder zeitgemäß? - Was Haustürwahlkampf bringt

Vor dem 22. März suchen Politikerinnen und Politiker in Rheinland-Pfalz gezielt den direkten Kontakt zu Wählern. Doch warum dieser Aufwand in Zeiten der Digitalisierung?
Halle (dpa/lrs) - Auch in digitalen Zeiten erfüllt der traditionelle Haustürwahlkampf nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Michael Kolkmann gleich mehrere Zwecke. Er helfe Politikerinnen und Politikern, Stimmungen aufzuspüren und Themen aus dem Alltag der Menschen mitzunehmen, sagte der Experte von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.
Es gehe weniger um die Vorstellung es eigenen Programms, sondern mehr um Zuhören. "Haustürwahlkampf schafft direkten Kontakt, den Social Media nicht leisten kann", sagt Kolkmann. Politiker könnten sich ein "Kümmerer-Image" aufbauen.
Parteibasis kann eingebunden werden
Wirke der Haustürwahlkampf an sich auf den ersten Blick überholt, werde er heutzutage häufig flankiert von Aktivitäten auf Plattformen wie Instagram. Dort erzählten Politikerinnen und Politiker von ihren eigenen Touren, so werde ein gewisser Multiplikatoreffekt erzielt. Weitere Multiplikatoren, auf die gerne gesetzt werde, seien die besuchten Menschen selbst. Die erzählen Freunden und Bekannten häufig von den Besuchen an der eigenen Haustür.
Wahlkampf könne so an Orte gebracht werden, wo er sonst nicht stattfinden würde, sagt Kolkmann. Und er könne die eigene Parteibasis einbinden - nicht unwichtig in Zeiten schwindender Mitgliederzahlen bei den meisten Parteien. Auch könnten mit Besuchen an der Haustür Nicht-Wähler mobilisiert werden. Wenn diese bis dato die Auffassung gehabt hätten, dass Politik nicht mehr zuhöre, könne die direkte Begegnung zu einem Umdenken führen.
Den Wert des direkten Kontakts wiederentdeckt
Kolkmann zufolge war Haustürwahlkampf vor einiger Zeit aus der Mode kommen, das habe sich längst wieder geändert. Diese Form des Wahlkampfes sei im digitalen Zeitalter geradezu wiederentdeckt worden. Er erinnert unter anderem daran, dass die CDU in vergangenen Bundestagswahlkämpfen unter anderem auf eine Art Haustür-Simulator zum Trainieren gesetzt hat.
Es habe mal die Hoffnung gegeben, dass das Internet eine Art Revolution der Partizipation bringe, sagt Kolkmann. Weil das letztlich aber nicht so gekommen sei, hätten Parteien den direkten Kontakt an der Haustür ein Stück weit wiederentdeckt.