Rheinland-Pfalz & SaarlandAusstattung und Anerkennung – was Feuerwehrleute vermissen

Die Bereitschaft für ein Ehrenamt geht zurück, das spüren Feuerwehren. Es muss mehr für Nachwuchs getan werden und um Engagierte zu halten. Eine Umfrage unter Feuerwehrleuten zeigt Ansatzpunkte.
Mainz (dpa/lrs) - Ehrenamtliche Feuerwehrleute in Rheinland-Pfalz wünschen sich eine bessere Ausrüstung und mehr Wertschätzung. Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer Umfrage unter Einsatzkräften, die in Mainz von Innenminister Michael Ebling (SPD) gemeinsam mit dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes, Frank Hachemer, sowie dem Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebunds, Moritz Petry, vorgestellt wurde. Die Studie gibt auch Empfehlungen, wie mehr Nachwuchs für Feuerwehren gewonnen werden kann. Die sollen jetzt genau angeschaut werden.
Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hatte im Auftrag des rheinland-pfälzischen Innenministeriums online Tausende Feuerwehrangehörige befragt. Insgesamt nahmen etwa 12.500 teil, 22 Prozent aller ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Land. Das sei eine tolle Datenbasis, erklärte Studienautor Peter Schubert vom Stifterverband. 2022 habe es eine vergleichbare Studie in Bayern gegeben, bei der nur etwa zehn Prozent mitgemacht hätten.
Stadt-Land-Gefälle bei Bewertung der Ausrüstung
Heraus kam einerseits, dass sie sich sehr mit ihrem Engagement verbunden fühlen. Acht von zehn Befragten gaben demnach an, ihr Engagement bei der Feuerwehr fortsetzen zu wollen. Mehr als ein Drittel kann sich vorstellen, es zu verstärken. Bei 16- bis 29-Jährigen ist sogar für mehr als die Hälfte noch mehr denkbar als bislang, zwei Drittel seien offen für zusätzliche Verantwortung.
Gleichzeitig sorgen sich laut der Umfrage viele Feuerwehrleute, dass die Gewinnung neuer Mitglieder künftig schwieriger wird. Und es wurde Kritik an Dienstkleidung, persönlicher Schutzausrüstung und am Zustand von Gerätehäusern laut. Frust entstehe, wenn sich die Rahmenbedingungen von einer zur nächsten Verbandsgemeinde deutlich unterschieden, sagte Schubert. Zu beobachten sei ein Stadt-Land-Gefälle, bei Feuerwehren in kleineren Gemeinden werde die Ausstattung kritischer bewertet.
Der Studienautor riet, sich Gedanken über mehr Koordination oder Zentralisierung bei der Beschaffung zu machen. Petry als Vertreter der Kommunen sprach sich bei der Ausrüstung für so viel Standardisierung wie möglich aus. Es müsse aber auch bedacht werden, was für ärmere Kommunen leistbar sei.
Verband: Kommt jetzt auf die Umsetzung an
Hachemer vom Landesfeuerwehrverband sprach von wertvollen Impulsen der Befragung, viele Erkenntnisse seien jedoch nicht neu. Es komme nun auf die Umsetzung an. Minister Ebling kündigte an, dass in der Studie ausgearbeitete Handlungsempfehlungen in einem neuen "Forum Ehrenamt Feuerwehr" besprochen werden sollen.
Unabhängig davon wolle man einen Ausbau von Bambini-Feuerwehren direkt angehen und die Themen Feuerwehr und Bevölkerungsschutz stärker in Kitas und Schulen verankern. Der Feuerwehrverband fordert bereits seit 2014 ein eigenes Unterrichtsmodul zum Thema Bevölkerungsschutz.
Geprüft werden soll laut Ministerium auch, inwieweit finanzielle Anerkennungen für einen Dienst bei der Feuerwehr landesweit vereinheitlicht werden können. Derzeit gebe es große Unterschiede, erklärte Hachemer. Eine Gemeinde zahle einen Betrag für Einsätze, in der Nachbargemeinde gebe es nichts. "Das ist schwierig", sagte er. Es führe zu Unmut.
Ebling: Perspektiven von Frauen gezielt berücksichtigen
Laut Petry vom Gemeinde- und Städtebund zahlen manche Gemeinde auch Monatspauschalen, andere gäben Geld in eine Kasse der jeweiligen Feuerwehr. Gemeinden Vorgaben zu machen, dürfte herausfordernd werden, sagte Petry. Es gehe auch um kommunale Selbstverwaltung.
Hachemer vom Feuerwehrverband kann sich Prämien vorstellen, die sich an der Länge eines Engagements bemessen. Wünschenswert seien aus Sicht seines Verbandes auch Rentenpunkte für ehrenamtliche Feuerwehrleute. Das sei jedoch nur auf Bundesebene anzugehen. Es helfe zwar weniger bei der Gewinnung junger Leute, die noch nicht so viel über die Rente nachdenken, könne aber helfen, bereits ehrenamtlich tägige Menschen zu halten.
Tun muss sich nach Einschätzung aller Beteiligten etwas beim Frauenanteil in den Feuerwehren. Derzeit stellen sie laut Ministerium nur rund zehn Prozent der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, immerhin ist aber mehr als die Hälfte unter 30 Jahre alt. Die Studie zeige, dass es wichtig sei, die Perspektiven von Frauen gezielt zu berücksichtigen, sagte Ebling. Dazu riet auch Schubert. Hier stünden andere Bundesländer vor ähnlichen Herausforderungen. Es müsse schlicht selbstverständlich werden, dass Frauen Führungspositionen zugetraut würden.