Rheinland-Pfalz & SaarlandBuffalo Bill in Mainz: Als der Wilde Westen an den Rhein kam

Der legendäre Bisontöter machte vor 135 Jahren mit seiner Truppe in Rheinhessen Station – und ließ eine ganze Region von Amerika träumen.
Mainz (dpa/lrs) - Vor 135 Jahren hat Rheinhessen ein wahres Spektakel erlebt. Der legendäre Westernheld Buffalo Bill machte mit seiner Show vom 4. bis 7. Mai 1891 Station in Mainz. "175 Indianer, Cowboys und Pfadfinder, 40 Pferde und 20 Büffel präsentierten den staunenden Mainzern das Leben im "Wilden Westen"", schrieb das Stadthistorische Museum 2010 in einem Ausstellungsband.
Buffalo Bill - bürgerlich William Frederick Cody - bezeichnete seine Vorstellung selbst nie als Show. Er warb damit, das Leben und die Kultur Nordamerikas zu zeigen. Tatsächlich habe Buffalo Bill aber einen Mythos verbreitet, erklärte das Museum - die Wirklichkeit im "Wilden Westen" habe ganz anders ausgesehen.
Warum Mainz?
Cody (1846-1917) hatte sich Mainz nicht zufällig neben 24 weiteren Stationen seiner Tour durch das Deutsche Reich ausgesucht. "Mainz war damals die Hauptstadt der großherzoglich-hessischen Provinz Rheinhessen und mit etwa 72.000 Einwohnern eine der größten Städte der Region", so das Museum. Mainz hatte ein großes Hinterland und war an das Bahnnetz angeschlossen.
Dementsprechend groß war der Zuschauerzuspruch - wie in den meisten Städten. Die Vorstellungen dauerten 1,5 bis 2 Stunden und boten unter anderem Auftritte von Kunstschützen wie Annie Oakley und Reitkünste. "Im Mittelpunkt stand immer wieder Buffalo Bill, der vor allem mit seiner Treffsicherheit mit dem Gewehr glänzte. Die Mainzer waren begeistert, das Presseecho war durchweg positiv", heißt es im Begleitband zur Ausstellung "Der Wilde Westen am Rhein" (2010). Kurator und Herausgeber war der Historiker Dr. Elmar Rettinger.
Der Wilde Westen als Erzählung
Buffalo Bill in Mainz: Damit zog für wenige Tage eine ferne Welt in die Stadt ein. Für viele war es die erste Begegnung mit Menschen und Bildern, die sie nur aus Romanen oder Briefen kannten. Doch was über den Platz ritt, war weniger Amerika selbst - sondern eher Europas Sehnsucht nach einem anderen Leben. Insofern sah Mainz nicht einfach eine Show. Mainz sah eine Erzählung. Auch unter anderem in Koblenz, Trier, Worms und Saarbrücken trat er auf.
Berichten zufolge suchte Buffalo Bill bewusst den Kontakt zum Publikum. Die Mainzer konnten durch das Lager laufen und umgekehrt gingen Showteilnehmer zum Einkaufen in die Stadt. Im Begleitband zitiert das Museum einen zeitgenössischen Zeitungsbericht: "Die Indianer und Indianerinnen von Buffalo Bill's Wild West durchstreifen heute Morgen nach allen Richtungen die Stadt, fortwährend von einer großen gaffenden Menschenmenge begleitet. Sie kehren dabei häufig in Geschäfte ein und bewerkstelligen Einkäufe."
Ein Auswanderer namens Trump
Im 19. Jahrhundert, so das Museum, entwickelten sich die Vereinigten Staaten zum "Lieblingsauswanderungsland" der Deutschen. Sechs Millionen von ihnen suchten zwischen 1820 und 1930 ihr Glück in der Neuen Welt. Einer von ihnen war Friedrich Trump aus Kallstadt (Kreis Bad Dürkheim). Sein Enkel Donald sitzt heute als US-Präsident im Weißen Haus.
Wenige Jahre nach Buffalo Bill besuchte übrigens "Winnetou"-Autor Karl May 1897 Mainz. Ob sich die beiden Männer bei Codys Aufenthalten in Mays Heimat Dresden getroffen haben, gilt nicht als zweifelsfrei verbürgt. Sie dürften aber diejenigen sein, die das Bild vom "Wilden Westen" erheblich mitgeprägt haben.