Rheinland-Pfalz & SaarlandComputerspiel bringt die Welt der Kriminaltechnik näher

Interesse an der Arbeit von Kriminaltechnikern? Ein Computerspiel gibt Einblicke in die Sicherung und Auswertung von Fingerabdrücken, Blutspuren, Speicherkarten und Schussbahnen. Das steckt dahinter.
Mainz (dpa/lrs) - Ein wirklichkeitsnaher Einblick in die Arbeit von Kriminaltechnikern, ohne Tätern Tipps zu geben oder Dienstgeheimnisse zu verraten: So beschreibt der Chef des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz (LKA), Mario Germano, die Vorgaben für die Entwicklung des Computerspiels "Forensics: Crime Scene Detective". Die Fälle seien zwar ausgedacht, aber realitätsnah: "Es könnte alles so passieren", sagte er bei der Vorstellung des Spiels in Mainz.
Warum beteiligt sich das LKA an der Entwicklung des Spiels?
Die Ermittlungsbehörde will "verständlich und zugänglich darstellen, was unsere Experten jeden Tag leisten", sagt Germano. Zielgruppe sind vor allem junge Leute, aber nicht nur. Dabei hat die Behörde auch die Nachwuchsgewinnung im Blick.
Das Spiel verknüpfe moderne Polizeiarbeit mit digitaler Unterhaltung. Es solle aber auch analytisches Denken und Problemlösungsfähigkeiten fördern, sagte der LKA-Chef. Zudem werde ein Bewusstsein für faktenbasierte Ermittlungsarbeit geschaffen.
Gamer, die sich für die Arbeit echter Kriminaltechniker interessieren, können auf Plakaten in dem Spiel QR-Codes scannen und gelangen auf eine Landing-Page mit echten Stellenangeboten. Im LKA in Mainz arbeiteten rund 700 Menschen in 50 Berufsfeldern, sagte Germano.
Was bietet das Videospiel?
Ein vorgetäuschter Einbruch, Kryptowährungs-Betrug oder Schüsse in einer Wohnung: Von zahlreichen forensischen Methoden können in dem Spiel vier getestet werden - an ganz verschiedenen Tatorten und in unterschiedlichen Fällen.
Spieler und Spielerinnen können als Kriminaltechniker auch Laptops, Handys und andere Geräte sammeln sowie Speicherkarten öffnen. Sie rekonstruieren Schussbahnen, nehmen Fingerabdrücke und DNA-Spuren aus Blut. Anschließend wird dokumentiert, die Ergebnisse werden mit Hilfe eines Teams analysiert - und der Fall gelöst. Es ist aber kein Multiplayer-Spiel.
10 bis 30 Fälle bietet "Forensics". Die Dauer wird mit acht bis zehn Stunden angegeben.
Wie realistisch sind die Methoden?
Ohne Vereinfachungen sei es nicht gegangen, "aber wir sind sehr, sehr, sehr nah dran an der Realität", versprach der LKA-Chef. Im Spiel wird erheblich schneller und deutlich einfacher ermittelt als im echten Leben, wie Sandra Merten vom LKA erläuterte.
Die DNA-Analyse einer Blutspur beispielsweise brauche eigentlich mindestens 24 bis 36 Stunden, und das auch nur, wenn sie wirklich gut sei. Im Spiel geht das ratzfatz.
Einen Speicherchip von einer Platine in einem sichergestellten Handy löten: Auch das können die Spieler digital ausprobieren, um für die Aufklärung des Falls wichtige Daten auszulesen. Das ist in Wirklichkeit ebenfalls deutlich zeitraubender und komplizierter als an der Spielkonsole.
Die Ermittlung einer Schussbahn erfordere in Wirklichkeit mehr als den Laserstrahl im Spiel, sagte Merten. Die Ermittlungen vor Ort würden in der Regel von Vermessern unterstützt. Ob das Profil zweier Geschosse übereinstimme, sei in Wirklichkeit ebenfalls schwerer zu erkennen als im Computerspiel. Dies werde aufwendig im Mikroskop untersucht und dabei gelte auch ein Vier-Augen-Prinzip zweier Sachverständiger.
Statt eines Pulvers zur Sicherung von Fingerabdrücken wie im Spiel gebe es in Wirklichkeit mehr als 100 Pulver, sagte Merten. Dazu kämen verschiedene physikalische und chemische Verfahren, um diese zu sichern. Und: "Jeder von uns hinterlässt jeden Tag jede Menge Fingerabdrücke." Es müsse also viel mehr gesichtet werden als im Spiel. Um eine Übereinstimmung zu erkennen, brauchen Ermittler auch mehr Sachkenntnis und Akribie als die Gamer.
Vor allem aber die Dokumentation komme im Spiel viel zu kurz. Die Beweiskette, wer wann welche Asservate gesichert habe, sei in Wirklichkeit enorm wichtig und müsse immer genau nachvollziehbar sein.
Wann ist das Spiel zu haben?
"Forensics" soll am 13. Juli auf den Markt kommen, als digitaler Download für den PC und für mehrere Spielkonsolen. Der Preis soll zwischen 20 und 30 Euro liegen.
Die Entwicklung habe insgesamt zwischen einer halben und einer Million Euro gekostet, sagte Jens Wiechering, der Geschäftsführer der Westerwälder Firma Binary Impact, die das Computerspiel entwickelt hat. Der Bund habe das Spiel mit rund 200.000 Euro und das Land mit etwa 57.000 Euro gefördert.
Wie ist die Idee entstanden?
Die Idee sei bei einer Feierabend-Pizza im Sommer 2024 in einem völlig anderen Kontext zwischen seiner Firma und dem LKA entstanden, sagte Wiechering. Die Entwicklung des Spiels habe dann etwa 18 Monate gedauert.
"Der Gaming-Bereich ist aus polizeilicher Sicht sehr relevant", hatte Robin Kleinwächter, Leiter des Bereichs Digitale Ermittlungen und Innovationen vom LKA, kürzlich gesagt. Dabei hatte er Bildung und Kommunikation, aber auch Risiken wie Cyber-Grooming und Radikalisierung im Blick. Die Auseinandersetzung mit Games sei "ein erster Schritt" - werde aber nicht der letzte bleiben.