Rheinland-Pfalz & SaarlandEVG-Ruf nach mehr Sicherheit in Zügen – auch Kritik

Nach dem Tod eines Zugbegleiters soll ein Maßnahmenbündel mehr Sicherheit bringen. Die Gewerkschaft fürchtet jedoch, dass sich der Elan bald legen könnte.
Mainz (dpa/lrs) - Knapp drei Wochen nach der tödlichen Attacke auf einen Zugbegleiter in der Westpfalz hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Rheinland-Pfalz einen umfassenden Katalog mit Forderungen für mehr Sicherheit vorgelegt. In dieser erneuerten Mainzer Erklärung enthalten sind schon bekannte, aber auch ergänzte oder präzisierte Forderungen. EVG-Vertreter stellten den Katalog vor dem Mainzer Hauptbahnhof vor.
Der wichtigste Punkt sei die Doppelbesetzung von Schichten, sagte Lars Kreer, EVG-Geschäftsstellenleiter in Mainz. In der Realität scheitere die aber oft an den Kosten. Es sei Job der Arbeitgeber, Schichtpläne zu überprüfen und umzugestalten, damit Doppelbesetzungen auch praktisch umgesetzt würden. Die Gewerkschaft spricht sich dafür aus, dass neben der Deutschen Bahn auch andere Eisenbahnunternehmen ihr Personal mit Bodycams ausstatten.
Was ist mit Busfahrern und Personal an Bahnhöfen?
Handlungsbedarf bestehe darüber hinaus beim Personal in Bahnhöfen. Das habe erst vor kurzem ein Vorfall im Reisezentrum in Kaiserslautern gezeigt, bei dem ein Mann randaliert und in den Schalterbereich uriniert habe, sagte Kreer. Etwas aus dem Blick geraten sei die Situation der Busfahrer, die ebenfalls Übergriffen ausgesetzt seien. Die EVG fordert geschlossene Fahrerkabinen mit einer extra Fahrertür als zweitem Fluchtweg. Das solle wie andere Forderungen auch bei künftigen Ausschreibungen vorgeschrieben werden.
Entstanden ist der Forderungskatalog der EVG Rheinland-Pfalz, nachdem der Zugbegleiter Serkan Calar (36) am 2. Februar in einem Regionalzug in der Nähe von Landstuhl von einem Fahrgast bei einer Ticketkontrolle mit Faustschlägen gegen den Kopf so schwer verletzt worden war, dass er später starb.
Runder Tisch hatte sich auf Maßnahmen verständigt
In der vergangenen Woche kam ein runder Tisch mit Vertretern des Landes, von Eisenbahnunternehmen, Gewerkschaften, Zweckverbünden und Verkehrsverbünden in Mainz zusammen. Sie verständigten sich darauf, dass Bodycams künftig flächendeckend zum Einsatz kommen sollen und das Land Geld dafür gibt und dass Bahnunternehmen bei der Besetzung von Schichten von Zugbegleitern mehr Flexibilität bekommen.
Mobilitätsministerium Katrin Eder (Grüne) hatte außerdem angekündigt, dass das Land eine Respekt-Kampagne starten werde, sollte es eine solche auf Bundesebene nicht geben. Geplant ist in Rheinland-Pfalz auch eine neue Sicherheitsdatenbank für Übergriffe. Mitarbeiter in Zügen sollen über einen QR-Code direkt einen Vorfall an die Datenbank melden können.
Diese Datenbank fordere die EVG seit acht Jahren, sagte Kreer. Sie sei vom Ministerium zugesichert worden, umgesetzt sei sie jedoch noch immer nicht.