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Rheinland-Pfalz & SaarlandEin gefährliches Doppel: Corona und Grippe

08.10.2020, 05:50 Uhr
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(Foto: Marcus Brandt/dpa/Symbolbild)

Experten sind besorgt, dass sich Corona- und Influenzaviren in der bevorstehenden Grippesaison parallel verbreiten und damit das Gesundheitssystem stark herausfordern. Ein kleiner Pieks kann zwar nicht gegen Corona, wohl aber gegen Grippevirus schützen.

Mainz (dpa/lrs) - Im März kam Rheinland-Pfalz noch einmal glimpflich davon: Als das Coronavirus sich ausbreitete, flachte die Grippewelle bereits ab, erinnert sich Dr. Barbara Römer, die Vorsitzende des Hausärzteverbands. "Es gab eine Parallelität von Corona und Influenza von etwa zwei, maximal drei Wochen. Anfang April war die Influenza-Saison beendet, Corona lief weiter."

Das Risiko eines Nebeneinanders von beiden Infektionskrankheiten habe daher nur sehr kurz bestanden, erklärt Römer, die eine Gemeinschaftspraxis im rheinhessischen Saulheim betreibt. Zudem sei die Influenzasaison 2019/20 sehr mild verlaufen.

Im Herbst 2020 ist die Lage anders als im Frühjahr: Die Grippesaison beginnt, und Corona hält das Land weiter im Griff. Es ist dieses Nebeneinander der Viren, das Gesundheitsexperten Sorgen macht. Denn eine starke Grippewelle in Zeiten der Corona-Pandemie könnte das medizinische System und auch die Krankenhäuser stark beanspruchen.

Influenzaviren, die die Grippe hervorrufen, zirkulieren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) schon im Herbst. Die Impfung sollte, so rät das Gesundheitsministerium, bis spätestens Mitte Dezember verabreicht werden. In der ausgesprochen heftigen Saison 2017/18 starben nach RKI-Angaben in Deutschland etwa 25 000 Menschen an einer Influenza.

"Influenza wird wegen Corona keine Pause machen", warnt Römer. Die Frage laute: Wie ausgeprägt wird in dieser Saison die Influenza-Welle? "Ich weiß es nicht und appelliere dennoch an alle Menschen, die sogenannten AHA-Regeln zu beachten, also Abstand halten, Hygieneregeln einhalten und Alltagsmasken tragen."

Diese einfachen Verhaltensregeln hätten in den Sommermonaten erfreuliche Nebeneffekte gehabt, erklärt die Ärztin: "Wir haben deutlich weniger Magen-Darm-Infekte behandelt, als sonst im Sommer üblich ist. Als Grund sehe ich hierfür insbesondere das häufigere Händewaschen und Abstandhalten. Einen ähnlich positiven Effekt verspreche ich mir gerade auch durch das Masketragen in Bezug auf Erkältungsviren und Influenza, die beide durch Tröpfen übertragen werden."

Ganz wichtig sei auch die Impfung gegen Influenza, betont die Ärztin. Die Hausarztpraxen in Rheinland-Pfalz seien schon jetzt flächendeckend aktiv. "Ich weiß um die Diskussion, dass der Influenza-Impfstoff keinen hundertprozentigen Schutz bietet. Das Influenza-Virus ist sehr flexibel und setzt sich jedes Jahr genetisch etwas anders zusammen", sagt Römer. Dies stelle daher jedes Jahr eine Herausforderung für die Impfstoffentwicklung dar. "Nichtsdestotrotz: Jeder Schutz mit Hilfe einer Impfung ist besser als keiner."

Sie erkläre allen Patienten, dass eine Impfung gegen Influenza keinen Schutz vor einer Coronainfektion biete, sagt Römer. "Allerdings bin ich aus langjähriger Praxiserfahrung der festen Überzeugung, dass jede Impfung, egal wie sie heißt, einen zusätzlichen Stimulus für das Immunsystem darstellt, dieses trainiert und eine immunstärkende Wirkung aus sich heraus besitzt, da sich der Körper mit dem Impfstoff aktiv auseinandersetzen muss."

Priorität bei der Grippeschutzimpfung müssen nach ihrer Ansicht Menschen ab 60, chronisch Kranke, Schwangere und jene haben, die berufsbedingt viele Kontakte zu Menschen in sensiblen Bereichen haben, etwa Kita-Personal, Lehrer oder medizinisches Personal. Nach Römers Beobachtung ist die Bereitschaft vieler Menschen, sich gegen Influenza impfen zu lassen, in den vergangenen Wochen dank der öffentlichen Aufklärungskampagnen gestiegen.

Auch im Landtag wurde am Donnerstag für den Schutz gegen Influenza geworben. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und zahlreiche Abgeordnete ließen sich impfen. Gerade jetzt sei es mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen wichtig, die Zahl der Grippeschutzimpfungen zu steigern, damit die Krankenhauskapazitäten nicht durch andere Erkrankungen beansprucht würden, sagte die Ministerin. Insbesondere Risikogruppen sollten sich durch ihren Appell angesprochen fühlen. "Ein kleiner Pieks, der eine große Wirkung für uns alle haben kann", betonte die Ministerin.

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