Rheinland-Pfalz & SaarlandHistorische Aufarbeitung: Bad Dürkheim benennt Straßen um
Bad Dürkheim (dpa/lrs) - Der Stadtrat von Bad Dürkheim hat mit großer Mehrheit die Umbenennung dreier Straßen beschlossen, da deren Namensgeber der Verwaltung zufolge in den Nationalsozialismus verstrickt waren. Die Umbenennung erfolgt zum 1. Januar 2024, für eine einjährige Übergangszeit sollen beide Schilder gleichzeitig hängen, wie die pfälzische Kommune am Mittwoch mitteilte. Die Kosten für das Ändern von Dokumenten übernimmt die Stadt, für den weiteren Aufwand soll jeder Anwohner einen Gutschein von 25 Euro erhalten.
Die Stadt hatte vor der Abstimmung betont, angesichts der nun vorliegenden Erkenntnisse sei eine Ehrung in Form eines Straßennamens für Gustav Ernst, Philipp Fauth und Karl Räder nicht mehr angemessen. Künftig heißen die Straßen nach Rudolph Christmann (Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung), Johannes Fitz (Mitorganisator des Hambacher Festes) beziehungsweise einfach nur Lindenallee.
"In den vergangenen Monaten haben wir sehr ausführlich in verschiedenen Konstellationen über den Schritt diskutiert", sagte Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) der Deutschen Presse-Agentur.
"Ich bin sehr zufrieden, dass wir den Prozess so offen gestaltet und auch kritische Stimmen gehört haben." Teilweise seien die Sichtweisen frontal aufeinandergetroffen. "Auf die Schärfe mancher Diskussionen kann man nicht stolz sein. Aber das ist eben Meinungsvielfalt - und damit genau das, was uns von totalitären Regimen unterscheidet."
Glogger rät Kommunen, die umstrittene Benennungen prüfen, zu einer guten wissenschaftlichen Grundlage. "Ich empfehle, sehr sorgfältig zu sein und genau die Linie aufzuzeigen, ab wo eine Person nicht mehr geehrt werden sollte." Gute Erfahrungen habe Bad Dürkheim zudem damit gemacht, mit den Nachkommen der Betroffenen zu sprechen. "Auch wenn das nicht immer einfach ist", sagte er. Die Stadt wolle sich künftig auch mehr mit dem Schicksal jüdischer Bürger beschäftigen.