Rheinland-Pfalz & SaarlandKI im Freibad hilft – retten müssen Menschen

Kameras mit KI schlagen Alarm, wenn Kinder zu lange untertauchen – doch reanimieren, beruhigen und Verantwortung übernehmen, kann die Technik nicht. Trotzdem werden Bademeister und Eltern entlastet.
Mainz/Nieder-Olm (dpa/lrs) - Selbst die besten Bademeister und Rettungskräfte können nicht alle tödliche Unfälle in Freibädern und Badeseen verhindern. Besonders bei kleinen Kindern reicht mitunter ein kleiner Schubser im Wasser, um eine große Tragödie auszulösen. Die Wasseraufsicht und Wasserrettung setzen daher zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI) zur Unterstützung.
"Gerade Ertrinken geschieht oft leise und unauffällig", berichtet der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Rheinland-Pfalz, Marco Vogt. "Hier kann Technik als "zusätzliches Auge" helfen."
Erkennen von Bewegungsmustern und schnellere Reaktionszeit
In Schwimmbädern ist KI besonders geeignet. Kamerasysteme erkennen auffällige Bewegungsmuster, längeres Untertauchen oder reglose Personen im Wasser. Dann erfolge eine Alarmierung des Schwimmbadpersonals mit genauer Position, teils per Smartwatch, erklärt der Experte die Technik.
Die Stärken der Künstlichen Intelligenz seien, schnell Muster zu erkennen, die permanente Beobachtung, exakte Ortsangabe und die Entlastung des Personals. Das führe zu einer besseren Reaktionszeit, der Unterstützung bei unübersichtlichen Situationen und bei der Personensuche unter Wasser, sagt der Sprecher der DLRG.
Als Schwächen der KI nennt Vogt mögliche Fehlalarme und technische Ausfälle sowie die Abhängigkeit von Kamerapositionen und Sichtverhältnissen. Dazu kämen die Kosten in fünf- bis sechsstelliger Höhe, die Wartung von Technik und Geräten sowie Datenschutzfragen. Vor allem aber: "KI kann nicht retten, reanimieren, beruhigen, entscheiden und Verantwortung übernehmen." KI sei eine Assistenztechnik und keine Ersatzaufsicht.
Hilfe, aber kein Allheilmittel
Im Taubertsberg Bad in Mainz wird KI als Überwachungstechnik im Nicht-Schwimmerbecken des Freibades seit dem vergangenen Jahr eingesetzt. Im neuen Sport- und Familienbad ist nach der Generalsanierung der Einsatz KI-unterstützter Überwachungstechnik auch im Schwimmerbecken vorgesehen.
Die Verantwortlichen sind mit der Überwachungstechnik bislang sehr zufrieden. Die KI könne helfen, Menschen vor Unfällen im Wasser und dem Ertrinken zu retten, erklärt ein Sprecher der Stadt, schränkt aber ein: "Sie ist aber natürlich kein Allheilmittel." Die Kosten für die Anschaffung hätten im fünfstelligen Bereich gelegen. Auch im Moselbad in Koblenz gibt es Kameras, die mit Hilfe von KI den Badebetrieb überwachen.
Hohe Anschaffungskosten und Fragen zum Datenschutz
Bei der Rheinwelle in Gau-Algesheim sind die Verantwortlichen dagegen zurückhaltender: Die rechtliche Situation beim Einsatz solcher Technologien gerade mit Blick auf Datenschutz und Haftungsfragen sei noch nicht ausreichend geklärt. Bislang gibt es außerdem nur wenige belastbare Erfahrungswerte aus vergleichbaren Einrichtungen.
Die Anschaffung und Installation der Systeme sei zudem mit erheblichen Investitionskosten verbunden. Dazu kämen laufende Kosten für Wartung, Software, Updates sowie gegebenenfalls für Datenspeicherung und Systembetreuung. In der Rheinwelle wird daher derzeit auf KI verzichtet. Die Nachrüstung sei aber grundsätzlich möglich, berichten die Verantwortlichen des Bades.
Badetote in Freibädern
Beim Baden oder Schwimmen sind in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr 15 Menschen ums Leben gekommen. Auch im laufenden Jahr gab es bereits Badetote, etwa ein vierjähriger Junge in einem Freibad in Ludwigshafen und ein elfjähriger Junge in einem Freibad in Birlenbach (Rhein-Lahn-Kreis).
Bei dem hochsommerlichen Wetter mit Temperaturen über 30 Grad wird Spaß und Erholung im kühlen Nass bei vielen Menschen in Rheinland-Pfalz auch in den nächsten Tagen wieder ganz weit oben auf der Freizeitliste stehen. Wichtig zu wissen: Trotz einer Aufsichtpflicht der Betreiber liegt im Schwimmbad laut DLRG die Aufsichtspflicht primär bei den Eltern.
Badeseen unübersichtlicher als Freibäder
Die meisten Badeunfälle passieren jedoch eher in Gewässern wie Flüssen, Seen und Teichen. Gerade in Badeseen mit trübem Wasser, Wellen, wechselnden Lichtverhältnisse, großen Flächen, Pflanzen, Strömungen und vielen unübersichtlichen Uferbereichen ist die Situation weitaus schwieriger für die Rettungskräfte als in einem Freibad.
Künstliche Intelligenz könne an solchen Orten eher bei Sucheinsätzen für menschliche Körper unter Wasser eingesetzt werden, sagt Experte Vogt. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft arbeitet dafür mit KI-gestützten Sonargeräte zur schnellen Unterwassersuche.
Seepferdchen und Schwimmabzeichen
Für Lehrerinnen und Lehrer unterstützt das Land Fort- und Weiterbildungsangebote zum Schwimmunterricht, damit sich die Kinder in Rheinland-Pfalz sicher im Wasser bewegen können. Die Zahl der Schwimmabzeichen ist im vergangenen Jahr landesweit leicht gestiegen und beim Seepferdchen nahezu gleich geblieben. Bei den Schwimmkursen ging die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Rheinland-Pfalz dagegen zurück.