Rheinland-Pfalz & SaarlandLandtag sieht positive Effekte seines Berufsschul-Projekts

Das Projekt heißt "Landtag goes Berufsschule" und läuft seit 2022. In Workshops wird politisches Wissen vermittelt, Diskussionsrunden sind auch fester Bestandteil. Das wirkt, sagen die Macher.
Mainz (dpa/lrs) - Der rheinland-pfälzische Landtag hat ein positives Zwischenfazit für sein Demokratie-Förderprogramm in Berufsschulen gezogen. Das Projekt "Landtag goes Berufsschule" stärke politisches Interesse von Schülerinnen und Schüler und führe zu einer positiveren Bewertung der Demokratie, teilte der Landtag in Mainz mit. Das habe eine Auswertung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ergeben. Landtagspräsident Matthias Lammert sagte: "Wir halten das für ein ganz wichtiges Projekt."
Das Programm gibt es seit 2022, seitdem wurden 16 Berufsbildende Schulen (BBS) jeweils über drei Tage besucht. Dabei seien fast 9.000 Schülerinnen und Schüler erreicht worden, fast 500 Workshops hätten stattgefunden, sagte Lammert.
Workshops und Sprayprojekt
Ein solcher Besuch umfasst neben Workshops unter anderem auch eine Diskussionsrunde mit einem Mitglied des Präsidiums des Parlaments. Fester Bestandteil ist zudem ein Sprayprojekt mit einem Graffiti-Künstler, die dabei entstehenden Bilder werden gemeinsam besprochen.
Für die nun erfolgte Auswertung durch die empirische Politikforschung der Uni Mainz wurden Schülerinnen und Schüler der BBS Wissen im Landkreis Altenkirchen auf unterschiedliche Weisen befragt. Dort war der Landtag im Dezember 2025 zu Gast gewesen.
Verglichen wurden Einstellungen von Schülerinnen und Schülern, die dort bei Workshops mitmachten, mit denen von Schülern, die das nicht taten - insgesamt mehr als 700 Personen. Darüber hinaus wurden knapp 1.700 Schüler von anderen Berufsschulen im Land in die Befragung einbezogen - darunter welche, die an dem Programm teilnahmen haben und welche, die nicht damit in Berührung kamen.
Unterschiedliche Effekte
Teilnehmer von Workshops des Programms vertrauten mehr darauf, tatsächlich Einfluss im politischen System nehmen zu können. Das sei grundlegend dafür, um politische Prozesse nachvollziehen und sich in demokratische Prozesse einbringen zu können. Auch habe sich gezeigt, dass populistische Vorbehalte bei Teilnehmern abnehmen würden.
Weniger deutlich sei der Effekt bei Einstellungen gegenüber unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Zwar fördere die Teilnahme an den Workshops eine offenere Haltung gegenüber verschiedenen Religionsgruppen, mit Blick auf andere sexuelle Orientierungen oder Nationalität ließen sich dagegen keine vergleichbaren Wirkungen feststellen.
Es sei auch nicht so, dass Teilnehmer nach einem Workshop Vorurteilen seltener zustimmten. Vorurteile gingen häufig auf eine über lange Zeit gewachsene Einstellungen zurück, die sich wahrscheinlich mit einem einzigen 90-minütigen Workshop nur sehr schwer verändern ließen, hieß es in der Auswertung.
Insgesamt sei er jedoch positiv überrascht gewesen von den Effekten des Projekts, resümierte Professor Sascha Huber, Abteilungsleiter der empirischen Politikforschung der JGU.
Wesentlicher Beitrag zur Demokratie-Bildung
Insgesamt wurde laut Landtag deutlich, dass das Programm in vielerlei Hinsicht erfolgreich und wirksam ist. Es werde sowohl von Schülern als auch von Lehrerinnen und Lehrern positiv bewertet.
Angebote des Programms regten an, sich mit fremden Perspektiven auseinanderzusetzen und eigene Standpunkte sowie eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Das Programm leiste so einen wesentlichen Beitrag zur demokratischen Bildung.
Berufsschulen seltener im Fokus
Und warum widmet der Landtag den Berufsschulen nun ein eigenes Programm? Diese stünden bislang deutlich seltener im Fokus politischer Bildungsangebote als andere Schulformen, hieß es. Gleichzeitig zeige die Forschung, dass genau dort ein besonderer Bedarf sei.
Bei Besuchen in Berufsschulen zeige sich, dass dort viele junge Menschen mit Politik kaum etwas zu tun hätten, sagte Lammert. Es gehe, darum zu zeigen, dass Politik auch für diese jungen Leute da sei. Investiert hat der Landtag in das Programm bislang etwa 150.000 Euro. Es soll künftig noch ausgebaut werden.