Rheinland-Pfalz & Saarland"Alle in Rot": Mainzer Osterschwung für Straßburg-Abenteuer

Der FSV Mainz 05 macht bei der TSG Hoffenheim einen "riesigen Schritt" in Richtung Klassenerhalt. Trainer Fischer erklärt, wie er den Club nach Amtsantritt in Schwung gebracht hat.
Sinsheim (dpa/lrs) - Die Mainzer Profis versammelten sich geschlossen vor den knapp 5.000 Fans, auf einem großen Banner stand in Großbuchstaben: "Alle in Rot gegen Strasbourg". Mit viel Schwung und noch mehr Selbstvertrauen kommt der FSV Mainz 05 nach dem 2:1-Coup bei der TSG Hoffenheim aus den Ostertagen - und ins nächste Fußball-Abenteuer.
Schon an diesem Donnerstag (21.00 Uhr/RTL+) geht es im Conference-League-Viertelfinale vor heimischem Publikum gegen Titelanwärter Racing Straßburg. Genau eine Woche später wartet dann das Gastspiel in der nur 200 Kilometer entfernten französischen Stadt nahe der deutschen Grenze.
Mit "Euphorie" gegen Straßburg
"Für Mainz 05 ist es Neuland, im Europacup so weit zu kommen. Es ist nicht einfach, aber wir werden, wie immer, versuchen, das Beste dabei herauszuholen", sagte Trainer Urs Fischer in einem Interview dem "Kicker". Im Halbfinale könnte es gegen Rayo Vallecano oder AEK Athen gehen. Sportdirektor Niko Bungert fügte mit Blick auf das Heimspiel gegen Straßburg an: "Da wollen wir die Euphorie nutzen, ohne leichtfertig zu werden."
Seit Fischers Amtsantritt im Dezember hat sich einiges getan. Der 60 Jahre alte Schweizer hatte die 05er auf Platz 18 in größter Abstiegsangst übernommen. "Als ich in Mainz begonnen habe, haben wir uns als Gruppe auf etwas geeinigt: Wir haben keine Zeit für Befindlichkeiten und Diskussionen darüber, dass einer zu wenig Spielminuten bekommt oder was auch immer", sagte Fischer
Tietz zeigt Glücksbringer
Seine Devise an die monatelang immer wieder sportlich gebeutelten Profis um Paul Nebel und Nadiem Amiri lautete: "Im nächsten halben Jahr geht es um die Zukunft und die Arbeitsplätze bei Mainz 05, da ist kein Spielraum für Befindlichkeiten." Die Ausgangslage hätte laut Fischer "kaum schlimmer" sein können. Das gilt nicht mehr, mit 33 Zählern befindet sich Mainz inzwischen näher an Rang sieben als am Relegationsplatz.
Das haben sie auch Phillip Tietz zu verdanken, der beim überraschenden Sieg in Sinsheim doppelt traf und somit zum Matchwinner wurde. Stolz und auch gerührt zeigte der 28-Jährige nach seinen zwei Toren (13. und 79. Minute) seinen Glücksbringer. Das kleine gemalte Bildchen von Mavie-Lou hatte Tietz unter seinem Schienbeinschoner versteckt und nahm es auch mit in die Interviewzone. Dort tobte das Töchterchen dann ausgelassen um ihn herum.
"Jetzt mal ich dir ein Bild, damit du Tore schießt"
"Sie war ziemlich kritisch mit mir und hat gesagt: Papa, Tore schießen ist doch ziemlich einfach. Jetzt mal ich dir ein Bild, damit du Tore schießt", erzählte der Stürmer. In den vergangenen Wochen hatte Tietz mit einer Torflaute zu kämpfen, sein zuvor letzter Treffer war ihm Ende Januar beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg gelungen.
"Ich hatte jetzt eine Leidenszeit, die nicht spurlos an mir vorbeigeht. Weil ich mich an Toren messen möchte und dafür letztendlich bezahlt werde", sagte der ehemalige Augsburger. "Deswegen ist es umso schöner, dass ich zwei Tore erzielen konnte. Ich bin extrem froh, dass das heute so ein schöner Tag ist."
"Noch im Abstiegskampf drin"
Nach dem Schlusspfiff gegen Hoffenheim ging der Angreifer dann zur Gegentribüne, wo Mavie-Lou saß. "Mein bester Kumpel und meine Tochter sind heute zu Besuch. Sie sind extra von Mainz runter gefahren. Meine Tochter wollte mir die Daumen drücken", sagte Tietz später.
Ob das schon der Klassenerhalt für Mainz war? "Drei Punkte mehr auf dem Konto, aber wir sind definitiv noch im Abstiegskampf drin", sagte der Matchwinner. Und auch Torhüter Daniel Batz verneinte die Frage: "Wer rechnen kann, sieht das: sechs Spiele noch – 18 Punkte."