Regionalnachrichten

Rheinland-Pfalz & SaarlandMit Hund zur Arbeit: Uni Koblenz macht’s möglich

19.05.2026, 04:02 Uhr
Fenris-hat-es-bequem-waehrend-seine-Halterin-arbeitet
(Foto: Thomas Frey/dpa)

Schnüffeln, schlafen, Stimmung heben: In Koblenz locken Bürohunde sogar Professorinnen an den Uni-Campus. Dabei gibt es strenge Regeln für den Arbeitsalltag mit Hund.

Koblenz (dpa/lrs) - Henri, Paula und Fenris müssen sich an der Uni Koblenz keine Sorgen um Abgaben, Klausuren und Fristen machen. Ihr Job: für gute Laune sorgen. Die drei gehören zu einer Gruppe von 17 Hunden, die derzeit am Pilotprojekt "Bürohunde" an der Universität teilnehmen. Seit November dürfen die Hunde ihre Menschen an ihren Arbeitsplatz begleiten.

Dahinter steckt ein Konzept, das unter der Leitung von Yvonne Werle und Felicitas Kexel entwickelt wurde. "Wir haben ein Konzept erstellt, das für alle Sorge tragen soll: für die Mitarbeitenden – auch mit Ängsten und Allergien –, für die Hundebesitzenden und für die Studierenden", sagt Werle. Die 31-Jährige arbeitet an der Uni im Zentrum für Lehrkräftebildung, die 32 Jahre alte Kexel leitet das International Relations Office, beide sind Hundebesitzerinnen.

Der Wauwau-Effekt

Dem Bundesverband Bürohund zufolge gibt es belastbare wissenschaftliche Untersuchungen zu positiven Effekten von Hunden im Arbeitskontext. Hunde im Büro können demnach zu einem besseren Arbeitsklima, geringerer Stresswahrnehmung, mehr sozialer Interaktion und höherer Arbeitszufriedenheit beitragen.

Hunde gelten laut dem Verband als besonders geeignet für den Büroalltag, weil sie auf den Menschen sozialisiert sind, sich gut an feste Abläufe gewöhnen und als soziale Begleittiere die Nähe zu Bezugspersonen brauchen.

Konzept hat überzeugt

Am Campus in Koblenz sind die zugelassenen Bürohunde mit ihren roten Halstüchern, die vor allem die kleineren Hunde wie flauschige Superhelden aussehen lassen, bekannt. Doch bis es so weit war, mussten die Projektleiterinnen viel recherchieren, bedenken und der Hochschulleitung einen ausgefeilten Plan vorlegen. Diese war letztendlich überzeugt.

Constanze Juchem-Grundmann, die als Vizepräsidentin für Studium und Lehre Teil der Hochschulleitung ist, hat dabei eines besonders gefreut: "Es gab tatsächlich Professorinnen, die gesagt haben: "Ihr habt eine Möglichkeit, einen Hund mitzubringen, wir kommen!" Also das hat uns schon sehr begeistert."

Schutz und Sicherheit im Fokus

Besonders wichtig in der Planung und Umsetzung ist die Sicherheit aller Beteiligten, unter anderem für Menschen mit Ängsten oder Allergien. "Deshalb dürfen die Hunde nur in die jeweiligen Büros und nicht in Teeküchen, Vorlesungsräume oder andere Räume", sagt Werle. Die Bürohunde dürfen sich nur in den angemeldeten Räumen aufhalten. An den Türen hängt jeweils ein Schild mit einem Foto des Hundes und der Kennzeichnung, ob dieser gerade im Büro ist. Kexel erklärt: "Studierende können ihre Hunde leider nicht mitbringen, da sie keine festen Büroräume haben."

Doch bevor die Hunde überhaupt kommen dürfen, müssen sie zunächst als Bürohunde zugelassen werden, alle anderen Hunde sind in Unigebäuden generell nicht erlaubt. Für die Zulassung können sie laut Konzept entweder eine Begleithundeprüfung oder eine dreimonatige Probezeit absolvieren. Sogenannte Listenhunde – also pauschal als gefährlich eingestufte Rassen – sind ausgeschlossen. Die Hunde müssen geimpft und die Halterinnen und Halter haftpflichtversichert sein. Außerhalb der jeweiligen Büroräume gilt Leinenpflicht. Läufige Hündinnen dürfen nicht mitgebracht werden.

Während der Entwicklung ihres Konzepts sind die Projektleiterinnen auch mit der Stadtverwaltung Ludwigshafen in den Austausch getreten. Dort können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 2022 Hunde mit ins Büro bringen. Derzeit kommen nach Angaben der Verwaltung 137 Hunde regelmäßig mit ihren Menschen ins Büro.

"Super Entlastung"

Für Sachbearbeiterin Petra Laux (59) stellt die Möglichkeit, dass sie ihre kleine Paula mit zur Arbeit nehmen darf, eine "super Entlastung" dar. Nach anfänglicher Aufregung schläft der Malteser-Mix nun oft im Büro. "Ich gucke dann mal in stressigen Situationen auf meinen Hund, der super entspannt in seinem Körbchen liegt, und denke dann: Ja, ist doch okay."

Für Finja Grospietsch (37) kam das Bürohunde-Projekt wie gerufen. "Ich bin für die Professur von Kiel nach Koblenz gezogen und dadurch bezüglich Hundebetreuung nicht mehr so stark vernetzt wie vorher – das Konzept hat mir meine Entscheidung für die Universität Koblenz und meinen Umzug leicht gemacht", sagt die Professorin für Didaktik der Biologie, während ihr Dackel-Mischling Henri neben ihrem Schreibtisch in einem Körbchen sitzt.

"Unser Glücksgenerator"

Laika fühlt sich im Büro von Marie Hopp (33) sichtlich wohl – und überträgt das Gefühl auch auf andere: "Ich hatte heute Morgen erst wieder eine Studierende bei mir an der Tür stehen, die gefragt hat, ob sie zum Kraulen reinkommen kann", erzählt die Juniorprofessorin für bioorganische Chemie. Sie bezeichnet ihren Hund auch als Serotoninkatalysator, "also quasi unser Glücksgenerator".

Für Sophie Kohout (30) hat sich an ihrer Arbeit im Zentrum für Informations- und Medientechnologie nichts geändert, seitdem sie ihren Amerikanischen Akita Fenris mitbringen kann. Der große Hund hat seinen festen Platz unter ihrem Schreibtisch und verströmt Ruhe und Gelassenheit.

Auch Silke Wergers (60) junger Kleinpudel Pepe wurde von den meisten freudig im Team aufgenommen. "Es gibt natürlich auch Kollegen, die sagen, sie können mit Tieren nicht so viel anfangen, aber da muss er ja auch nicht zu denen hin. Das ist vollkommen okay", sagt Werger.

Alle Beteiligten hoffen, dass das Pilotprojekt nach einem Jahr langfristig etabliert wird. Bislang habe es keine Vorfälle oder nennenswerte Kritik gegeben, sagen die Projektleiterinnen. Sie sind optimistisch.

Quelle: dpa

Regionales