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Rheinland-Pfalz & SaarlandTödliche Attacke – Gerichtsvollzieher fordern mehr Schutz

19.05.2026, 04:01 Uhr
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(Foto: Brandon Lee Posse/dpa)

Bei einer Zwangsräumung wird im November 2025 ein Gerichtsvollzieher mit einem Messer getötet. Warum die Tat jetzt wieder besonders aufwühlt.

Saarbrücken (dpa/lrs) - Rund ein halbes Jahr nach dem tödlichen Angriff auf einen Gerichtsvollzieher im Saarland treibt die Tat viele Kollegen weiter um. "Das Ganze ist bei der täglichen Arbeit noch sehr präsent, weil es so nah und so brutal war", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Gerichtsvollzieher im Saarland, Gerd Luckas, der Deutschen Presse-Agentur.

Es gebe mehrere Krankheitsfälle und eine Betroffene, die keinen Außendienst mehr machen könne. Man habe auch vor der Tat von Gefahren gewusst. "Dass es aber dann so reell passiert, war für jeden ein Schock", sagte Luckas. "Man weiß, es war ein Zufallsopfer, es hätte jeden treffen können."

"Kommt wieder hoch" - Prozessbeginn wegen Mordes

Vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, der an diesem Mittwoch vor dem Landgericht Saarbrücken beginnt, komme "das Ganze" wieder hoch. Vor allem für die Angehörigen des Opfers sei das Verfahren sehr belastend. "Es wird wichtig sein, dass es irgendwann ein Urteil gibt und man abschließen kann", sagte Luckas. Etliche Kollegen seien beim Prozessauftakt dabei.

Ein 42 Jahre alter Deutscher ist wegen Mordes angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, im November 2025 den 58 Jahre alten Gerichtsvollzieher in Bexbach erstochen zu haben, als dieser eine Zwangsräumung vollstrecken wollte. Laut Anklage stach der Mann in der Wohnung mit einem Jagdmesser mindestens 13 Mal auf Kopf und Oberkörper des Gerichtsvollziehers ein.

Verband fordert bessere Schutzausrüstung

Im Saarland erhielten die Gerichtsvollzieher kurzfristig nach der Tat Schnittschutzschals. Das reiche aber nicht. "Wir hoffen, dass wir bald auch Schnittschutzjacken sowie entsprechende Longsleeves (langärmelige Shirts) und Handschuhe bekommen", sagte Luckas. "Die haben wir als alltagstaugliche Schutzkleidung gefordert." In anderen Bundesländern sei sie bereits teilweise im Einsatz.

Derzeit liefen dazu Gespräche mit dem Ministerium der Justiz. Es werde geprüft, was finanzierbar sei. "Es ist wichtig, dass man ein sicheres Gefühl im Außendienst hat, weil ansonsten wird es noch mehr Fälle geben, die diesen Dienst nicht mehr machen wollen oder können."

Auch Pfefferspray und Alarmsystem gewünscht

Daneben gebe es schusssichere Westen, die inzwischen zu 100 Prozent vom Land bezuschusst würden. Diese machten Sinn, wenn man in einer Situation Probleme erwarte. Im Alltag, wenn man im Auto immer wieder ein- und aussteige, um zu 30 Leuten zu fahren, seien die Westen aber eher unpraktisch.

Pfefferspray dürfen Gerichtsvollzieher im Saarland nicht im Dienst mit sich tragen - anders als in anderen Bundesländern. Der Verband fordert, dass sich das ändert. Das Justizministerium befürworte dieses Anliegen und habe eine Gesetzesänderung angeregt. Die Änderung falle jedoch ins Ressort des Innenministeriums, das sich noch nicht geäußert habe, sagte Luckas.

Auch ein Notrufsystem über eine App auf dem Handy oder einen Alarmknopf sei sinnvoll. Das werde aber nicht so schnell kommen, weil es zunächst eine Testphase geben müsse, sagte Luckas.

Man hoffe, dass es mit den Schnittschutzjacken, Longsleeves und Handschuhen relativ zeitnah klappe: "Weil es ist jetzt ein halbes Jahr vorbei. Es muss was passieren. Wenn der nächste Vorfall da ist, dann ist der Aufschrei wieder groß", sagte der Landesvorsitzende. Derzeit seien im Saarland noch 40 Gerichtsvollzieher im Dienst.

Quelle: dpa

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