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Rheinland-Pfalz & SaarlandNass-Sauger und Notstromaggregat - mehr Schutz für Kulturgut

26.02.2026, 15:01 Uhr
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Wenn in Museen, Archiven oder Bibliotheken das Wasser steigt oder ein Feuer ausbricht, muss es schnell gehen. Wie neue Ausrüstung helfen soll, Kulturgut zu schützen oder zu bewahren.

Mainz (dpa/lrs) - Vorsorge für den Ernstfall: Ein ganzes Set an Ausrüstung und Gerät soll an kulturellen Hotspots in Rheinland-Pfalz wertvolle Kulturgüter besser schützen. Es geht darum, im Ernstfall - also etwa, wenn es brennt oder Wasser eindringt - schnell, richtig und effektiv reagieren zu können.

Warum das Ganze?

"Die Erfahrungen aus der Flutkatastrophe im Ahrtal haben uns deutlich vor Augen geführt, wie verletzlich unser kulturelles Erbe ist", sagt die rheinland-pfälzische Kulturministerin Katharina Binz (Grüne). Es gehe darum, gefährdete Kulturgüter im Ernstfall schnell und fachgerecht bergen und erstversorgen zu können.

Die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Birgit Heide, verweist auf Dresden. Dort habe sich schon gezeigt, welch fatale Folgen Hochwasser haben könne.

Was gehört zur Ausrüstung?

Darunter finden sich unter anderem Gitterwagen, Räumwerkzeuge, Beleuchtung, Verpackungsmaterialien, ein Nass-Sauger oder ein Notstromaggregat. Das alles bildet einen sogenannten Ausrüstungssatz. Ministerin Binz überreichte einen davon an die Berufsfeuerwehr in Mainz, die ihn lagert und wartet. Weitere Sätze sind für Speyer und Trier bestimmt. Die Sätze kosten nach Angaben des Kulturministeriums jeweils rund 47.000 Euro.

Warum diese drei Standorte?

Weil dort viele Kulturgüter und Kultureinrichtungen sind und es dort Notfallverbünde gibt, das sind Zusammenschlüsse von Kultureinrichtungen zur gegenseitigen Unterstützung bei Katastrophen. Zum Mainzer Notfallverbund gehören unter anderem das Dom- und Diözesanmuseum, das Kabarettarchiv, das Gutenberg-Museum oder das Landesmuseum in Mainz.

Was bringen Notfallverbünde?

Sie seien ein Gewinn für alle Beteiligten, sagt Direktorin Heide vom Landesmuseum in Mainz. Es sei ein wichtiges Netzwerk, es gebe regelmäßige Treffen, wichtigen Austausch oder Schulungen zum Beispiel mit der Feuerwehr. Zwar habe jedes Haus etwas unterschiedliche Bedürfnisse, aber eine ganze Reihe an Herausforderungen betreffe alle.

Die Erstversorgung von Kulturgütern sei enorm wichtig, erklärt Heide, um irreversible Schäden zu vermeiden. Es brauche Fachwissen, etwa dazu, wie vorgegangen werden müsse, wenn Löschwasser oder -schaum auf Objekte eingewirkt haben, wenn es Rußschäden gibt oder verschmutztes Wasser eingedrungen ist.

In Trier, wo sich 2024 zehn Archive, Museen und Bibliotheken zusammengeschlossen haben, gehört zur gemeinsamen Strategie auch ein Notfallplan mit klaren Handlungsanweisungen. Jede Institution hat eine verantwortliche Person, die einen Einsatz koordiniert.

Restauratorin Maria Krämer von der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier erklärte zum Start des Verbundes 2024, bei eindringendem Wasser komme es insbesondere bei organischen Materialien wie Papier, Holz oder Leder auf die ersten Stunden an. Dann könne Schimmelwachstum stattfinden, und das sei nichts anderes als die Zerstörung dieses Kulturguts.

Das Netzwerk helfe auch ganz praktisch, sagt Heide in Mainz. Die Telefonnummern der anderen zu kennen, sei wertvoll, wenn kurzfristig Restauratoren gebraucht werden oder wenn es mal helfende Hände brauche, um Kulturgüter auszulagern.

Was gehört sonst noch zum Schutzkonzept?

Bereits im vergangenen Jahr wurde ein landesweites Kulturgutkataster gestartet. Das dient Einsatzkräften des Brand- und Katastrophenschutzes, einen Überblick darüber zu bekommen, an welchen Standorten sich Kulturgüter befinden.

Außerdem sind weitere Großgeräte für Rettungsaktionen ausgeschrieben worden, zum Beispiel ein sogenannter Notfallcontainer und ein Kulturgutschutz-Lkw. Sie sollen einmal an die Berufsfeuerwehr Koblenz gehen.

Wer koordiniert die Anschaffung der Ausrüstungssätze?

Das obliegt der im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz verorteten Landesstelle für Bestandserhaltung, in Absprache mit Notfallverbünden und Berufsfeuerwehren.

Die Landesstelle sei für alle relevanten Einrichtungen eine zentrale Anlaufstelle in Fragen der Bestandserhaltung und Notfallvorsorge, erklärt der stellvertretende Leiter des Landesbibliothekszentrums, Hans-Günter Scheer. Die Leiterin der Landesstelle, Beate Umann, sagt, nun komme es darauf an, mit den Ausrüstungssätzen zu üben, damit alle Beteiligten Routine und Sicherheit für den Einsatz bekämen. Dazu zählten auch Trainings mit dem Technischen Hilfswerk (THW).

Quelle: dpa

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