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Rheinland-Pfalz & SaarlandDierfeld hat Wahlbeteiligung von 100 Prozent

21.03.2026, 04:02 Uhr
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In der Mini-Gemeinde haben alle acht Wahlberechtigten schon Briefwahl gemacht. Wie bleibt das Wahlgeheimnis bei so wenigen Wählern gewahrt?

Dierfeld (dpa/lrs) - Dierfeld ist nicht nur die kleinste Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Die Mini-Kommune hat auch schon gewählt und die höchstmögliche Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl erreicht: 100 Prozent.

"Ich habe die Wahlbriefe gesammelt in den Briefkasten geworfen", sagt Ortsbürgermeister Roderich von Greve-Dierfeld (parteilos). Heißt konkret: Acht Wahlbriefe von acht wahlberechtigten Einwohnern. Insgesamt zählt Dierfeld im Kreis Bernkastel-Wittlich zurzeit 15 Einwohner.

Die Wahlbeteiligung sei immer sehr hoch. "Wir achten darauf", sagt von Greve-Dierfeld. Zu der Gemeinde mit großem Hofgut und Gartenbaubetrieb gehören 14 Hektar Gemeindewald plus 180 Hektar Privatwald mit Schmuckgrün- und Gehölzkulturen.

"Besonders, dass wir Eigenständigkeit bewahrt haben"

Zur Landtagswahl am Sonntag hat sich Dierfeld mit der nahegelegenen kleinen Stadt Manderscheid zu einem Stimmbezirk zusammengetan. Die Stimmen werden in Manderscheid ausgezählt. "Der Hauptgrund ist das Wahlgeheimnis", sagt der Ortsbürgermeister. "Weil durch die geringe Zahl an Wählern wäre es schon recht offensichtlich, wie Dierfeld wählt."

Auch bei der letzten Landtagswahl war das schon so. Nur bei den Kommunalwahlen wird noch die Wahlurne auf dem Gut im Wohnzimmer aufgestellt. Der Gemeinderat in Dierfeld hat sechs Mitglieder plus den Ortsbürgermeister.

Es sei besonders, die kleinste Gemeinde im Land zu sein: "Weil wir diese Eigenständigkeit bewahrt haben", sagt der 45-Jährige. In dem Ort gibt es auch eine Kapelle und einen Friedhof. Das Gut liegt idyllisch zwischen Wäldern und Feldern.

Die Einwohner gehören zur Familie oder sind Mitarbeiter, die dort arbeiten. Das Landgut war im 16. Jahrhundert als Jagdschloss der Grafen von Manderscheid errichtet worden. Es wurde immer wieder verpachtet - bis es Anfang des 20. Jahrhunderts die Familie von Greve erwarb.

140 Gemeinden im Land mit weniger als 100 Einwohnern

Ein wichtiges Projekt in dem Ort sei derzeit der Bau einer 15 Hektar großen Photovoltaikanlage. "Wir wollen einerseits unseren Beitrag an der Umsetzung der erneuerbaren Energien leisten", sagt von Greve-Dierfeld. Es gehe aber auch darum, einen Teil der zu erwartenden Gelder in der Gemeindekasse an gemeinnützige Projekte in der Umgebung zu spenden.

Laut Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz in Bad Ems gibt es in Rheinland-Pfalz rund 2.300 Gemeinden und Städte. Gut 140 Gemeinden im Land hätten weniger als 100 Einwohner, sagte ein Sprecher. Weitere "Minis" gibt es im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Hamm mit 16 Einwohnern und Keppeshausen mit 17.

In Hamm erzählt Ortsbürgermeistern Anja Klares (parteilos), dass auch früher in dem Ort das Wahllokal bei ihrem Vorgänger in der Wohnung gewesen sei. "Aber das ist eine langatmige Sache, da muss ja von 8 Uhr bis 18 Uhr dort sitzen". Und das bei wenigen Stimmabgaben.

Es müssen mindestens 30 Stimmzettel in einer Wahlurne sein

Hamm habe daher den Stimmbezirk erneut mit Biersdorf am See zusammengelegt, sagt Klares. "Wir werden dann dort bei der Wahl mit zwei, drei Leuten aus dem Gemeinderat helfen. Das geht alles viel einfacher, viel besser - und ist nicht so langweilig."

Und auch rechtlich ist das so vorgesehen, heißt von der Landeswahlleitung. Denn wenn in einer Gemeinde ein Stimmbezirk eingerichtet ist und am Wahltag sich abzeichnet, dass weniger als 30 Stimmzettel in der Urne sind, müssen zur Wahrung des Wahlgeheimnisses die Stimmzettel in der verschlossenen Urne in einen Nachbarort gebracht und dort mit ausgezählt werden.

Quelle: dpa

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