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Rheinland-Pfalz & SaarlandStaatsphilharmonie mit neuem Takt: Gassmanns erste Spielzeit

28.03.2026, 05:00 Uhr
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Michael Gassmann ist neuer Leiter des Sinfonieorchesters. Zwischen vertrauten Klängen und innovativen Ideen sucht er einen eigenen Weg.

Ludwigshafen (dpa/lrs) - Eine neue Ära beginnt an der Spitze des größten Sinfonieorchesters des Bundeslandes. In wenigen Tagen stellt Michael Gassmann, der neue Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die erste von ihm komplett geplante Spielzeit vor. "Das Orchester hat einen exzellenten Ruf", sagt der Musikwissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur in Ludwigshafen. "Es ist nicht nur ein Ensemble, sondern ein Ort der Ideen, Experimente und des Aufbruchs für die symphonische Welt."

Der 1966 in Bonn geborene Gassmann hat das Amt von Beat Fehlmann übernommen, der nach erfolgreichen Jahren zur Musikakademie in Liechtenstein gewechselt ist. Sein Vorgänger habe ihn sechs Wochen lang eingearbeitet, sagt Gassmann. "Wir sind jedes Thema durchgegangen, sodass ich beim ersten offiziellen Arbeitstag gut eingestiegen bin." Überraschungen gab es kaum. "Die Phase des Abtastens hat sich schnell gelegt."

Was ändert sich?

Seine Entscheidung für Rheinland-Pfalz besitzt auch eine private Dimension. Seine Familie lebt in Heidelberg, das Pendeln aus Bonn, wo er zuletzt Kaufmännischer Geschäftsführer der Internationalen Beethovenfeste war, strengte an. "Die Nähe zur Familie macht Ludwigshafen zusätzlich attraktiv."

Gassmann sei "ein herausragender Kulturmanager und profunder Musikkenner", der "künstlerische Exzellenz mit strategischem Weitblick" verbinde, hatte Kulturministerin Katharina Binz bei der Vorstellung gesagt. Ob als Chefdramaturg der Bachakademie Stuttgart und des Musikfests Stuttgart oder als Leiter des künstlerischen Betriebs des Heidelberger Frühlings: Gassmann habe eindrucksvoll gezeigt, wie sich visionäre Programmgestaltung und professionelles Management zu kultureller Strahlkraft verbinden ließen.

Was will "der Neue" anders machen? "Das Programm kommt am 20. April, aber ich kann sagen: Werke des Dänen Carl Nielsen kehren zurück, die beiden orchestereigenen Festivals zum Saisonauftakt und -abschluss erhalten eine neue Ausrichtung", schildert Gassmann. Die Zahl der Abonnenten habe sich in den vergangenen sieben Jahren um 183 Prozent erhöht. "Das Vertrauen erlaubt Experimente, aber wir bieten auch Vertrautes."

Klassik im Autoradio? "Grauenhaft"

Privat hört Gassmann selten Musik. "Beruflich bin ich ständig von Musik umgeben. Aber ich spiele gelegentlich Orgel und improvisiere zu Hause – das tut gut." Im Auto setzt er auf Wortsendungen. "Klassik im Autoradio klingt grauenhaft, da höre ich lieber Nachrichten oder Magazine." Sein Musikgeschmack ist klassisch. "Pop oder Jazz nur am Rande." Er lacht. "Vielleicht erleichtert das die Programmplanung."

Und was macht Klassik nach Jahrhunderten weiter attraktiv? "Musik, die seit 300 bis 400 Jahren Menschen berührt, wird auch künftig Bedeutung haben", meint Gassmann. "Es geht um existenzielle Erfahrungen, die über den Alltag hinausreichen." Johann Sebastian Bach etwa sei "auf elementare Verhältnisse reduziert – archaisch und aktuell zugleich".

Woher das Geld kommt

Künftig möchte er mehr experimentieren, ohne treue Zuhörer zu verlieren. "Es geht darum, Musik erlebbar zu machen und Brücken zwischen Tradition und Gegenwart zu schlagen. Das wird die erste von mir vollständig verantwortete Spielzeit zeigen." Und woher kommt das Geld dazu? "Wir erhalten keinen Euro von der Stadt und sind insofern abgekoppelt von kommunalen Krisen. Das Land sichert der Staatsphilharmonie die auskömmliche Finanzierung."

Das Orchester verfügt über 86 Planstellen, dazu kommen 13,5 in der Verwaltung. Das Land bezuschusst den Betrieb mit etwa 12,5 Millionen Euro jährlich, der Gesamtetat liegt bei rund 14 Millionen Euro.

Und dann ist da noch ein spannendes Projekt: eine mögliche Konzertreise nach Nordafrika. Ein neues Klassikfestival in Tunis wünscht sich eine Zusammenarbeit mit der Staatsphilharmonie. Könnte das klappen? "Das bleibt final zu klären", sagt Gassmann vorsichtig. "Aber schön wäre es."

Quelle: dpa

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