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Rheinland-Pfalz & Saarland Zeitzeugin beim Holocaust-Gedenken im Landtag

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Gebannt hören die Abgeordneten den Erinnerungen der 95-jährigen Monique Lévi-Strauss zu. "Es gibt keine Kultur, die einer anderen überlegen ist", sagt die Besucherin aus Paris, die im Zweiten Weltkrieg in Gerolstein und Prüm lebte.

Mainz (dpa/lrs) - Abitur 1944 in der Eifel: "Nie haben wir über den Krieg gesprochen, nie haben wir über Politik gesprochen, weil es zu gefährlich war." Eindringliche Erinnerungen der Zeitzeugin Monique Lévi-Strauss haben am Donnerstag eine Sondersitzung des Landtags Rheinland-Pfalz zum Holocaust-Gedenktag bestimmt. Gebannt hörten die Abgeordneten der 95 Jahre alten Dame zu, die dafür trotz der Corona-Pandemie von Paris nach Mainz kam.

"Ihr Zeitzeugnis verstehe ich als klare Aufforderung an uns, auch heute nicht gleichgültig zu sein", sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Es sei zutiefst verstörend, dass in der Nachkriegszeit lange niemand etwa von der Geschichte der französischen Anthropologin hören wollte, die von 1939 bis 1945 nach dem Willen ihres Vaters in Deutschland leben musste - obwohl ihre jüdische Mutter ständig in Gefahr war, verhaftet und deportiert zu werden.

In der Bundesrepublik habe es mehr als drei Jahrzehnte gedauert, "das eiserne Band des Schweigens über die deutsche Schuld aufzubrechen", sagte Dreyer. Heute verbinde sich der 27. Januar als Gedenktag mit dem Bekenntnis: "Wir wollen wissen und wir wollen erinnern." Damit das Gedenken nicht zu einem Ritual werde, müssten sich die Formen der Erinnerung weiterentwickeln und auf Fragen der jungen Generation eingehen.

Dies tat Monique Lévi-Strauss mit Antworten auf Fragen von Abiturientinnen und Abiturienten des Regino-Gymnasiums in Prüm, die in einem kurzen Film an sie gestellt wurden. Dort bestand die damals junge Frau zusammen mit sieben weiteren Schülerinnen ihre Abiturprüfung - die jungen Männer waren alle im Krieg.

"Der Deutsch-Lehrer weinte oft während des Unterrichts", berichtete Lévi-Strauss, die in Paris geboren wurde. Der Bewunderer Goethes sei ebenso wie der Mathematik-Lehrer nach Prüm strafversetzt worden, möglicherweise aus politischen Gründen.

Später half die junge Frau in einer Klinik in Weimar und traf dort auf französische Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald, die während der Zwangsarbeit bei einem Luftangriff verletzt wurden. "Wir hatten nicht genug Narkosemittel, man musste die Beine sägen." Die Chirurgen hätten sie gebeten, auf Französisch mit ihnen zu reden. "So habe ich sie gehalten für Stunden, während man ihnen die Beine sägte", erinnerte sich Monique Lévi-Strauss. "Das kann ich nicht vergessen."

Eingerahmt wurde das Gedenken mit Liedern, die von der israelischen Mezzosopranistin Shai Terry vorgetragen wurden, welche in Mainz studiert. Die Abgeordneten des Landtags folgten der Bitte von Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD), sich zum Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen schweigend zu erheben. Sowohl Hering als auch Dreyer sprachen antisemitische Tendenzen bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen an. "Denjenigen, die sich auf Corona-Demos einen gelben Stern anheften, sage ich: Sie verhöhnen damit die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus!" Wer an deren Seite mitdemonstriere, "ist im wahrsten Sinne des Wortes mindestens ein Mitläufer", sagte Hering.

Monique Lévi-Strauss hat ihre Erinnerungen in einem Buch festgehalten, das im vergangenen Jahr unter dem Titel "Im Rachen des Wolfes" auch auf Deutsch erschienen ist. Das Buch endet mit ihrer Heirat mit dem Soziologen und Ethnologen Claude Lévi-Strauss (1908-2009). Die Jahre in Deutschland, so schloss die Zeitzeugin im Mainzer Landtag, hätten sie gelehrt, "dass man andere Kulturen und andere Religionen respektieren muss - es gibt keine Kultur, die einer anderen überlegen ist, es gibt auch keine Hautfarbe, die schöner ist als eine andere".

Quelle: dpa

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