Sachsen-AnhaltImmer mehr Erntehelfer kommen aus dem Ausland

Ohne Saisonkräfte aus Polen oder Rumänien bleibt Spargel liegen: Warum die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt immer stärker auf ausländische Helferinnen und Helfer angewiesen ist.
Halle (dpa/sa) - Spargel, Erdbeeren oder Gurken müssen oft innerhalb kurzer Zeit geerntet werden: Doch immer weniger Menschen aus Sachsen-Anhalt arbeiten in der Landwirtschaft. Stattdessen sind die Betriebe zunehmend auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen.
Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, arbeiteten im September 2025 rund 12.200 Menschen sozialversicherungspflichtig in landwirtschaftlichen Betrieben des Landes. Das waren knapp 2.830 weniger als zehn Jahre zuvor - ein Rückgang um 19 Prozent.
Weniger Beschäftigte aus Deutschland
Besonders stark sank die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit. Sie ging innerhalb von zehn Jahren um 28 Prozent auf rund 10.270 zurück. Als Gründe nennt die BA unter anderem den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Es gebe weniger, dafür größere Betriebe, die stärker auf Maschinen und Automatisierung setzten.
Gleichzeitig ist die Zahl der ausländischen Beschäftigten deutlich gestiegen. Sie hat sich seit 2015 von 708 auf 1.889 mehr als verdoppelt. Die meisten kommen nach Angaben der BA aus Polen und Rumänien. Ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Landwirtschaft lag zuletzt bei rund 16 Prozent.
Saisonkräfte werden immer wichtiger
Vor allem während der Erntesaison spielen ausländische Arbeitskräfte eine wichtige Rolle. In der Hochsaison im Juni 2025 waren nach Angaben der BA rund 1.070 Menschen kurzfristig in der Landwirtschaft beschäftigt, darunter gut 800 aus dem Ausland. Solche kurzfristigen Beschäftigungen werden vor allem für Erntearbeiten genutzt und sind auf höchstens 70 Arbeitstage im Jahr begrenzt.
Nach Einschätzung der BA wird es für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend schwieriger, genügend Saisonkräfte zu finden. In vielen Herkunftsländern steige das Lohnniveau, wodurch die Arbeit in Deutschland finanziell weniger attraktiv werde. Zudem müssten Betriebe in Unterkünfte investieren und gute Arbeitsbedingungen bieten, um im Wettbewerb um Erntehelfer bestehen zu können.
Der Vorsitzende der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens, sagte, der Bedarf an Arbeitskräften könne "nicht mehr allein mit Beschäftigten aus dem Inland gedeckt werden". Fehlten Erntehelfer, drohten vielen Betrieben wirtschaftliche Probleme. Saisonarbeitskräfte vor allem aus Polen und Rumänien seien deshalb "das verlässliche Rückgrat" der arbeitsintensiven Frühjahrs- und Sommermonate und sorgten mit dafür, dass heimische Lebensmittel geerntet werden könnten.