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Sachsen-AnhaltKümmerer helfen Schülern und Azubis beim Berufsstart

09.03.2026, 08:31 Uhr
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Manche Menschen scheitern am Übergang von der Schule in den Job. In Sachsen-Anhalt werden sie von Ausbildungsmanagern unterstützt. Wie Heidi Bree den 19-jährigen Jerome begleitet und ihm Türen öffnet.

Stendal (dpa/sa) - Dreimal klopft es vorsichtig an der Tür. Mit einem Lächeln im Gesicht betritt der 19-jährige Jerome das Zimmer von Heidi Bree. Die Ausbildungsmanagerin begrüßt ihn fröhlich, reicht ihm die Hand und ist sofort mit dem Schüler im Gespräch. Der 19-Jährige will bald ein Praktikum machen, um die richtige Ausbildung zu finden - vielleicht als Verwaltungsfachangestellter. "Meine Idee ist, dass du das einfach mal praktisch ausprobierst. Da kümmere ich mich drum", sagt Heidi Bree.

In Sachsen-Anhalt schaffen zu viele junge Menschen den Übergang von der Schule in den Beruf nicht oder sie brechen bei Problemen ihre Ausbildung ab. Manche sind organisatorisch überfordert, anderen fehlt die Unterstützung der Familie, immer wieder gibt es auch Sprachbarrieren. "Junge Menschen lernen oft nicht mehr, schwierige Situationen zu meistern", sagt Heidi Bree. Sie unterstützt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihrem Weg.

Vernetzung zwischen Schulen und Betrieben

22 Ausbildungsmanager sind im Land geplant, viele von ihnen haben in den vergangenen Monaten in den Landkreisen ihre Arbeit aufgenommen. Sie sollen Förderbedarfe ermitteln, Unterstützungsmaßnahmen organisieren und die Vernetzung zwischen Schulen und Ausbildungsbetrieben verbessern. Bis 2028 stehen für die Aufgabe landesweit Fördermittel in Höhe von 5,28 Millionen Euro zur Verfügung, ein Großteil sind europäische Gelder.

"Das Ausbildungsmanagement ist sehr gut angelaufen. Die Rückmeldungen aus den Berufsschulen, von Kammern, Betrieben und Auszubildenden zeigen, dass das Angebot auf einen echten Bedarf trifft", sagt Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD).

Schulleiter: Der Baustein hat uns gefehlt

Das bestätigt auch der Leiter des Berufsschulzentrums Stendal (BSZ), Jens Schößler. "Das ist der Baustein, der bei uns noch gefehlt hat", sagt er. Die Aufgaben der Ausbildungsmanager könnten Lehrer und Schulsozialarbeiter so nicht leisten.

Am BSZ lernen insgesamt etwa 2.300 Schüler. Pflegeausbildung, Fachschule Sozialpädagogik, Handwerksberufe, ein berufliches Gymnasium - die Einrichtung ist breit aufgestellt. Heidi Bree ist vor einigen Monaten als eine der ersten Ausbildungsmanagerinnen in Sachsen-Anhalt zum Team dazugekommen. "Als ich von dieser Stelle hörte, wusste ich sofort: Das ist meins", sagt die 46-Jährige. Angestellt ist sie beim Landkreis Stendal.

Problem mit ein paar Telefonaten gelöst

Der erste Fall von Heidi Bree war eine junge Frau, die sich im dritten Ausbildungsjahr mit ihrem Betrieb überworfen hatte. Schnell musste ein neuer Ausbildungsbetrieb her. Mit ein paar Telefonaten bei der Kammer konnte das Problem gelöst werden. Inzwischen hat sie rund 50 junge Menschen betreut, ein Großteil davon waren Azubis.

Die Arbeitsministerin lobt das Modell. "Jede abgebrochene Ausbildung bedeutet eine vertane Chance für den Einzelnen, aber auch für unsere Wirtschaft. Niemand darf auf dem Weg zur Fachkraft verloren gehen", sagt Grimm-Benne. "Allein aus demografischen Gründen ist es unsere Aufgabe, alle Beschäftigungspotentiale für die Betriebe unseres Landes zu erschließen."

Jerome wusste nichts von den Unterstützungsmöglichkeiten

Jerome ist noch Schüler am beruflichen Gymnasium in Stendal. Mit 19 Jahren wohnt er allein, die Unterstützung der Familie fehlt. Einige Fächer in der Schule laufen gut, bei anderen hakt es. Neben der Suche nach dem richtigen Ausbildungsberuf will ihm Heidi Bree dabei helfen, dass Nachhilfestunden in Mathe finanziert werden. "Wer ist im Jobcenter dein Ansprechpartner?", fragt sie und notiert den Namen.

Jerome wusste nicht, dass es diese Unterstützungsmöglichkeit gibt. "Krass", sagte der 19-Jährige, als Heidi Bree ihm das vorschlägt. "Ich kann da mal vorfühlen, wenn du einverstanden bist", sagt die Ausbildungsmanagerin. Der junge Mann nickt. Dann bespricht sie mit ihm Routinen, die dem 19-Jährigen im Alltag und beim Lernen helfen können.

"Ich will die sein, die an die jungen Menschen glaubt"

Wenn Heidi Bree einen Schritt weitergekommen ist, wird sie den Schüler über die Schul-App anschreiben und mit ihm einen weiteren Termin vereinbaren. Dann wird es auch um seine Bewerbung für das Praktikum gehen.

"Ich sehe mich als Lernprozessbegleiterin", sagt Bree. Sie habe selbst keinen einfachen Start ins Berufsleben gehabt. Die Förderung von Schülern und Auszubildenden liege ihr am Herzen. "Ich will die sein, die an die jungen Menschen glaubt."

Quelle: dpa

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