Regionalnachrichten

Sachsen-AnhaltNach dem Anschlag: Beziehungen der Betroffenen leiden

06.05.2026, 15:37 Uhr
Der-Angeklagte-verfolgt-den-Prozess-aus-einer-Glaskabine

Es kamen sechs Menschen ums Leben, über 300 wurden teils schwerst verletzt. Der Magdeburg-Anschlag hat aber auch ganz andere Auswirkungen: Stimmungsschwankungen und Wut belasten Partnerschaften.

Magdeburg (dpa/sa) - Die Folgen des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben nicht nur direkte Folgen auf die Betroffenen, sondern auch auf deren Partnerschaften. Beziehungsprobleme, Beeinträchtigungen der Sexualität und auch Trennungen zögen sich wie ein roter Faden durch die Fälle, die er betrachtet habe, sagte ein psychiatrischer Sachverständiger im Landgericht Magdeburg. Jeder habe das Geschehen anders erlebt. Die Betroffenen ließen ihre Wut oft am Falschen aus und das sei oft der Partner.

Im Prozess gegen den Todesfahrer sagten am Mittwoch, dem 31. Verhandlungstag, ein Auszubildender zum Notfallsanitäter und eine schwer verletzte 63 Jahre alte Diplomsozialpädagogin als Zeugen aus.

Azubi zog in ein anderes Bundesland

Der 24 Jahre alte Azubi berichtete, wie er Verletzten auf dem Weihnachtsmarkt half. Manche Bilder gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, er sei in Therapie. Das Erlebte habe viel zerstört. Nach dreieinhalb Jahren sei seine Beziehung gegen die Wand gefahren.

Er sei zudem aus seiner Heimatstadt Magdeburg weggezogen in ein anderes Bundesland, weil er sich hier nicht mehr sicher gefühlt habe. Er berichtete von Schlafstörungen, habe unter anderem Alpträume, Flashbacks und Konzentrationsschwierigkeiten.

Die 63-Jährige betrat den Zeugenstand auf einen Rollator gestützt. Achtmal sei sie inzwischen operiert worden. Bis heute mache ihr zu schaffen, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Vor dem Anschlag sei sie eine aktive, selbstständige Frau gewesen, die andere unterstützt habe. Sie leide unter Schlafstörungen, enormen Stimmungsschwankungen, es gehe ihr schlecht. Unter ihren Launen und Stimmungsschwankungen leide ihr Ehemann. Es sei nichts mehr übriggeblieben von ihrem früheren Ich, sagte sie.

Gutachten werden erstattet

In der Folge des Anschlags vom 20. Dezember 2024 starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt.

Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Er soll mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein. Die Anklage wirft ihm unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.

Im Prozess werden eine Reihe von Gutachten zu Betroffenen erstattet, die zwar nicht direkt körperlich verletzt worden sind, deren Leben sich durch die Folgen des Anschlags aber erheblich veränderte. Sie leiden etwa unter Schlafstörungen, Ängsten, Panikattacken, Konzentrationsstörungen und Schreckhaftigkeit. Viele vermeiden Situationen mit größeren Menschenmengen.

Quelle: dpa

Regionales