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Sachsen-Anhalt Plus bei Cyber-Straftaten, Aufklärungsquote sinkt

Tasten einer beleuchteten Tastatur.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild)

Kriminelle schlagen inzwischen häufig übers Netz zu und versuchen Lösegeld zu erpressen. Die Statistik der Polizei zeigt einen massiven Anstieg von Cyber-Attacken.

Magdeburg/Halle (dpa/sa) - Die registrierten Straftaten im Bereich von Cybercrime haben im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt massiv zugenommen. Insgesamt wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 7810 Fälle registriert nach etwa 6000 im Jahr 2020, wie das Landeskriminalamt in Magdeburg mitteilte. Im Jahr 2017 hatte die Zahl noch bei rund 3160 gelegen. Bei Cybercrime im engeren Sinn handelt es sich vorrangig um Computerstraftaten. Die Aufklärungsquote lag dem LKA zufolge im vergangenen Jahr bei 24 Prozent, 2020 waren es noch über 31 Prozent gewesen, 2017 genau 39 Prozent.

Das Bundeskriminalamt hatte kürzlich die bundesweiten Zahlen veröffentlicht. Demnach ist Deutschland überdurchschnittlich stark von Cyberattacken betroffen. Im vergangenen Jahr waren laut BKA bundesweit 146 363 Delikte erfasst worden und damit 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Vor allem im Bereich Ransomware und bei DDoS-Angriffen sei ein starker Zuwachs festgestellt worden.

Als Ransomware werden Schadprogramme bezeichnet, die bei den Opfern den Zugriff auf Daten und Systeme einschränken oder verhindern, indem sie beispielsweise alle Festplatten verschlüsseln. Für die Entschlüsselung verlangen die Angreifer dann ein Lösegeld (engl. "ransom"). Bei DDoS-Attacken ("Distributed Denial of Service"), versuchen Angreifer, Server mit einer Flut von Anfragen lahmzulegen. Bundesweit lag die Aufklärungsquote bei Cyberangriffen bei rund 29 Prozent.

In Sachsen-Anhalt war kürzlich ein Ransomware-Angriff auf das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle bekannt geworden. Laut LKA wurden nach aktuellem Kenntnisstand sowohl Daten entwendet als auch Daten verschlüsselt. Eine genaue Schadensgröße lasse sich aktuell noch nicht bestimmen. Mit der Attacke ging eine Lösegeldforderung einher, auf die nicht eingegangen wurde.

Wie ein LKA-Sprecher hervorhob, wurden im Institut alle Systeme umgehend vorsorglich vom Netz genommen und heruntergefahren, als der Angriff bemerkt wurde. "Fraunhofer hat auf den Vorfall bereits umfassend reagiert und Vorkehrungen zur maximalen Schadensbegrenzung getroffen, die Lage ist unter Kontrolle", erklärte ein LKA-Sprecher. Es handele sich nach derzeitigen Erkenntnissen um einen lokalen Vorfall, der allein das Fraunhofer IMWS betreffe.

Die Polizei unterscheidet Cybercrime im engeren Sinne, die aber nicht das reale Aufkommen an Internet-Kriminalität spiegelt, und Cybercrime im weiteren Sinn. Dazu gehören dann etwa Waren- und Kreditbetrug. In diesem Bereich stieg die Zahl der erfassten Fälle in Sachsen-Anhalt von knapp 15.400 im Jahr 2020 auf nun knapp 19.500 an.

Die Polizei rät Betroffenen, die Taten unbedingt anzuzeigen. Insbesondere sollte man niemals Geld an Familienmitglieder oder Freunde überweisen, wenn sich diese per WhatsApp melden und vorgeben, in finanzieller Not zu sein. Auch auf vermeintlich bekannte Stimmen bei Telefonaten sollte man sich laut LKA nicht verlassen. Im Februar und März dieses Jahres seien 80 derartige Taten angezeigt worden. Die Schadenssummen hätten sich auf 500 bis 7000 Euro je Delikt belaufen. Grundlegend sei, Betriebssysteme und Antivirensoftware auf dem aktuellsten Stand zu halten. Für Accounts sollten nie identische, ähnliche oder einfache Passwörter genutzt werden.

Quelle: dpa

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