Sachsen-AnhaltHunderte Lkw-Parkplätze sollen an Autobahnen entstehen

Lkw-Fahrer suchen oft verzweifelt nach Parkplätzen an Autobahnen. Das kann nicht nur zu Behinderungen führen, sondern auch zu Unfällen. Es ist ein bundesweites Problem.
Magdeburg (dpa/sa) - An den Autobahnen in Sachsen-Anhalt sollen in den kommenden Jahren rund 500 neue Parkplätze für Lkw entstehen. Das geht aus einer Antwort des Infrastrukturministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums im Jahr 2023 hatte gezeigt, dass bundesweit etwa 19.630 Lkw-Parkplätze an Autobahnen fehlen. Fünf Jahre zuvor waren es demnach 23.300 Parkplätze.
In vergangenen Jahren fast 580 neue Parkplätze geschaffen
Damals hatte das Bundesverkehrsministerium einen Fünf-Punkte-Plan ausgearbeitet, der dazu beitragen soll, die angespannte Parkplatzsituation zu beheben. Dazu zählt neben einer besseren Parkplatzsuche auch der Ausbau der Infrastruktur.
Neue Lkw-Parkplätze seien an der A14-Nordverlängerung von Magdeburg über Stendal bis Wittenberge geplant. Aber auch bestehende Anlagen an weiteren Autobahnen im Land seien geplant, hieß es in der Ministeriumsantwort.
Derzeit gibt es den Angaben zufolge insgesamt 3.814 Lkw-Stellplätze im Land. In den vergangenen sechs Jahren seien 576 neue Parkplätze geschaffen worden, der Großteil davon auf Autohöfen.
Unfälle durch falsch abgestellte Lkw
Zahlen des Ministeriums zeigen, dass es durch falsch abgestellte Lkw nicht nur zu Behinderungen, sondern auch zu Unfällen kommen kann. So seien im vergangenen Jahr zwei Unfälle durch die Polizei landesweit erfasst worden, bei denen Lkw durch unzulässiges Halten oder Parken auf Bundesautobahnen beteiligt waren. In den Jahren 2023 und 2024 seien es jeweils sieben Verkehrsunfälle gewesen.
Die Zahl der festgestellten Ordnungswidrigkeiten bei Kontrollen blieb in den vergangenen Jahren relativ stabil. So wurden im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen bisher 218 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. 2024 seien es 203 Verfahren gewesen und im Jahr 2023 waren es 224 Verfahren.
Verkehrsverbände sehen gravierenden Mangel
Der ADAC betrachtete die Situation der Lkw-Parkplätze mit Sorge. "Insbesondere entlang der A2 werden wiederholt gravierende Kapazitätsengpässe deutlich", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Falsch abgestellte Lkw und nicht eingehaltene vorgeschriebene Ruhezeiten würden ein erhebliches Gefahrenpotenzial für alle übrigen Verkehrsteilnehmer bergen.
Die Politik müsse den Stellplatzausbau deutlich beschleunigen und bestehende Flächen effizienter nutzen, so die ADAC-Sprecherin. Neben dem klassischen Neu- und Ausbau könnten intelligente Parksysteme und digital bereitgestellte Stellplatzinformationen sowie Reservierungslösungen stärker eingesetzt werden. Gleichzeitig müsse das illegale Abstellen auf Zu- und Abfahrten weiterhin konsequent geahndet werden. Auch Unternehmen könnten nach Ansicht des Mobilitätsclubs helfen, den Druck zu mindern – etwa durch die zeitweise Bereitstellung firmeneigener Lkw-Parkflächen in Autobahnnähe.
Neue Formen des Parkens und technische Möglichkeiten sollen helfen
Mit seinem 5-Punkte-Plan versucht das Bundesverkehrsministerium bereits, neue Möglichkeiten auch abseits des Neubaus von Parkplätzen zu nutzen. Unter anderem setzt der Bund auf eine bessere Nutzung vorhandener Flächen. So könnten nach Ansicht des Verkehrsministeriums die vorhandenen Parkflächen etwa durch "komprimiertes Parken" unter bestimmten Bedingungen um bis zu 50 Prozent erhöht werden. Bei diesem telematischen Parkverfahren werden Lastwagen mit dynamischen Anzeigen in Parkreihen hintereinander sortiert angeordnet - basierend auf der Aufenthaltsdauer und den Abfahrtszeiten. Bei der Einfahrt auf einen Parkplatz bekommen sie unter anderem auch anhand ihrer Länge einen geeigneten Parkplatz zugewiesen.
Ein Teil der zusätzlichen Stellflächen entsteht zudem abseits klassischer Rastplätze: Mit einem Förderprogramm unterstützt der Bund seit 2021 private Investitionen in Lkw-Stellplätze im Umkreis von bis zu drei Kilometern um Autobahnanschlussstellen. Verkehrssicherheitsverbände drängen gleichzeitig auf schnelleres Planen und Bauen, warnen aber vor Finanzierungslücken.
Die Bundesregierung hat kürzlich einen Gesetzentwurf für die Infrastruktur vorgestellt. Darin wird der Bau von Lkw-Rastanlagen als "überragendes öffentliches Interesse" eingestuft und soll beschleunigt werden. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) befürchtet allerdings bereits 2027 einen Engpass bei der Finanzierung. Der DVR fordert daher eine erneute Ausschreibung des Förderprogramms für den Neubau von Lkw-Stellplätzen in der Nähe von Autobahnen.