Sachsen-AnhaltWas Gartenreich und Bauhaus gemein haben

Nicht aus der gleichen Zeit und dennoch im Grunde irgendwie ähnlich. Die beiden Unesco-Weltkulturerbestätten verbindet mehr, als der erste Blick vielleicht vermuten lässt.
Dessau (dpa/sa) - Was haben eigentlich das Gartenreich Dessau-Wörtlitz mit seinen pompösen Bauten und weiten Parks mit dem Bauhaus und seinen eher schlichten, dafür aber praktischen Möbeln und Alltagsgegenständen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht so viel. Ein genauerer Blick verrät jedoch: Es gibt sogar mehrere verbindende Elemente.
"Es gab da 1927 eine kleine historische Überschneidung zwischen dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und dem Bauhaus", erklärt Christoph Willmitzer von der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Denn damals kam Bauhäusler Hinnerk Scheper ins Gartenreich und gestaltete mehrere Räume im Schloss Oranienbaum. Das Gartenreich gab dem Bauhaus also Spielraum, um mit Pastellfarben gestalterisch zu werden. Heute ist klar: Hier war ein Unesco-Weltkulturerbe bei dem Zweiten der Region zu Gast. Das Bauhaus wurde Teil des Gartenreichs.
Progressiv und modern
Neben dem Besuch von Scheper und dem Welterbe-Status gibt es aber noch mehr, was beide Institutionen verbindet, betont Willmitzer. "In beiden wurde zu ihrer Zeit versucht, modern und progressiv zu sein."
Das Gartenreich wurde von Fürst Franz (1740-1817) gegründete. Er habe in Dessau-Wörlitz neue Ideen umgesetzt, indem er Schlösser und Parks für die Bevölkerung zugänglich machte, europäische Kunst und Einflüsse nach Sachsen-Anhalt holte und zugänglich machte und so den Kunstgeschmack und die Bildung der Menschen schulte. "Das waren für damals sehr moderne Gedanken."
Und auch das Bauhaus, das in diesen Monaten sein 100. Jubiläum in Dessau feiert, habe viel später dann auf seine Weise versucht, neue Wege zu gehen. "Sie wollten in Teilen auch nicht elitär sein und für die breite Bevölkerung denken", erklärt Willmitzer.
Ausstellung bis Mitte Oktober
Für Interessierte, die das Zusammenspiel von Gartenreich und Bauhaus näher sehen möchten, gibt es in Dessau-Wörlitz derzeit die Sonderausstellung "Dialog in Pastell". Sie läuft noch bis zum 18. Oktober. Bei einer Podiumsdiskussion im Schloss Oranienbaum wollen sich Expertinnen und Experten zudem am Donnerstagabend ausführlich über die Gemeinsamkeiten von Bauhaus und Gartenreich - auch in der Gegenwart - unterhalten.