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SachsenAndruchowytsch: Heym-Preis "Solidaritätssignal für Ukraine"

19.04.2026, 12:24 Uhr
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Als eine der wichtigsten Stimmen der Ukraine hat der Schriftsteller Juri Andruchowytsch den Stefan Heym-Preis der Stadt Chemnitz erhalten. Der Autor wertete das als Signal an seine Heimat.

Chemnitz (dpa/sn) - Er ist die "Stimme seines Landes" und "Stimme Europas": So hat der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) den diesjährigen Preisträger des Stefan Heym-Preises gewürdigt, den ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch. Schulze verlieh die Literaturauszeichnung am Samstagabend an Andruchowytsch. Der Stefan Heym-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Der Schriftsteller sagte, er nehme die Auszeichnung als "starkes Solidaritätssignal" für sein Land wahr. "Dieser Preis ist ein klares Zeugnis, dass Sie, Europäer, mit uns, mit der Ukraine sind." In seinen Büchern beschäftigt sich Andruchowytsch schon lange mit den Entwicklungen in seinem Heimatland - unter anderem mit der "Orangenen Revolution" und der Maidan-Bewegung.

Scharfe Stimme gegen autoritäre Systeme

Das Kuratorium würdigte Andruchowytsch als eine der bedeutendsten literarischen und intellektuellen Stimmen der Ukraine. Sein Werk verbinde gesellschaftspolitische Schärfe mit feinem Humor, der sich auch gegen autoritäre Systeme richte. Die Laudatio hielt Katharina Raabe, Lektorin des Suhrkamp-Verlags für osteuropäische Literaturen.

Der 1960 geborene Autor wurde zunächst mit experimentell-satirischer Lyrik bekannt und wandte sich später verstärkt Prosa und Essays zu. Er erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. "In der Bezeichnung des aktuellen Preises mag ich am besten den Punkt mit der Einmischung – in gesellschaftliche wie politische Debatten natürlich. Und ich mische mich gern ein", wird Andruchowytsch in einer Mitteilung der Stadt zitiert.

"Ich glaube, dass Sie einen hervorragenden Lehrer der Einmischungen und der Munterkeit hatten, er hieß Stefan Heym", sagte Andruchowytsch in seiner Dankesrede. Heym wurde 1913 als Helmut Flieg in Chemnitz geboren, wuchs in einer deutsch-jüdischen Familie auf und floh später vor den Nationalsozialisten in die USA.

1952 kehrte er in die DDR zurück. Dort avancierte er zu einer wichtigen Stimme der oppositionellen Literatur und war im wiedervereinigten Deutschland politisch aktiv. Der Stefan-Heym-Preis wird seit 2008 vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Amos Oz, Christoph Hein und Jenny Erpenbeck.

Die Preisverleihung in Chemnitz bildet zugleich den Auftakt der 35. Tage der jüdischen Kultur.

Quelle: dpa

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