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SachsenDiakonie verlangt mehr Engagement für Obdachlose: Kältehilfe

25.10.2021, 13:39 Uhr
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(Foto: Sebastian Kahnert/ZB/dpa)

Im Sommer lässt sich das Problem Obdachlosigkeit noch relativ gut tarnen, doch mit der kalten Jahreszeit tritt es wieder deutlicher zutage. Hilfsorganisationen rufen deshalb dazu auf, betroffene Menschen nicht zu vergessen.

Radebeul (dpa/sn) - Die Diakonie Sachsen hat angesichts sinkender Temperaturen mehr Beistand für wohnungslose oder von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen gefordert. Die Corona-Krise habe deren Situation noch einmal sehr verschärft, sagte die Referentin Rotraud Kießling am Montag in Radebeul. Sie habe gezeigt, dass man nicht nur punktuell, sondern auf allen politischen und behördlichen Ebenen den unbedingten Willen brauche, solche Notlagen zu beenden.

"Wohnungsnot ist eine erdrückende Realität das ganze Jahr über", betonte Kießling. Mieten und Nebenkosten stiegen stetig. Gerade jetzt gebe es eine dramatische Erhöhung der Strom- und Heizungskosten. Selbst Menschen mit einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gerieten so in Existenznot.

"Wer keine eigene Wohnung hat, keinen Mietvertrag besitzt, sich täglich um eine Schlafmöglichkeit kümmern muss, um sich vor Kälte und Gefahren zu schützen, hat einen Rechtsanspruch auf Hilfe", stellte Kießling klar. Doch diese Hilfen seien nicht angemessen ausgebaut, kämen oft zu spät oder stünden nicht in einem angemessen schnellen Zeitraum zur Verfügung. Allein über die Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie hätten im vergangenen Jahr 3178 Personen Hilfe und Unterstützung in den Kontakt- und Beratungsstellen sowie im ambulant betreuten Wohnen gesucht - rund 100 mehr als im Vorjahr (3076).

Nach Angaben der Diakonie reichen die Angebote von sofortiger Hilfe bei einer akuten Krisensituation über das Einrichten einer Postadresse für die Erreichbarkeit bis hin zur Überwindung der schwierigen Lebenslage durch Bezug einer eigenen Wohnung. "Am stärksten betroffen waren Menschen zwischen 25 und 55, die größte Gruppe mit einem Anteil von 26 Prozent war 25 bis unter 35 Jahre alt", hieß es. In Sachsen seien lediglich fünf Prozent der Bevölkerung 18 bis unter 25 Jahre alt. In der Wohnungsnotfallhilfe machten sie aber fast den dreifachen Anteil aus, nämlich 14 Prozent.

Kießlung zufolge ist die am 1. November anlaufende Kältehilfe der Diakonie ein wichtiges Netz für Wohnungslose, um über die harten Wintermonate zu kommen. Dann gebe es zusätzliche Angebote wie etwa erweiterte Öffnungszeiten der Hilfseinrichtungen. Um das Problem generell anzugehen, brauche man neben auskömmlichen Löhnen und einem bedarfsdeckendenden Regelsatz unter anderem auch ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn daraus Wohnungslosigkeit folgt. Überdies werde mehr bezahlbarer Wohnraum benötigt - auch für Menschen, die überschuldet sind.

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