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Sachsen Gürtler und Täschner: Kunsthandwerker geben Einblick

Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, gibt ein Pressestatement. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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Jedes Jahr im April rückt Europa Kunsthandwerker ins Rampenlicht. Dann gelangen seltene Professionen wie Muldenhauer oder Modist ins Bewusstsein. Viele sind uralt, aber nicht alle scheinen zukunftsfest - vor allem in Zeiten von Corona nicht.

Chemnitz (dpa/sn) - Rund 80 Prozent aller Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind nach Einschätzung ihres Branchenverbandes in Sachsen negativ von der Corona-Krise betroffen. Als Beleg nannte Christian Rost von der Initiative "Kreatives Sachsen" am Donnerstag Umsatzeinbußen, Auftragsrückgänge bis hin zu Totalausfällen - gerade bei Akteuren in den Bereichen Musik, Theater und der Eventbranche insgesamt. Auch das Kunsthandwerk habe durch den Wegfall von Märkten und Messen sowie mit Schließung des Einzelhandels Rückgänge zu verzeichnen: "Bei vielen Unternehmen sind zudem Rücklagen über die Dauer der Krise teilweise oder ganz aufgebraucht."

Rost zufolge gibt es aber auch positive Rückmeldungen aus der Branche: "In der Krise kommt es oft zu neuen Kooperationen. Zudem ist ein Digitalisierungsschub zu spüren. Viele Unternehmen haben zum Beispiel die Zeit genutzt, sich online besser aufzustellen." Wichtig sei vielen, während des Lockdowns weiter sichtbar zu bleiben und ihrer Arbeit nachgehen zu können. Dazu würden auch die anstehenden Europäischen Tage des Kunsthandwerks und die Werkschau in Chemnitz beitragen.

Bei den Tagen des Kunsthandwerks öffnen von Freitag bis Sonntag mehr als 200 Kunsthandwerker in Sachsen ihre Ateliers und Werkstätten. In der Corona-Pandemie müssen allerdings digitale Auftritte auf Youtube, Instagram, Facebook und Webseite die Atelierbesuche ersetzen. Eine "Werkschau - Made in Sachsen" begleitet die Präsentation bis Anfang Mai in Chemnitz. Aktuell kann nur der Katalog online eingesehen werden. Die Veranstalter hoffen darauf, die Ausstellung ab 14. April auch für Besucher öffnen zu können. Mit negativem Corona-Test und medizinischem Masken sollen Interessenten dann Zutritt erhalten.

Den Auftakt für die Europäischen Tage des Kunsthandwerks bildet schon am Donnerstag eine Podiumsdiskussion mit Akteuren des Handwerks und der Kreativwirtschaft, an der man gleichfalls online teilnehmen kann. "Viele Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker bieten in den darauf folgenden Tagen spannende Einblicke in ihr Handwerk: Holzbildhauer, Keramiker, Täschner, Goldschmiede, Muldenhauer, Gürtler, Tuchdrucker, oder Modisten. Die Vielfalt sächsischer Manufakturen und Handwerksbetriebe zeigt sich an der großen Bandbreite der Teilnehmer", hieß es.

"Neben spannenden Berufsperspektiven, die das Kunsthandwerk bietet, sind es vor allem seine Innovationskraft und Authentizität, die aus jedem handwerklichen Unikat sprechen", erklärte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Gerade in diesen Zeiten seien Kunsthandwerker und Kreativschaffende auf jede Wertschätzung für ihre Produkte und Dienstleistungen angewiesen, betonte er mit Blick auf die Corona- Krise: "Ich wünsche mir, dass die Kunsthandwerkstage gerade jetzt und in diesem Sinne auch ein Zeichen des Zusammenhalts setzen können."

Die Aktionstage finden jedes Jahr Anfang April in 21 europäischen Ländern statt. Ihr Ursprung liegt in Frankreich. In Deutschland stehen sie unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender, der Frau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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