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SachsenHohe Spritpreise treffen Tafeln in Sachsen-Anhalt

21.05.2026, 05:02 Uhr
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Gestiegene Kraftstoff-Kosten belasten die Tafeln zunehmend. Besonders lange Fahrten bringen die Einrichtungen an ihre Grenzen – mit möglichen Folgen für tausende Bedürftige.

Magdeburg (dpa/sn) - Die gestiegenen Spritpreise setzen die Tafeln in Sachsen-Anhalt zunehmend unter Druck. Höhere Fahrtkosten für Transporte erschweren die Versorgung bedürftiger Menschen mit Lebensmitteln. "Die höheren Preise sind spürbar, das stellt die Tafeln vor erhebliche Herausforderungen", sagt Kai-Gerrit Bädje, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Sachsen-Anhalt.

Besonders betroffen seien die Tafeln in den Randgebieten des Landes. Das zentrale Lager, über das ein Großteil der Lebensmittel verteilt wird, befindet sich in Staßfurt im Salzlandkreis. Viele Tafeln holen den Angaben zufolge dort die Ware ab, fahren zurück zu ihren Standorten und verteilen die Lebensmittel anschließend an die Ausgabestellen. Vor allem die großen Transportfahrzeuge verursachten enorme Kosten, hieß es.

Tafeln stehen kurz vor Aufnahmestopp

Auch die Tafel in Merseburg steht zunehmend unter Druck: Mit zwei Fahrzeugen legt sie täglich rund 150 Kilometer zurück und versorgt bis zu 3.000 Menschen. Gleichzeitig steige die Nachfrage, täglich kämen neue Bedürftige hinzu, hieß es von einer Mitarbeiterin. Die Tafel stehe deshalb kurz davor, ihr Angebot einschränken zu müssen oder einen Aufnahmestopp zu verhängen.

Bei der Tafel in Zeitz, mehr als 100 Kilometer vom Zentrallager entfernt, hätten sich die Tankausgaben verdoppelt, sagt die Koordinatorin. Um Kosten zu sparen, setzt die Einrichtung inzwischen auf neue Logistikwege. Ein Lkw des Zentrallagers liefert auf einer ohnehin geplanten Fahrt Lebensmittel nach Zeitz und nimmt auf dem Rückweg Backwaren eines nahegelegenen Bäckers mit zurück ins Lager. Dadurch könne die Versorgung bislang sichergestellt werden. Die fünf Dieselfahrzeuge der Tafel seien jedoch weiterhin ein erheblicher Kostenfaktor.

Landesverband wünscht sich mehr Unterstützung

Kai-Gerrit Bädje warnt: "Ich habe die Sorge, dass wir in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichend Mittel haben, um den Transport an die Tafeln zu gewährleisten. Das führt dazu, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen weniger Unterstützung bekommen".

In Sachsen-Anhalt gibt es nach Angaben des Landesverbandes 35 Tafeln, die rund 42.500 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Finanziert werden sie überwiegend über Spenden, zusätzlich unterstützt das Land Sachsen-Anhalt jährlich mit 50.000 Euro. Aus Sicht des Landesverbandes reicht die Summe jedoch nicht aus, um die steigenden Belastungen dauerhaft abzufedern.

Kai-Gerrit Bädje wünscht sich mehr Unterstützung durch die öffentliche Hand – etwa in Form von Spenden und staatlichen Zuschüssen. "Wir als Tafeln können nur versuchen, die Menschen in ihren Lebenslagen zu unterstützen", sagt er. "Für die Grundversorgung ist letztlich der Staat verantwortlich".

Quelle: dpa

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