SachsenSPD übt scharfe Kritik an VW-Spitze

Mehr als 100.000 Menschen könnten betroffen sein, sollte das VW-Werk in Zwickau schließen. Warum die SPD vor einem "fatalen Signal" für den Standort Deutschland warnt.
Dresden (dpa/sn) - Die sächsische SPD übt wegen der drohenden Schließung des VW-Werkes in Zwickau harsche Kritik an der Konzernspitze. Die Pläne von VW-Chef Oliver Blume zeugten von Verantwortungslosigkeit. "Wenn die einzige Vision eines deutschen Top-Managers ist, Werke in Deutschland zu schließen, um die Produktion an billigere Standorte zu verlagern, dann ist er vielleicht kein Top-Manager, sondern ein Missmanager", erklärte SPD-Chef Henning Homann. Er ist auch Sprecher für Wirtschaft und Arbeit in der SPD-Landtagsfraktion.
Mitarbeiter sollen nicht für Planlosigkeit der Chefebene büßen
"Die Menschen am Band, die seit Jahrzehnten die Rendite des Konzerns erwirtschaften, dafür büßen zu lassen, dass auf der Chefebene seit Jahren Planlosigkeit herrscht, ist unverantwortlich", betonte Homann. Sachsen werde "mit allen Mitteln" für das Werk in Zwickau kämpfen. "Es geht um mehr als Arbeitsplätze. Eine Schließung des Werks in Zwickau wäre der Rückzug des Volkswagenkonzerns aus Ostdeutschland. Das wäre ein fatales Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland."
VW hatte am Donnerstag nach der Sitzung seines Aufsichtsrates zu möglichen Einsparungen weiter keine Angaben zu möglichen Werksschließungen und Stellenabbau. Homann ging am Freitag davon aus, dass die vorgelegten Pläne offensichtlich nicht überzeugt haben. "Das gibt allen Beteiligten die Möglichkeit, diese ambitionslose Vorhabenliste zu überdenken. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Gewerkschaften den Rücken gerade machen für die Zukunft der Werke und der Beschäftigten."
"Kürzen allein ist keine Strategie."
Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) ist sich sicher, dass das Zwickauer Werk der effizienteste Produktionsstandort von Volkswagen ist. "Ich erwarte von VW eine echte Zukunftsperspektive für Zwickau, fordere Wertschätzung für die Leistung der Beschäftigten und appelliere an die in den Konzerngrundsätzen festgeschriebene gesellschaftliche Verantwortung", betonte er: "Der Eindruck ist: Dem Konzern fehlt gerade eine tragfähige Strategie für die Zukunft, denn Kürzen allein ist keine Strategie."
Bei VW in Zwickau sind momentan rund 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass noch einmal 40.000 bis 50.000 Jobs bei Zulieferern und tausende Familien daran hängen. "Insgesamt sind mehr als 100.000 Menschen in der Region direkt betroffen."