SachsenProtest gegen Aufweichung von Klimaschutzzielen in Dresden

Ein breites Bündnis ruft in Dresden zum Protest gegen geplante Änderungen beim städtischen Klimaschutz auf. Der Stadtrat droht die Ziele aufzuweichen.
Dresden (dpa/sn) - Rund 100 Menschen haben in Dresden gegen eine Absage an städtische Klimaschutzziele demonstriert. Vor einer Sitzung des Stadtrates, bei dem das Thema am Abend auf der Tagesordnung stand, versammelten sie sich an der Goldene Pforte des Rathauses und machten ihrem Unmut Luft. Im Kern geht es darum, Zwischenziele zur CO2-Reduktion aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt zu streichen.
Auch Wissenschaftler schließen sich dem Protest an
Zu der Kundgebung hatte ein breites Bündnis aufgerufen, zu dem neben Parteien, Verbänden und Vereinen auch viele Wissenschaftler gehören. Sie fordern unter anderem verbindliche Klimaziele, einen konkreten Ausstiegsplan aus der Nutzung von Erdgas, die Einrichtung eines Klimabeirats sowie konkrete Maßnahmen für Hitzeschutz, Stadtgrün und ein nachhaltiges Wassermanagement.
Ende 2022 hatte der Stadtrat für sein "Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzepts" das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2035 Neutralität bei Treibhausgasen festzuschreiben. Dem ging das Bürgerbegehren "DresdenZero" voraus, das rund 25.000 Menschen unterzeichnet hatten.
Inzwischen gibt es in Dresden aber einen neuen Stadtrat, in dem sich die Machtverhältnisse geändert haben. Deshalb stehen die ursprünglichen Pläne nun auf der Kippe.
Fridays for Future: Klimakrise ist längst Realität
"Ich finde es unfassbar, dass ein demokratisches Mittel wie ein Bürgerbegehren – getragen von den Menschen dieser Stadt – einfach ignoriert werden soll. Unfassbar, dass der klare Wunsch nach Treibhausgas-Neutralität bis 2035 plötzlich zur Verhandlungsmasse wird", sagte Carlotta Wall, eine Sprecherin von Fridays For Future bei der Kundgebung vor der Stadtratssitzung. Das Energie- und Klimaschutzkonzept sei kein radikales Wunschdenken.
"Es ist ein Plan für eine lebenswerte Zukunft hier in Dresden. Es ist ein Plan für mehr Grün statt Beton, kühlere Straßen im Sommer, saubere Luft, gesicherte Versorgung durch erneuerbare Energien. Kurzum, für eine gerechtere und gesündere Stadt für alle", betonte Wall. Die Klimakrise sei längst Realität – mit Hitzesommer, Waldbränden, Überflutungen und Wassermangel. "Die Katastrophe schreit nach Aufmerksamkeit und sie wird sich durch Aufschieben und Wegschauen nicht auflösen, sondern uns vor immer krassere Auswirkungen stellen."