Thüringen18-Jähriger wegen versuchten Totschlags angeklagt

Erfurt (dpa/th)- Im Prozess gegen einen 18-Jährigen, der einen Mitschüler im Unterricht so gewürgt haben soll, dass dieser hätte sterben können, hat der Angeklagte eingeräumt, den Schüler in den Schwitzkasten genommen zu haben. Er habe sich an diesem ersten Unterrichtstag in Weimar durch den Mitschüler provoziert gefühlt, sagte er am Donnerstag vor dem Landgericht in Erfurt. "Er hat sich über mich lustig gemacht und ich wollte ihm zeigen, wo er steht", sagte er. Daher habe er den Mitschüler in den Schwitzkasten genommen. Dass dieser ohnmächtig wurde und er Schaum vor dem Mund hatten - wie es Zeugen sagten - habe er nicht bemerkt, sagte er.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen auch versuchten Totschlag vor - er habe über mehrere Sekunden die Sauerstoffzufuhr des Mitschülers abgewürgt, dass sich dieser in Lebensgefahr befunden habe. Auch soll er im Anschluss an die Tat im Oktober 2019 Polizisten beleidigt und versucht haben, diese zu attackieren.
Seit dem Vorfall befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft. Vor Gericht ging es auch darum, dass der junge Mann psychische Probleme habe und es ihm schwer falle, seine Wut zu kontrollieren. Verschriebene Medikamente habe er aber abgesetzt, weil er sich ohne diese besser gefühlt habe, sagte der 18-Jährige.
Das heute 16 Jahre alte Opfer schilderte als Zeuge einen ähnlichen Ablauf des Unterrichtstags. Bei der Vorstellungsrunde habe der Angeklagte gesagt, er wolle zur Bundeswehr. Er und andere Mitschüler hätten daraufhin gekichert. "Weil, er sah halt nicht so aus", sagte das Opfer mit Bezug auf das damalige Gewicht des Angeklagten.
Er erinnere sich, gewürgt worden zu sein, dann sei er am Boden wieder zu sich gekommen, so das Opfer. Bei seiner Aussage gab er an, die Geschehnisse inzwischen selbst nicht als so dramatisch zu empfinden. Der Lehrer, der bei dem Vorfall im Unterricht eingriff, sagte vor Gericht, er habe keinen Schaum vor dem Mund des Opfers gesehen.