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ThüringenBaufirmen rechnen nicht mit Welle an öffentlichen Aufträgen

22.01.2026, 15:27 Uhr
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Thüringens Bauwirtschaft ist skeptisch, ob 2026 deutlich besser wird als das vergangene Jahr. Die Erwartungen an staatliche Investitionen sind trotz Sondervermögen und Landesprogramm verhalten.

Ettersburg (dpa/th) - Thüringens Bauwirtschaft rechnet in diesem Jahr nicht mit einem Auftragsfeuerwerk durch die steuerfinanzierten Investitionspakete von Bund und Land. Es bestehe die Befürchtung, dass das Geld von Land und Kommunen genutzt wird, um ohnehin geplante Investitionen umzusetzen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen, Burkhard Siebert, am Rand eines Branchentreffens aus Schloss Ettersburg bei Weimar. Die Erwartung an zusätzliche Investitionen seien bei den Unternehmen verhalten.

Nach einem für die Bauwirtschaft schwierigen Jahr 2025 gehe der Verband von einer stabilen Entwicklung in diesem Jahr aus - mit Umsätzen und Beschäftigtenzahlen etwa auf Vorjahresniveau. Nach Angaben von Siebert sind im Thüringer Bauhauptgewerbe rund 24.000 Arbeitnehmer beschäftigt. Die Firmen setzten viel daran, ihre Stammbelegschaften trotz der anhaltenden Probleme vor allem im Wohnungsbau zu halten. "Wir suchen weiter Fachkräfte, für die es gute Perspektiven gibt."

Auftragsbücher nicht besonders voll

2025 sei problematisch gewesen, weil die Haushalte von Land und einer Reihe von Kommunen erst relativ spät beschlossen wurden. Zudem würden sich Investoren im Wohnungsbau wegen hoher Materialkosten und hoher Kreditzinsen weiterhin zurückhalten.

In diesem Jahr seien die Prognosen zurückhaltend, weil die Auftragsentwicklung kein Wachstumssignal setze. Nach Daten des Statistischen Landesamtes gingen bei den Bauunternehmen zwischen Januar und November 2025 Aufträge mit einem Volumen von 2,0 Milliarden Euro ein - deutlich weniger als im Jahr davor. Den Rückgang bei den Aufträgen bezifferte das Landesamt mit 302,9 Millionen Euro oder 13,3 Prozent.

Weniger Bürokratie soll helfen

Nach Angaben von Siebert hält die schwache Auftragslage im Wohnungsbau an. Aber auch bei Straßenbauprojekten deute sich ein deutlicher Rückgang im zweistelligen Prozentbereich an. "Das ist ein Problem." Die Investitionspakete von Bund und Land für Infrastrukturverbesserungen seien wichtig - "das ist auch ein psychologischer Moment".

Thüringen erhält aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastrukturprojekte innerhalb von zwölf Jahren rund 2,7 Milliarden Euro. Das Land wiederum hat für die Kommunen ein kreditfinanziertes Investitionsprogramm mit einem Volumen von einer Milliarde Euro bis 2029 aufgelegt.

Positiv bewerte die Bauwirtschaft das Thüringer Baupaket, das beim Bürokratieabbau Fortschritte bringe. Erwartet würden schnellere Planungsverfahren und damit mehr Tempo bei den Arbeitsabläufen in der Bauwirtschaft. "Ich möchte Ihnen versichern: Bauen wird einfacher werden", erklärte Thüringens Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW)

Wohnungsbau bleibt schwach

Nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes hatten vor allem der Straßen- und Gewerbebau im vergangenen Jahr für Arbeit in der Thüringer Bauwirtschaft gesorgt. Danach stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe bis Ende November nominal und damit nicht preisbereinigt um 4,4 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro. "Wir kommen auch von einem recht niedrigen Niveau", kommentierte Siebert die Zahlen.

Die Probleme im Wohnungsbau, die seit einiger Zeit bestehen, setzten sich 2025 fort: Der Umsatz in diesem Bereich sank um 19,2 Millionen Euro oder 10,8 Prozent. Berücksichtigt wurden dabei nur Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten, während der Verband bei seinen Prognosen und der Beschäftigtenzahl auch die kleineren Betriebe berücksichtigt.

Quelle: dpa

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