ThüringenDeutlich mehr sexuelle Gewalttaten registriert

Weniger Straftaten insgesamt, aber mehr sexuelle Übergriffe: Welche Hoffnung der Innenminister mit der Debatte über sexuelle Gewalt verbindet und wo Fallzahlen zurückgegangen sind.
Erfurt (dpa/th) - Die Thüringer Polizei hat im vergangenen Jahr zu mehr Straftaten von sexueller Gewalt ermittelt. Insgesamt wurden 3.602 solcher Fälle registriert, während die Fallzahl 2024 bei 3.479 lag, wie aus der Polizeilichen Kriminalitätsstatik für 2025 hervorgeht. "Besonders bedauerlich ist natürlich, dass es auch hier zu einem gewissen Anstieg, insbesondere bei Vergewaltigungen gekommen ist", sagte Innenminister Georg Maier (SPD) bei der Vorstellung der Statistik in Erfurt.
Tatsächlich nahm Zahl der Fälle von Vergewaltigungen, sexueller Nötigung und besonders schweren sexuellen Übergriffen demnach um 43 auf 180 zu. Ebenso erfasste die Polizei 543 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und damit 100 Fälle mehr als im Vorjahr. Auch das Internet und soziale Medien spielten im Bereich von Straftaten gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht eine immer größere Rolle, hieß es.
Maier: Öffentliche Debatte zu sexueller Gewalt verkleinert Dunkelfeld
"Das Thema steht gerade jetzt natürlich auch im Blickpunkt der Öffentlichkeit und das ist auch gut so", so Maier. Denn es sei gut, dass darüber gesprochen und geredet werde. "Das führt auch dazu, dass sich das Dunkelfeld verkleinert." Mehr Frauen als in der Vergangenheit sehen sich Maier zufolge durch solche Debatten ermutigt, solche Fälle anzuzeigen, auch gerade dann, wenn es um Vergewaltigung in der Ehe gehe.
Das Thema häusliche Gewalt treibe ihn ebenfalls sehr um, betonte Maier: "Ich bin sehr hinterher, unser Polizeiaufgabengesetz so neu zu gestalten, dass insbesondere Opfer von häuslicher Gewalt – und das sind in der großen Mehrheit Frauen – besser geschützt werden." Er warb dafür, dass die demokratischen Parteien im Landtag das Vorhaben unterstützen, elektronische Fußfesseln zur Aufenthaltsüberwachung entsprechender Straftäter einzusetzen.
Mehr schwere Körperverletzungen
Insgesamt gab es im Bereich Gewaltkriminalität einen Anstieg um 220 auf 5.198 registrierte Fälle. Es seien fünf Prozent mehr gefährliche und schwere Körperverletzungen erfasst worden, sagte der neue Präsident des Landeskriminalamts (LKA), Dirk Löther. Diese Form der Kriminalität sei häufig nicht vorhersehbar und habe eine hohe Dynamik.
Die Zahl der Straftaten gegen das Leben bewegte sich den Angaben nach mit 50 auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Die Polizei ermittelt in diesem Bereich unter anderem wegen vier Morden und fünf Mordversuchen, wegen sieben Fällen von Totschlag und 16 Versuchen, sowie 16 Fällen, bei denen fahrlässige Tötung im Raum stand.
In der Summe aber weniger Straftaten erfasst
Insgesamt aber sei die Zahl der erfassten Straftaten in Thüringen 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen, betonte Maier. So habe die Polizei insgesamt 145.167 Straftaten registriert und damit rund 11.000 weniger als 2024. Die Aufklärungsquote blieb mit 61,2 Prozent auf dem Niveau von 2024. Damals betrug sie 60,9 Prozent.
Wie erklärt sich der Rückgang?
Besonders bei Ladendiebstählen und Wohnungseinbrüchen habe es Rückgänge gegeben: bei Wohnungseinbrüchen von 1.053 auf 975 Fälle, bei Ladendiebstahl von 43.037 auf 39.342 Fälle. Diese Entwicklung führt Maier auf die wirksame Polizeiarbeit zurück. Aber auch die Legalisierung von Cannabis spiele gerade im Bereich Rauschgiftkriminalität eine Rolle für den Rückgang der Fallzahlen: Hier wurden 2025 insgesamt 5.650 Fälle und somit 2.797 weniger als 2024 erfasst.
Aber: 77 Todesfälle im Zusammenhang mit Rauschgift wurden in einer Sonderauswertung 2025 festgestellt. An den Folgen des Drogenmissbrauchs starben demnach 15 Frauen und 62 Männer. Sieben von ihnen waren noch keine 20 Jahre alt.
Wer ist tatverdächtig und wer betroffen?
Entsprechend ging auch die Zahl der Tatverdächtigen zurück von 57.337 auf 54.123 Menschen. Etwa ein Viertel von ihnen seien keine deutschen Staatsbürger gewesen. Innenminister Maier betonte an der Stelle, dass unter den tatverdächtigen Ausländern in Thüringen vor allem junge Männer vertreten seien. Diese Alterskohorte sei auch unter den deutschen Tatverdächtigen vergleichsweise häufig vertreten. Bei 2.826 der Tatverdächtigen handelte es sich um Kinder, bei 4.628 um Jugendliche und bei 3.708 um Heranwachsende.
Obwohl die Zahl der Taten zurückging, stieg die der Opfer um 77 auf 36.718 an. Vor allem mehr Kinder, Jugendliche und Heranwachsende waren betroffen.