ThüringenErfurter Schule meldet sich nach Missbrauchsfällen zu Wort

An einem Gymnasium in Erfurt missbrauchen zwei Lehrer Schülerinnen. Nun veröffentlicht die Schule eine Stellungnahme. Was sagt das Kollegium?
Erfurt (dpa/th) - Nach einem Missbrauchsskandal strebt eine Erfurter Schule Strukturänderungen an. "Unser Ziel ist eine tiefgreifende Neuausrichtung, die zu einem offenen und transparenten Umgang innerhalb der gesamten Schulgemeinschaft führt, damit Missbrauch auf jeglicher Ebene nicht wieder geschehen kann", heißt es in einer auf der Schulwebsite veröffentlichten Stellungnahme. Eine Aufarbeitung auch mit externer Unterstützung sei im Gange, Strukturen, Abläufe und Verantwortlichkeiten würden kritisch überprüft.
"Die Frage, die viele bewegt"
Die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle an der Schule erschütterten zutiefst. "Unser Mitgefühl gilt den betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Familien. Wir bedauern ausdrücklich, was geschehen ist und übernehmen die volle, sich für uns als Institution ergebende Verantwortung", heißt es in der mit "Kollegium" unterschriebenen Veröffentlichung weiter. Und: "Der Frage, die viele bewegt – Wie konnte das passieren? –, stellen auch wir uns."
Im vergangenen Juni waren zwei Lehrer des Gymnasiums festgenommen worden. Einen damals 63-Jährigen verurteilte das Landgericht Erfurt bereits Ende Oktober zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis, weil sich der Mann von 2016 bis 2020 in mehr als 80 Fällen an einer Schülerin vergangen hatte.
Urteil im zweiten Prozess erwartet
Laut Staatsanwaltschaft soll sich die betroffene Schülerin einem Musik- und Religionslehrer anvertraut haben, dieser tauschte aber statt zu helfen, mit ihr pornografische Bilder aus. Gegen diesen Lehrer läuft auch ein Gerichtsverfahren. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft den Missbrauch von drei Schülerinnen und in zwei Fällen Vergewaltigung einer der drei Betroffene vor. Die Missbrauchsvorwürfe räumt der Mann weitgehend ein, die angeklagten Vergewaltigungen bestreitet er. Ein Urteil gegen den heute 58-Jährigen wird am Freitag erwartet.
Der damalige Schulleiter hatte im vergangenen Jahr zum 1. Dezember seinen Posten geräumt, eine neue Leiterin hat übernommen. Während des ersten Prozesses wurde bekannt, dass sich die missbrauchte Schülerin auch dem Schulleiter anvertraute, jedoch keine Hilfe erhalten haben soll.