ThüringenRockmusik zu den letzten Tagen Jesu vor dem Erfurter Dom

Die Domstufen-Festspiele setzen auf ein Hit-Musical über die Passion Christi. Zum Einstieg soll es einen ungewöhnlichen Kniff geben und auch mit dem Bühnenbild kann in die Trickkiste gegriffen werden.
Erfurt (dpa/th) - Mit der weltbekannten Rockoper "Jesus Christ Superstar" möchte das Theater Erfurt in diesem Jahr das Publikum bei den Domstufen-Festspielen begeistern. "Es wird eine unglaublich unterhaltsame Show", betonte Malte Wasem, künstlerischer Direktor des Theaters, in Erfurt. Auch Regisseur Peter Lund erklärte: "Ich freue mich sehr, eine so ernsthafte, berührende Geschichte in einer sehr großen Show zu erzählen."
Eigentlich ist "Jesus Christ Superstar" an die in der Bibel geschilderten letzten Tage von Jesus Christus angelehnt. In Erfurt vorangestellt werde aber die Geburt Jesu. "Da steckt so viel Hoffnung drin", sagte Regisseur Peter Lund. Überschrieben sei die Freilicht-Inszenierung vor dem Erfurter Mariendom mit Jesus Botschaft "Liebe deinen Nächsten". "Nie war die Botschaft aktueller als heute", so Lunds Einschätzung.
Mit Kniffen Originalität sichern
Er sehe eine große Herausforderung darin, das weltbekannte, 1971 uraufgeführte Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice Originalität zu verleihen. Die Bekanntheit wecke eine riesige Erwartung beim Publikum. Tatsächlich muss sich die Inszenierung sogar mit den Domstufen-Festspielen selbst messen: Denn das Musical wurde 2005 schon einmal dort aufgeführt.
Verschiedene Kniffe sollen bei den geplanten 21 Vorstellungen vom 7. bis 30. August Frische verleihen: Das Stück werde durch verschiedene Zeiten wandern und bei Herodes in einer Art TV-Show amerikanischen Formats gipfeln, so Lund.
Sieben überdimensionierte Bilderrahmen bilden das Grundbühnenbild. Es ist das letzte von Hank Irwin Kittel für die Festspiele: Nach 24 Jahren wird er seine Zeit als Ausstatter am Theater Erfurt beenden. Die Bilderrahmen seien angelehnt an Kreuzwege, die die Stationen der Passionsgeschichte darstellten, so Kittel.
Leuchten, klappen, brennen
Die Bilderrahmen erfüllten verschiedene Funktionen: "Das kann mal ein Tempel sein, auch mal ein Bordell", so Kittel. Feine Vorhänge könnten vor die Rahmen gespannt und diese so als Projektionsflächen für Bilder genutzt werden. Die Rahmen böten aber auch noch mehr: "Das simple Grundbühnenbild kann ganz viel: Es kann leuchten, brennen, klappen und fallen", so Lund.
Wenn Rockmusik nicht mehr schockt
Eine weitere LED-Wand werde für Untertitel genutzt. Dort sollen etwa auch Bilder vom Orchester projiziert werden. Dieses spielt wie in jüngerer Vergangenheit üblich, live im Theater, während der Ton zu den Domstufen übertragen wird, wo die Sänger vor dem Publikum stehen. Direkt beim Orchester werde vermutlich auch die zusätzliche Rock-Gruppe positioniert, die für den speziellen Klang des Musicals entscheidend ist. "Schocken" wie einst könne die Rockmusik heute zwar nicht mehr, sagte der musikalische Leiter Clemens Fieguth. Dennoch sei mit einer musikalischen Wucht zu rechnen: "Im Optimalfall werden wir aber ab der ersten Minute in den Stuhl gepresst".
Muffliges Wesen für Kinder
Für die jüngsten Kulturfreunde gibt es ebenfalls wieder Programm: Als Kinderstück wird vom 15. bis 30. August "Der Bärbeiß" nach der entsprechenden Kinderbuchreihe von Autorin Annette Pehnt zu sehen sein. Und zwar erstmals auf der schattigen Severiwiese, statt auf dem Domplatz.
Die Ticketpreise änderten sich im Vergleich zum Vorjahr nicht, so Wasem. Regulär kosteten die Karten zwischen 75 und 95 Euro, Ermäßigungen gebe es etwa für Studierende und Schülerinnen und Schüler. Mit etwa 21.200 Karten sei bereits die Hälfte aller Tickets verkauft. Die Hoffnung sei, dass die Festspiele an den Erfolg des vergangenen Jahres anknüpfen können, so Wasem: 2025 hatte die Auslastung mit Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" erstmals in der Geschichte der Festspiele 100 Prozent betragen.
Auch 2027 soll wieder ein Opern-Klassiker zu erleben sein: Giuseppe Verdis Opern-Klassiker "La traviata".