ThüringenSeltener Regelstudienzeit-Abschlüsse, mehr Langzeitgebühren

Weniger Studierende in Thüringen schaffen ihren Abschluss innerhalb der Regelstudienstudienzeit. Das hat Folgen: Wer deutlich länger studiert, muss mitunter auch tiefer in die Tasche greifen.
Erfurt (dpa/th) - Etwas mehr Studierende in Thüringen haben zuletzt sogenannte Langzeitstudiengebühren bezahlen müssen. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr auf 3.128. Das geht aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des Landtagsabgeordneten Christian Schaft (Linke) hervor. 2024 waren es 3.062 und im Jahr davor 2.976 Studierende gewesen.
Diese Gebühren werden fällig, wenn die Regelstudienzeit eines Studienganges um mehr als vier Semester überschritten wird. Pro Semester geht es laut Thüringer Hochschulgebühren- und -entgeltgesetz um 500 Euro. Dabei ist Thüringen eher die Ausnahme mit der Erhebung von Langzeitstudiengebühren. In etlichen anderen Bundesländern fallen diese nicht an.
Ausnahmen für Härtefälle
Unter manchen Umständen können Studierende durch eine Härtefallregelung von den Gebühren befreit werden. Das Deutsche Studierendenwerk weist etwa darauf hin, dass Behinderungen oder chronische Krankheiten das Studium verzögern und somit zur Überschreitung der gebührenfreien Semesterhöchstgrenze führen können. Die Betroffenen müssen aber rechtzeitig Anträge für den Härtefall stellen, ihn begründen und belegen.
Dass Studierende mit der jeweiligen Regelstudienzeit nicht immer hinkommen, zeigen auch andere Zahlen der staatlichen Thüringer Hochschulen, ohne die Verwaltungsfachhochschule in Meiningen: 2.873 der 8.681 durch Bachelor- und Master-Studierende im Jahr 2024 abgelegten Abschlussprüfungen erfolgten in der Regelstudienzeit (33 Prozent).
Rückgang bei Abschlüssen in Regelstudienzeit
Der Anteil derer, die innerhalb des vorgesehenen Zeitraums das Studium abschließen konnten, verringerte sich damit in den vergangenen Jahren kontinuierlich, 2021 lag er bei rund 39 Prozent. Wobei 2021 sich Sonderregelungen wegen der Corona-Pandemie auf die Zahlen auswirken können.
"Angesichts der Zahlen kann nicht von individuellen Problemen bei den Studierenden zur Überschreitung der Regelstudienzeit gesprochen werden. Es handelt sich um strukturelle Probleme", sagte Schaft dazu.
Um dem Problem zu begegnen, sollte aus seiner Sicht aber nicht auf eine Höchststudiendauer gesetzt werden, wie sie etwa die TU Ilmenau und die FSU Jena planen. Die eigentlichen Gründe, wegen derer Studierende Regelstudienzeiten überschreiten, würden damit nicht angegangen.
Schaft: Bessere Unterstützung statt mehr Gängelei
Mehr unterstützende Angebote für Studierende seien nötig wie etwa die Hochschulsozialarbeit in Nordhausen, sagte Schaft. Auch Studiengangs- und Prüfungspläne sollten genau unter die Lupe genommen werden. Auf finanzieller Seite müsse den Studierenden Druck genommen werden: Schaft fordert etwa ein Notfalldarlehen für Studierende in Thüringen, um die mitunter lange Zeit bis zur Entscheidung über deren Bafög-Antrag zu überbrücken. "Studierende, die sich keine Sorge um ihren Lebensunterhalt machen müssen, einfach und unkompliziert Beratungsangebote in Anspruch nehmen können und wissen, dass ein Auslandssemester kein Nachteil für die Regelstudienzeit ist, können sorgenfrei studieren und auch früher ihr Studium erfolgreich abschließen", sagte Schaft.