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ThüringenSie verspeist Männer – Warum es mehr Gottesanbeterinnen gibt

07.08.2026, 13:41 Uhr
Das-Vorkommen-der-Gottesanbeterin-soll-in-Thueringen-besser-dokumentiert-werden

Früher galt sie als Exotin in Thüringen: die Gottesanbeterin. Nun kommt sie häufiger vor. Wie Naturfreunde helfen können, ihren Bestand zu erkunden.

Jena (dpa/th) - Sie verspeisen Heuschrecken, Fliegen, aber auch ihre männlichen Artgenossen nach dem Sex: In Thüringen breitet sich nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) die Gottesanbeterin aus – auch wegen steigender Temperaturen und warmer, trockener Sommer.

In der Vergangenheit galt die Fangschrecke, die in Ruhestellung zwei Beinen wie zum Gebet erhobene Arme vor den Körper hält, als Exot. Ihre Vorkommen nehmen seit 2018 zu, wenn auch noch nicht flächendeckend in Thüringen, so der Nabu.

"Die Schwerpunkte der bisherigen Nachweise liegen im Kyffhäuserkreis, im Mittleren Saaletal und im Landkreis Sömmerda", erklärte Ronald Bellstedt, ein Insektenexperte des Nabu. Das ursprünglich aus Afrika stammende Insekt mit imposanten Fangarmen bevorzuge trockenwarme, meist in Südlage gelegene Gras- und Buschlandschaften, Halbtrockenrasen und Flächen mit lockerer Vegetation. Lange habe es in Deutschland Gottesanbeterinnen nur in sogenannten Wärmeinseln wie dem Kaiserstuhl bei Freiburg gegeben.

Ein Drittel der Männchen wird aufgefressen

Auch in Regionen mit eigentlich guten Bedingungen wie im Gebiet um die Burgen der "Drei Gleichen" im Landkreis Gotha seien sie noch nicht entdeckt worden. Zudem machten sich die Tiere im Thüringer Wald rar. Dort könnten sie aber in den Offenlandflächen irgendwann auftauchen, so der Experte.

Wer Gottesanbeterinnen in der Thüringer Natur entdecke, sollte sie dem Nabu melden, möglichst mit Foto und Ortsangabe. "Wir erwarten, dass die Tiere vor allem im Offenland mit lückigen Vegetationsstrukturen, wo es zunehmend heißer und trockener wird, in Zukunft mehr werden", erklärt Bellstedt. "Für uns Menschen sind Gottesanbeterinnen relativ ungefährlich, sie sind weder giftig noch können sie stechen", sagt Bellstedt.

Anders sieht es für die Männchen aus, die kleiner als die Weibchen sind - ein Drittel von ihnen werde nach der Paarung verspeist. Zum Beutespektrum gehören vor allem Heuschrecken, Fliegen und diverse Hautflügler. Gottesanbeterinnen würden ihrer Beute oft über Stunden unbemerkt in der hohen Vegetation auflauern. Der tödliche Zugriff dauere nur 50 bis 60 Millisekunden.

Quelle: dpa

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