ThüringenTraditionelle Porzellanmanufaktur in Kahla erneut insolvent

Schon 2020 war das Haus umstrukturiert worden. Nun ist die bekannte Manufaktur erneut in der Bredouille. Das sind die Gründe - und so geht es weiter.
Kahla (dpa/th) - Die traditionsreiche Porzellanmanufaktur in Kahla steckt nach 2020 erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Beim Amtsgericht Gera ist ein Insolvenzverfahren eröffnet worden, wie aus dem Portal Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht. Hintergrund sei eine schwache Messe- und Ordersaison, teilte das Unternehmen mit. Vor allem in der Gastronomie gebe es eine starke Kaufzurückhaltung.
Dazu kämen erneut stark gestiegene Energiepreise, hieß es weiter. Diese stellten für energieintensive Unternehmen wie eine Porzellanmanufaktur eine erhebliche Belastung dar. "Die ohnehin sehr hohen Energiekosten werden wegen des Iran-Krieges weiter ansteigen." Die Insolvenzbekanntmachung datiert auf den 2. März - also zwei Tage nach Beginn des Krieges.
Produktion läuft weiter
Die Produktion bei der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH werde vorübergehend fortgesetzt, auch die Auslieferung und Abarbeitung von Aufträgen erfolge regulär. Die 120 Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld abgesichert. Insolvenzverwalter Thomas Jacobs sagte: "Mein erster Eindruck ist, dass Geschäftsführung und Belegschaft fest hinter der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen stehen." Die Struktur des Unternehmens solle nun neu geordnet und der Standort langfristig gesichert werden.
Mehrere Umbrüche über die Zeit
In Kahla südlich von Jena wird seit mehr als 170 Jahren industriell Porzellan hergestellt. Zu DDR-Zeiten war die Stadt Sitz des VEB Feinkeramik, zu dem 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten gehörten. Die Privatisierung nach der Wiedervereinigung endete erst in der Pleite, dann kam es 1994 zur Neugründung der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH.
Diese meldete 2020 nach einem geplatzten Großauftrag Insolvenz an und wurde dann vom heutigen Geschäftsführer Daniel Jeschonowski übernommen. Vor der Insolvenz vor sechs Jahren hatte noch etwa 250 Menschen in der Manufaktur gearbeitet - die Belegschaft hat sich seither also mehr als halbiert.