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ThüringenVorsitzende von Ärztevereinigung zu Reformplänen: "Affront"

03.07.2026, 11:48 Uhr
Annette-Rommel-Vorsitzende-der-Kassenaerztlichen-Vereinigung-Thueringen-geht-davon-aus-dass-die-Aenderungsplaene-bei-Krankschreibungen-zu-einer-hoeheren-Belastung-fuer-niedergelassenen-Aerzte-und-volleren-Wartezimmer-fuehrt

Reformideen der Regierung stoßen auf scharfe Kritik: Warum die KV-Vorsitzende in Thüringen volle Wartezimmer und andere Risiken für Patienten befürchtet.

Weimar (dpa/th) - Die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) hat Pläne der Bundesregierung zu Verschärfungen bei der Krankschreibung heftig kritisiert. "Die Regierung verspricht mit ihren Reformen Aufschwung und Beschäftigung. Doch was die Koalition plant, ist ein Affront gegen die niedergelassenen Ärzte", teilte Annette Rommel auf dpa-Anfrage mit.

Die Koalition aus Union und SPD möchte Deutschland mit einem Reformpaket aus der Wirtschaftskrise führen. Eine Idee dafür: Die Möglichkeit, sich telefonisch auch ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, soll abgeschafft werden. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) soll schon am ersten Krankheitstag verpflichtend vorgelegt werden. Ausnahmen sollen auf Betriebsebene möglich sein, betonte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Rommel geht aus, dass mit diesen Plänen Mehr-Beschäftigung in den Praxen hängen bleiben werde: "Wer die Telefon-AU streicht und eine Krankschreibung ab dem ersten Tag fordert, entfacht ohne jede Not einen Run auf die Praxen." Analysen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigten, dass nur ein Bruchteil aller Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen per Telefon ausgestellt werde.

Unnötiges Ansteckungsrisiko

Die sogenannten bisher geltende Karenztage der Arbeitgeber führten Rommel zufolge dazu, dass sich Menschen mit Infekten zuhause auskurieren könnten, statt im Wartezimmer andere Menschen anzustecken. "Wer diese Maßnahmen abschafft, sorgt für übervolle Praxen, längere Wartezeiten und im Zweifel unnötige Ansteckung von Patienten."

Die Politik spare an der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Der Effekt der Pläne laut Rommel: "Es wird weniger Termine geben und die Wartezeit auf die noch verfügbaren Termine werden länger". Die KVT-Vorsitzende fürchtet zudem, dass mit den Reformplänen erhebliche finanzielle Kürzungen in der ambulanten Versorgung einhergehen könnten.

Quelle: dpa

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