Reise
Donnerstag, 02. September 2010

Von Hostel bis Luxus: Berliner Hotels buhlen um Gäste

Kampf der Sterne: In Berlin ist der Konkurrenzkampf in der Hotellerie besonders hart. Es gibt immer mehr Herbergen auch für den ausgefallenen Geschmack - und Berlin ist immer noch vergleichsweise preiswert. Mit dem Billigimage der Stadt haben vor allem die Luxushotels zu kämpfen.

Hotel Adlon in Berlin: Die Luxusherberge hat es schwer mit dem Billigtourismus in der Stadt.
Hotel Adlon in Berlin: Die Luxusherberge hat es schwer mit dem Billigtourismus in der Stadt.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Ein Hotel samt Profi-Musikstudio im Szeneviertel? Ein Zimmer mit Öko-Holzparkett für Asthmatiker? In Berlin kein Problem. In der Hauptstadt eröffnen immer mehr Hotels für den besonderen Geschmack. Verglichen mit andern europäischen Hauptstädten zahlen Gäste vom Hostel bis zur Luxusherberge wenig. Was Berlin-Besucher aus aller Welt freut, alarmiert Tourismusexperten inzwischen. Sie fürchten, dass der harte Wettbewerb der Hotels manches gutgeführte Haus in den Ruin treiben könnte.

Die wachsende Konkurrenz lässt auch die Spitzenhoteliers der Hauptstadt nicht kalt. Oliver Eller, neuer Chef des Berliner Luxushotels Adlon am Brandenburger Tor, nennt Berlin bereits nach drei Wochen im Amt "keine leichte Destination". Die Sommerzahlen des Adlon seien zwar gut. "Doch die Stadt stellt sich als preiswert dar, das macht es schwieriger für Luxus und Exzellenz."

Oliver Eller, der neue Chef des Adlon, vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Oliver Eller, der neue Chef des Adlon, vor dem Brandenburger Tor in Berlin.(Foto: dpa)

Der 43 Jahre alte Eller wirkt auf den ersten Blick nicht wie der Prototyp eines Fünf-Sterne-Hoteldirektors. Als gebürtiger Ostwestfale schwärmt er nicht für Nouvelle Cuisine mit drei halbgaren Möhrchen auf dem Teller. Es dürfe gern eine Currywurst sein, bekennt er. Eller gibt sich als Macher. Das Traditionshotel Adlon, das nach der Wende als Neubau im alten Stil am Brandenburger Tor wiedererstand, will er weiterentwickeln: "Ich bin ein Mann für Veränderungen."

Immer mehr Spitzenhotels in Berlin

Damit könnte er der Richtige sein im ersten Haus am Pariser Platz, in dem Staatsgäste und Stars gern absteigen. Denn auch ein Luxushotel in bester Lage muss inzwischen weit mehr bieten als bisher: Mehr als 20 Spitzenhotels buhlen in der deutschen Hauptstadt um Gäste - und es werden mehr. Ende 2011 eröffnet am Bahnhof Zoo mit dem Waldorf Astoria die Luxusmarke der Hilton-Gruppe - ihr erstes Haus dieser Art in Deutschland. Der Kuchen für die exzellenten Hotels wird damit unweigerlich kleiner.

Der Tourismus in Berlin boomt weiter und ist zu einem gewaltigen Wirtschaftsfaktor geworden. 40 Prozent der Gäste kommen heute aus dem Ausland, die Rekordmarke von 20 Millionen Übernachtungen könnte in diesem Jahr geknackt werden. Berlin gilt in aller Welt als hip. 112 000 Hotelbetten in mehr als 700 Betrieben gibt es bald. Doch die durchschnittliche Auslastung liegt unter 50 Prozent, und der Preisdruck steigt weiter.

Preiswerte Hauptstadt

Neue Investoren schreckt das dennoch nicht ab. Im Oktober kommt das Hotel Scandic am Potsdamer Platz mit 563 Zimmern und Suiten hinzu. Einen Monat später eröffnet die NH-Gruppe das Lifestyle-Hotel im Szenekiez Friedrichshain, macht 300 Zimmer mehr. Am Alexanderplatz plant Holiday Inn schon ein weiteres Haus.

Am 1. Oktober eröffnet in der Nähe des Potsdamer Platzes das Hotel "Scandic Berlin Potsdamer Platz".
Am 1. Oktober eröffnet in der Nähe des Potsdamer Platzes das Hotel "Scandic Berlin Potsdamer Platz".(Foto: picture alliance / dpa)

In kaum einer Hauptstadt Europas lässt es sich bei dieser Entwicklung so günstig übernachten wie in Berlin. Besucher aus Frankreich, Großbritannien oder Italien bekämen hier locker ein Fünf- Sterne-Hotel für einen Preis, der in ihrer Heimat kaum für vier Sterne reiche, sagt Natascha Kompatzki, Sprecherin der Berlin Tourismus Marketing GmbH.

Das Waldorf Astoria schätzt Adlon-Chef Eller schon heute als Herausforderung ein. "Ich habe Verständnis dafür, dass die Leute das ausprobieren", sagt er. Das Adlon will deshalb keine 180-Grad-Wende machen. "Es wäre ein Wahnsinn, die Tradition über Bord zu schmeißen", sagt Eller. Er sieht sich bei Neuerungen als kühler Rechner. Veränderungen müssten sich vor allem finanziell lohnen.

Quelle: n-tv.de