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Prunkvoller Senatorensitz in Bremen "Haus des Reichs" erlaubt Einblick

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Das Foyer mit der breiten Marmortreppe im "Haus des Reichs" in Bremen.

(Foto: dpa)

Finanzsenatoren in Bremen haben einen besonders repräsentativen Amtssitz: Sie arbeiten in einem denkmalgeschützten Haus, das als Kunstwerk eingeschätzt wird. Das prunkvolle Kontorhaus aus den 1920er Jahren vereint Expressionismus und Art Deco. Seit einigen Monaten nun gibt es offizielle Führungen durch das "Haus des Reichs".

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Eins der Treppenhäuser mit einem der vier Flügel.

(Foto: dpa)

Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) hat wie schon ihre Vorgänger einen repräsentativen Amtssitz. Das "Haus des Reichs" ist ein prunkvolles Kontorhaus aus den 1920er Jahren, das Expressionismus und Art Deco miteinander vereint. "Hier ist das ganze Haus ein Kunstwerk", sagt die Kulturwissenschaftlerin Gundula Rentrop. Seit dem vergangenen Sommer gibt es auch offizielle Führungen. Ein- bis zweimal in der Woche geht Rentrop mit kleinen Besuchergruppen durch das Gebäude mit seinen vier Flügeln. Die Nachfrage sei groß, eine rechtzeitige Voranmeldung erforderlich. Bis in den Februar seien alle Termine ausgebucht, sagt Rentrop.

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Deckenbeleuchtung im zweiten auffälligen Treppenhaus.

(Foto: dpa)

Gebaut wurde das Haus als Hauptverwaltung der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei AG, und es ist eng verwoben mit dem Aufstieg und Fall der Bremer Unternehmer-Dynastie Lahusen. Als das Gebäude mit seinen Ebenholz-Vertäfelungen, römischen Travertin, mit Blattgold belegten Decken und zwei runden, lichtdurchfluteten seitlichen Treppenhäusern 1931 vollendet war, stand die Nordwolle wenige Monate vor dem Konkurs. Die Pleite des einst größten europäischen Wollkonzerns mit weltweit 22.000 Mitarbeitern sorgte damals im gesamten Deutschen Reich für Aufsehen.

"Hier ist alles total denkmalgeschützt"

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Treppenhaus mit einer goldfarbenen Wendeltreppe.

(Foto: dpa)

Die Führung beginnt im Haupteingang. "Hier ist alles auf Repräsentation ausgerichtet. Das war der Exklusiveingang für die Führungsebene", erklärt Rentrop. Die Mitarbeiter mussten einen schlichten Seiteneingang benutzten. Eine breite Treppe führt vom Foyer in die "Teppichetage", der dort in den Boden eingelassen ist. Auf dieser Etage hat auch die Finanzsenatorin ihr Büro. "Hier ist alles total denkmalgeschützt. Ich darf nur Unordnung machen, Blumen hinstellen und Bilder aufhängen", sagt Linnert. "Das tue ich, damit es nicht so respekteinflößend aussieht - und mir das Arbeiten leichter fällt."

"Wenn Frau Linnert nicht da ist, dürfen die Besucher einen kurzen Blick in das historische Zimmer werfen", berichtet Rentrop. Ein Besuch des Frühstücksraums gehört dagegen zum Programm. In dem Zimmer gab es von Anfang an eine Klimaanlage und einen Speisenaufzug. "Das war ein exklusives Besprechungszimmer, in dem auch geraucht wurde, deshalb die Klimaanlage."

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Marmorverkleideter Maschinenraum.

(Foto: dpa)

Eine große Anziehungskraft hat im "Haus des Reichs" auch das Untergeschoss. "Durch den Keller zu stöbern, begeistert die Besucher", sagt Rentrop. Vor allem der Maschinenraum hat es in sich: mit Marmor und gestylt wie der Maschinenraum eines Dampfers. "Das war die modernste Anlage der damaligen Zeit." Seit 1978 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Für Bremens obersten Denkmalschützer, Prof. Georg Skalecki, ist das Haus sehr außergewöhnlich und exponiert. "Als Verwaltungsgebäude ist es eines unserer herausragenden Denkmäler von überregionaler Bedeutung", sagt der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege. In der Stadt stehen mehr als 1500 Objekte unter Schutz, darunter Banken, Geschäfts-, Kontor- und Landhäuser sowie 69 private Villen. "Alle Denkmäler sind mir gleich lieb", meint Skalecki.

Nach dem Konkurs der Nordwolle übernahm das Reichsfinanzministerium das Kontorhaus, das seitdem den Namen "Haus des Reichs" trägt. Rentrop kennt die wechselvolle Geschichte und gibt ihr Wissen gerne weiter. "Ich habe das Haus immer schon geliebt. Ich kann mich hier richtig ausleben." Sie plant eine Dauerausstellung mit Zeitzeugenberichten, Fotos und Plänen. Aber für manchen Bremer wird es wohl vor allem das Finanzamt Bremen bleiben.

Quelle: n-tv.de, Vera Jansen, dpa

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